Alles hat seine Zeit...Sein und Werden

Alles hat seine Zeit, alles auf dieser Welt hat seine ihm gesetzte Frist: Geboren werden hat seine Zeit wie auch das Sterben. Pflanzen hat seine Zeit wie auch das Ausreißen des Gepflanzten. Töten hat seine Zeit wie auch das Heilen. Niederreißen hat seine Zeit wie auch das Aufbauen.
Weinen hat seine Zeit wie auch das Lachen. Klagen hat seine Zeit wie auch das Tanzen. Steine zerstreuen hat seine Zeit wie auch das Sammeln von Steinen. Umarmen hat seine Zeit wie auch das Loslassen. Suchen hat seine Zeit wie auch das Verlieren. Behalten hat seine Zeit wie auch das Wegwerfen.
Zerreißen hat seine Zeit wie auch das Flicken. Schweigen hat seine Zeit wie auch das Reden.
Lieben hat seine Zeit wie auch das Hassen. Krieg hat seine Zeit wie auch der Frieden. (Prediger 3, 1 - 8, die Bibel)

20. März 2015

Vom zweiten Monat und von den zwei Polen...

Die Sonne verfinstert sich...

Nein, keine Sorge - nur im astronomischen, total wörtlichen Sinne. Sollte nur das Interesse der LeserInnen wecken. Ich sitze in meinem Ohrensessel neben dem Stubenwagen meines von den Strapazen der letzten Nacht müden Sprösslings und harre dem vierten Versuch ihn zu seinem Vormittagsschläfchen zu bewegen, während ich das Spektakel der partiellen Sonnenfinsternis per livestream mitverfolge. Denn als übervorsichtige Mama traue ich mich nicht mein Baby draußen bei einem Spaziergang der Gefahr auszusetzen, einen versehentlichen Blick in die Sonne zu werfen und sich dabei grauslige Verletzungen der Netzhaut zu zuziehen...nein, nein, nein...Meine Oma muss mit Besuch warten bis nächsten 18 Jahre bis zur nächsten partiellen Sonnenfinsternis abzulaufen beginnen. Spannend übrigens...die Vorstellung, dass ich sowas das nächste mal mitverfolgen werde, wenn der kleine Milchsauger neben mir seine Volljährigkeit erreicht hat. Wie wird er die wohl mitverfolgen? Als interessierter Intellektueller mit Schutzbrille, in einer Sternwarte und top informiert? Oder eher auf irgendeinem Hügel mit ein paar Kumpels, ein paar Bierchen und OHNE Schutzbrille? Alles Spekulationen, ich weiß, aber so eine Mischung von beiden das wärs - intelligent, sozial kompetent und fröhlich - man wird sich doch noch was wünschen dürfen...

Na gut, wir (ja, meine Selbstständigkeit und Identität wurde durch ein kollektives WIR ausgetauscht) haben das zweite Monat hinter uns. Und ich schwebe irgendwo zwischen Mutter-Frust und Mutter-Glück. Und das schwankt fast minütlich. Im einen Moment betrachte ich meinen Engel und es rollen mir die Freudentränen über die Wange, im nächsten Moment denke ich mir "guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück". Und das schlimmste ist, ich kann es nicht mehr auf meine Hormone schieben - es liegt tatsächlich an den Umständen.
Laut Lehrbuch ist der Peak an Schreistunden in der 6. Woche auf seinem Höhepunkt und sinkt dann wieder. Genau so war es. Sohnemann weint pro Tag höchstens eineinhalb, zwei Stunden über den Tag verteilt und fast nur wenn ihn seine Verdauung quält. Das tut sie jedoch regelmäßig und am ausgiebigsten vorm Schlafengehen und um halb vier Uhr morgens. Neben den drei bis vier Stillmahlzeiten sind die nächtlichen Unterbrechungen am Schlimmsten...die gehen mir am meisten auf die Nieren. Oft fürchte ich mich vor der Nacht - in denen ich so wenig zur Ruhe komme, während mein Mann friedlich schnarchend vor sich hin schlummert. Das macht mich oft wahnsinnig und frustriert. Das Gute daran, er hat, wenn ich ihn wecke und darum bitte, die Ruhe und die Nerven, um den Kleinen in seinen wildesten Schreiphasen nachts zu beruhigen und in den Schlaf zu wiegen. Dann, wenn ich meine Nerven schon zum Recyclinghof gebracht habe. Es ist toll - und es nervt, tierisch...Mein Mann, der Retter in der Not. Er verbringt nur wenige Stunden am Tag mit dem Kleinen und schafft es dem Kleinen Ruhe und Ausgeglichenheit zu geben...Sauerei sowas! Großartig sowas!
Ja, man merkt schon - die zwei Pole, von denen ich sprach, sind allegegenwärtig: Mutter-Frust vs Mutter-Glück; Papa-Vorteil vs. Papa-Neid;
Diese dämlichen Pole des Paradoxen tauchen auch in meiner Tagesbeschäftigung auf. Ich tue kaum etwas, also etwas Produktives im Haushalt oder anderswo. Und trotzdem bin ich ständig beschäftigt und eingenommen von meinem Baby. Stillen - Wickeln - Spielen - Herumtragen - in den Schlaf wiegen - vielleicht selbst ein wenig Schlaf nachholen oder mal die Wäsche sortieren - Stillen - Wickeln - Spielen...all day long. Und am Ende des Tages, fühle ich mich in Anbetracht der Staubschicht auf den Möbeln, den Krümeln auf dem Boden und den Wäschekörben so als hätte ich rein gar nichts gemacht. Dafür ist es erstaunlich, wieviel man in eineinhalb Stunden abends schafft, wenn Papa's Baby-Schicht anfängt.
Doch allmählich kommt etwas Regelmäßigkeit in unseren Alltag und Fröschlein liegt auch gern mal zappelnd in seinem Stubenwagen unter dem Mobile oder unter dem Spielbogen und gluckst vor sich hin. Das gibt mir ein wenig Luft und ich kann ein paar Kleinigkeiten daneben erledigen. Ab und zu, in einem guten Moment akzeptiert er auch das Tragetuch und ich kann etwas einfaches kochen. Bevor man ein Kind hat, glaubt man nicht, dass man SO ETWAS als ein Stück "Ausgleich" empfindet.
Mein momentanes Tageshighlight ist, wenn mein Mann nach Hause kommt. Er bringt etwas Ausgleich, nimmt voller frischen Elan und Freude den kleinen Mann und ich kann mich auskotzen oder in aller Ruhe duschen gehen. Fehlen diese paar Stunden und die Unterstützung nachts, bin ich quasi ein ängstliches Häufchen Elend. Tja, das was die taffe (ja, das darf man auch so schreiben, habs gegoogelt) Miriam zu einem ängstlichen Häufchen Elend macht, ist ein keine 60 cm großer Mini-Mensch mit zuckersüßem zahnlosen Lächeln und Haaren auf den Ohren!
Heute Nacht ist Premiere - mein Mann ist das erste Mal seit unser Baby da ist von berufswegen über Nacht weg. Und mir graut davor...Und es folgen in den nächsten Monaten noch einige solcher Nächte allein. Aber mir bleibt nichts anderes über als das Kind, im wahrsten Sinne des Wortes, zu schaukeln.
Ein weiterer Meilenstein in zwei Monaten Mama-Glücksfrust sind die ersten guten Vorsätze die nicht mal mehr flöten, sondern eher Tuba spielen gehen. Als moderne, bindungsorientierte Mama möchte man ja alles was Bindung fördert und möglichst natürlich ist in seinen Erziehungs- und Pflegealltag einbauen. Die Liste ist endlos, was man dazu nicht alles am besten machen könnte. Und die Glaubensgemeinschaften sind da strikt...da gibt es die Anhänger, die das Wagerl-Vorsichherschieben, das im eigenen Zimmer Schlafen lassen, das Flascherl Geben für mittelschwere Kindesmisshandlung halten. Dazu gibt es diverse Freiheiten - Windelfrei, Schnullerfrei...so natürlich und so eng an Mama wie möglich soll das Kind aufwachsen. Und schwebe da irgendwo dazwischen - ich wäre gern Tragemama, aber mein Kleiner mag die Tragetuch oft nicht, zumindest nicht wenn er wach ist. Das Wagerl mag er ebenso wenig. Nur meinen gewonnenen Retro-Super Schlitten, der nichts kann außer hübsch aussehen und wie ein Einkaufswagen bei Aldi klappern, den mag er. Stillen tu' ich, bei uns schlafen tut er auch. 8 von 10 Punkten auf der Hippie-back-to-the-roots-Mama-Skala. Schnullerfrei - das war mein Vorsatz...anfangs hatte ich gar keine zu Hause. Aber irgendwie rutschte doch einer in unser Baby-Equipment und trotz einigen Wochen ohne Schnuller und Dauernuckeln an Mama's Busen oder Finger, entschied ich mich, doch wieder einmal anziehen zu wollen bzw. meinen Finger schrumpelfrei haben zu wollen und gab ihn das blöde Saugding. Diese üble Kunststoffverarsche...tja. Nachdem ich mir eingestehen musste, dass ich Schnullerfrei nur mir selber zum Ziel machte, um mir selber etwas zu beweisen, ließ ich es sein und gönnte dem von heraufrutschendem Magensaft gequälten Kind etwas Nuckeln. Aber mir tat es schon weh - Punkteabzug zur Super-Hippie-back-to-the-roots-bindungsorientierten-Mama...mal sehen wie viele Punkte ich noch abgezogen bekomme, um endlich völlig cool und mit besten Gewissen singen zu können "I did it my way!"
Vielleicht nach dem dritten Monat...da soll ja alles anders werden...soll ja...


5. März 2015

Vom ersten Monat und vom ersten Menschen...

Ein Monat.
Genauer gesagt sind inzwischen bereits fast 6 Wochen vergangen seit unser Fröschlein das Licht der Welt erblickt hat.
Ich hatte ja alsbald bemerkt, dass die Ankunft eines solchen Mini-Menschen ALLES verändern würde, jedoch war mir das Ausmaß dieses ALLES nicht wirklich bewusst. Jetzt dämmert es mir langsam.
Ich werde oft gefragt, wie es mir geht. Meist in Situationen, wo Fröschlein selig schlummert und jeden Engel in den Schatten stellt. Der Gesichtsausdruck der Fragenden suggeriert dabei meist eine zu gebende Antwort im Stile von: "Müde, aber glücklich!" Da fällt mir ein, dass ich schon des öfteren darauf angesprochen wurde, ich sehe müde aus...dabei war ich es gar nicht - tja. Neuerdings bin ich müde, nicht wenn ich unter Leute gehe - das gibt mir (meistens) einen Energieschub, aber ansonsten. Schlaf hat eine ganz neue Qualität - nämlich keine. Alle eineinhalb bis zwei Stunden eine dreiviertel Stunde bis ein einhalb Stunden damit beschäftigt zu sein, zu stillen und anschließend das vom Bäucherchen-das-nicht-raus-will-aber-muss aufgewachte Kind wieder zu beruhigen, ist der körperlichen Erholung nicht zuträglich.
Ja und dann sind da noch die vielen Stunden des Schreiens, weil der Kleine nicht Herr seiner Gase ist. Die machen sich's nämlich sehr gemütlich im winzigen Verdauungstrakt des Zwergs und machen einen auf Flaschengeist, der nicht raus will. Und wenn dann so ein Biest raus katapultiert wird, egal an welchem Ende, dann jubeln die "müden, aber glücklichen" Eltern, bevor der nächste Schmerzschwall über das Menschlein einbricht. Was soll das überhaupt? Müssen e schon geboren werden, müssen sich dann bemerkbar machen, wenn ihnen was fehlt und werden dann sofort erzogen mit blöden Floskeln wie "du verwöhnst ihn" und "wirst schon sehen, was du davon hast, wennst..." oder "den bekommst du nie mehr los, wennst..." ihn immer herumträgst, in eurem Bett schlafen lässt, nicht mal in seinen Stubenwagen oder in den Kinderwagen legst. Aber ich will ihn doch gar nicht los bekommen, ich hab ihn doch erst bekommen. Und ich bin der Überzeugung, dass man den Kleinen die kurze Zeit des Kuschelns, der vollkommenen Nähe, der verschwenderischen Liebe, Fürsorge, Zärtlichkeit und Küsse als Start in ihr Leben geben und gönnen soll. Das "psssssst" und "NEIN!" und "jetzt nicht" lernen sie noch bald genug. Jetzt ist die Zeit des Verwöhnens, denn die Zwerge stellen keine Ansprüche - sie benötigen, wie die Luft zum Atmen, unsere Nähe und Fürsorge. Da ist nichts Unverschämtes, nichts Forderndes, nicht Manipulatives - da ist nur Bedürfnis.
Und deswegen stille ich ihn - wann er Hunger hat, deswegen lasse ich ihn nicht schreien, deswegen schläft er in oder neben unserem Bett, deswegen trage ich ihn herum und benütze lieber eine Trage als einen Kinderwagen. Und es ist interessant, wie all diese Dinge zum Streitthema werden können zwischen Menschen mit unterschiedlichen pädagogischen Vorstellungen. Man merkt sehr schnell als Jungmama, dass es sich beinahe schon um Glaubensbekenntnisse handelt, wenn man über die verschiedenen Themen der Baby- und Kleinkinderziehung spricht. Und Mütter sind in dieser Hinsicht echte Extremisten in ihren Glaubensüberzeugungen. Und da nehme ich mich nicht aus ;)
Was ich sagen möchte - "Müde, aber glücklich" trifft es nicht. Das ist nicht, wie es mir geht. Ich bin...erschöpft, müde, verunsichert, unter Druck, ständig in Alarmbereitschaft, zerzaust, vollgekotzt und ausgenuckelt. Ich bin... über alle Maßen beschenkt; bis über beide Ohren verliebt; ständig am Kuscheln und Küssen; voll mit tollen Glückshormonen; glücklich darüber, dass ich durch das Stillen ein Freibrief für einen Teil meines Schokokonsums habe; jetzt für zwei Menschen auf diesem Planeten der wichtigste Mensch auf Erden;
Ich bin...Mama halt.
Und das fühlte sich im ersten Monat erst einmal an, als wäre ich der erste Mensch. Ich musste alles von Grund auf neu lernen und entdecken - einhändig, für zwei und unter Zeitdruck. Das galt für alles. Ob es die Organisation meiner Morgentoilette oder ein Besuch bei meiner Schwester war. Alles wurde zu einer riesigen Hürde, die ich erste lernen musste zu bewältigen. Ich lerne mich jetzt straff zu organisieren, während Planung durch die Unregelmäßigkeit des Rhythmus des Kleinen fast unmöglich ist. Ein Paradox von vielen - Organisation ist nötig, während Planung nicht möglich ist.

Und an dieser Stelle und auch schon früher hätte ich folgenden Satz einfließen lassen müssen, um Kritikern vorzugreifen "Ja, ich weiß, mit mehreren Kindern ist das noch viel krasser; Ja, und ich weiß nicht, was ich täte, wenn ich mehrere hätte - ich hab jetzt mal eines und bei dem mach ich es so, wie ich mir das vorstelle, okay?".

Ich bewundere alle Mehrkinder - Mamas und vor allem alleinerziehende Mütter - ihr seid Heldinnen!
Ich habe eines, ein völlig gesundes, fröhlich frisches, kleines Menschlein - und fühle mich wie der erste Mensch mit ihm. Was dagegen spricht, dass ich der erste Mensch bin, sind die Erwartungen und der Druck von außen und an mich selber. Den gäbs nicht, wäre ich die erste, die das erleben würde. Aber so haben sich bereits viele, viele Menschen Gedanken über Sollen und Wollen und Müssen in Sachen Baby gemacht und dieses Sollen-Wollen-Müssen ist frei zugänglich in diversen Büchern, im Internet und Mitmenschen. Und die machen Druck.
Bei uns fing es an mit dem Gewicht. Während wir als Erwachsene immer damit kämpfen, in ein Schönheitsschema F zu passen, indem wir ständig Gewicht verlieren wollen, gibt es ein Schema F für Babys, welches Gewicht sie wann erreichen sollen. Unser Kleiner fiel da nicht rein, nahm zu wenig zu. Die Empfehlung war sogleich ihm extra Nahrung zu geben - also aus Angst, dass er zu wenig bekommt, Flascherl rein. Von der anderen Seite, der stillenden, heißts "Nein, kein Flascherl!" Saugverwirrung, Anfang vom Abstillen...und ich heulend, verunsichert und mit einem schreienden Kind irgendwo dazwischen.
Nachdem die Gramm-Reiterei für ein, zwei Wochen zum Lebensthema wurde, beschloss ich, wieder auf 0 zu schalten und meinem Gefühl zu trauen und es einfach so zu machen, wie ich es mir denke. Und siehe da - es funktionierte am besten.
Vielleicht wäre es sogar besser der erste Mensch zu sein, dann müsste man nicht von den Vorerfahrungen und Ratschlägen und Schemen "profitieren".
Aber so ist das halt - das erste Monat. Da groovt man sich aufeinander ein, da lernt man innerhalb kürzester Zeit sich selber und einen neuen, nie da gewesenen Menschen kennen und lieben, da darf man da - sich fühlen wie der erste Mensch.
Und es hat auch seine guten Seiten dieses Gefühl. Die Intensität der Wahrnehmung steigt mit dem Erleben von vielen "zum-ersten-Malen".

Zum ersten Mal Mama.

11. Februar 2015

Wenn der Hulk sich verliebt...

In den letzten 16 Tagen ist soviel passiert und mein Kopf sprudelt über vor tausenden Ideen für neue Blog-Posts, während mich ein kleines, feines Kerlchen meist daran hindert, irgendeinen Gedanken jenseits meiner beschaulichen vier Wände zu fassen. Paradox.
Ich habe mich nun dazu entschieden chronologisch vorzugehen und doch noch mal DAS Geburtserlebnis aufzugreifen...bei den Worten "das Geburtserlebnis" höre ich in meinem inneren Ohr eine tiefe, dramatische mit Hall unterlegte Stimme...Wieso nur?

Wie ich bereits im vorangegangenen Post erwähnt habe, habe ich sie nicht vergessen - die Schmerzen. Ich habe nichts davon vergessen, was ich gefühlt habe, sehr wohl aber, was so alles um mich herum passiert ist. Dafür ist mein Mann zuständig, er hat ein hervorragendes episodisches Gedächtnis und kann mir alle Details dieser einmaligen, krassen, Grenzerfahrung erzählen, die ich aufgrund meines tranceartigen Zustands nich mitbekommen habe.

Ich verstehe auch nicht wieso irgendwelche Extremsportler für ihre Grenzerfahrungen wie das Raufklettern, Besteigen, Herunterspringen, Durchqueren von irgendwas und irgendwo bejubelt werden und eine dicke Schlagzeile oder auch ein fettes Sponsering von Red Bull bekommen. Bei einer Geburt kommt am Ende nur eine SMS mit den Worten "Mutter und Kind sind wohlauf"...
Ja klar sind sie das - in den meisten Fällen - dafür sind ja die Hormone da. Aber was sie DAVOR geleistet haben - pfffff...DAS sollte mal so ein Extremsportler (männlich) erleben! Ich geb zu, das mit dem Sponserin könnte etwas schwierig werden, aufgrund der Häufigkeit und der schwierigen Vermarktung des Ereignisses. Aber mal ehrlich. Ich kanns jetzt noch weniger verstehen, da ich es selber erlebt habe, dass ein Mensch (sorry, da muss ich fast gendern - Menschin) sowas überleben kann. In der einen Minute meint frau sie sehe bald das Licht am anderen Ende des Tunnels und in der anderen strahlt sie vor Glückseligkeit und ist im besten Fall nahezu topfit.
Und dann spricht man - wie in meinem Fall - von einer Traumgeburt.
Was also ist (m)eine "Traumgeburt"?
Ich hatte ab vier Uhr morgens Wehen, so dachte ich zumindest und wie sich herausstellte, waren das auch welche. Um halb neun Uhr morgens hatten wir einen Routine-Kontrolltermin im Krankenhaus. Von dort wurden wir mehr oder weniger wieder nachhause geschickt, da es sich ja doch auch noch um Tage handeln könnte bis es dann wirklich so weit sei.
Zuhause machte ich noch ein Nickerchen, nahm ein Bad und harrte der Wehen, die so alle 15 bis 20 Minuten kamen. Danach so alle 10 - 13 Minuten. Mein Mann führte in seiner Art selbstverständlich schriftlich Protokoll. Plötzlich übersprangen die Wehen die nächsten 5 Minuten, sodass wir zügig in das Auto stiegen, weil die Wehen alle 5 Minuten daherkamen. Inzwischen war ich mir auch aufgrund meiner Lautstärke sicher, dass es sich um echte Wehen handelte...war ja vorher nicht ganz so eindeutig. Mit Verabschiedungskommittee meiner Eltern machten wir uns gegen 18 Uhr auf den Weg ins Krankenhaus, mein Mann blieb die dreiviertelstunden Fahrt wie besprochen ruhig und gelassen, während ich mich lauthals meinen Schmerzen hingab - tja da wusste ich noch nicht, was noch auf mich zukommen würde. Beim Krankenhaus angekommen, war natürlich kein Parkplatz frei, sodass wir den VIP Platz direkt vor der Eingangstür gleich neben den Rauchern einnahmen, die sogleich die Gelegenheit hatten wie einem Zootier durch ein Glasfenster beim "Veratmen" (ha, verjammern, verschreien - aber nieee zu hoch, immer schön tief...) der nächsten Wehe zuzusehen und zu hören. Ein tolles Erlebnis die interessiert, gaffenden, aber doch entspannten Blicke zu sehen, während frau sich denkt "DIE GAAAAANZE WELT MUSS DOCH JEEETZT SCHMEEEERZEN HABEN!!!" Begleitet von gegrinsten Glückwünschen der Passanten hiefte ich meinen enormen, schmerzenden Leib schnaubend aus dem Auto, in den Lift und hinauf zur gynäkologischen Abteilung.
Dort angekommen läuteten wir bei der Kreißsaal-Lobby (Ja, mit automatischer Schiebetür, schicken Empfang, freundlichen Farben und der Aufschrift "der Weg ins neue Leben"). Leider durften wir noch nicht ganz dort einchecken, sondern ich wurde in der "Schwangerenambulanz" noch mal ans CTG angehängt. Nach ein paar Untersuchungen und gefühlten 18h (ja, okay, es war wahrscheinlich nur eine halbe Stunde) sitzenden, jammernden Wartens in Wehen wurde ich sogleich in den Kreißsaal gebracht, weil man mir schlußendlich doch abkaufte, dass es Fröschlein eiliger hatte als gedacht.
Nichts also mit Apfelbäumchen schütteln und Pezzi-Ball Übungen, geschweige denn den tollen Geburtsstein in der eigens eingerichtete Wellness-Wehen(Paradox!!!)-Oase. Es ging gleich ans Eingemachte. In 3h 20min Rekordzeit hab ich alle drei Phasen der Geburt (für weitere Infos bitte frühere Posts zur Erklärung lesen) bravorös gemeistert. So sagte man mir zumindest, hab ja ab Kreißsaal - in schicker Eichen-Optik - nichts mehr mitbekommen außer SCHMEEEEEEEERZEN!!! Es haben ja schon viele versucht das Gefühl der Geburtsschmerzen zu beschreiben, nur tut es halt in Ohren und Hirn nie so weh, wie es wirklich weh tut. Es ist ein Gefühl als...würdest du in Slow-Motion fühlen, wie eine Bombe im Inneren deines Körpers und in sehr sensiblen Körperregionen explodiert und dich bald in tausend Stücke zerreißt...Oh, gerade kommt mir das Bild von Hulk, dem grünen supermuskulösen Monster/Helden...Zum Leidwesen der Hebamme und des Ehemannes entwickelt frau fast übermenschliche Kräfte, um diesem Schmerz endlich ein Ende zu setzen und dafür endlich ihr Baby in den Arm nehmen zu können. Okay, frau kann auch irgendwie nicht wirklich aus - die Natur ist hart zu einem.  Also frau fühlt sich nicht nur wie Hulk, sondern auch wie dessen Hose, die er während der Verwandlung von Mensch in den Hulk noch anhat...na? Vorstellbar? Hulk UND seine Hose also!
Nach der Verwandlung...ähm...den Presswehen steht dann noch eine Metamorphose an. Vom grimmig, aggressiv monströsen, schreienden Hulk in...ein glubschäugiges, dahinschmachtendes, vor Liebe und Güte überflutetes, engelsgleiches Wesen, welchem eine Miniatur ihresgleichen auf den Bauch gelegt wird, dass voll Hingabe und Ehrfurcht geherzt und beobachtet wird. Das Schauspiel wechselt von Blutschlacht voller Geschrei und Schmerz in den harmonischen, samtweichen, pastellfarbenen, mit Debussy's Claire de Lune hinterlegten, vor Wolkenkulissen gespielten zweiten Akt des Bondings - dem sich Verlieben von Mama und Baby, dem sich ganz neu Verlieben in den Vater des Wertvollsten, Schönsten und Kostbarsten auf Erden, deinem eigenen Fleisch und Blut.
Ja, und da lässt sich auch verstehen, wieso bei mir von "Traumgeburt" gesprochen wurde.
Wenn in Büchern von dem idealen Geburts- und Bindungserlebnis geschrieben wird, dann habe ich es erleben dürfen. Die Geburt war eine schmerzvolle Grenzerfahrung, in der mir in meiner Angst und meiner Hilflosigkeit schon mal ein lebensmüder Ausspruch zu meinem Mann ausgerutscht ist, doch sie war keine Trauma. "Mutter und Kind sind wohl auf" war bei uns nicht nur eine Floskel, sondern wir hatten unseren Moment, er war unbeschreiblich.
Über Zwei Stunden lagen wir so da und verliebten uns ineinander. Gegen 2 Uhr nachts hatte ich die Gelegenheit mit meiner fantastischen Hebamme doch noch den krankenhauseigenen Wellnessbereich zu nutzen, während ich von dieser wie in einem Hamam auf einem warmen Stein liegend geduscht wurde!!
Wir hatten das Glück oder ich möchte viel eher sagen den Segen, dass kein Bett in den Zweibettzimmern der Geburtenstation frei war, sodass wir die Nacht im Kreißsaal verbringen durften und die einmalige Gelegenheit hatten, unsere erste Nacht als Familie gemeinsam auf einer ausziehbaren Couch verbringen zu dürfen. Da lagen wir geflasht und überglücklich mit einem in Deckchen und Windeln gepucktes Bündel Glückseligkeit in unserer Mitte...
So gesehen war es wirklich eine Traumgeburt. Wir sind so dankbar und gesegnet, dass alles so gut verlief. Mir tut es im Herzen leid, wenn Mütter von traumatischen Geburtserlebnissen erzählen, denen aufgrund medizinscher Notwendigkeit DER Moment verwehrt blieb.
Der Rest des Krankenhausaufenthaltes verlief genauso harmonisch und reibungslos durch die liebevolle und engagierte Betreuung durch das Pflegepersonal und die Hingabe meines Mannes, der jeden Tag früh morgens zu mir fuhr und uns erst spät abends wieder schweren Herzens verließ.
Mein Mann bekundete mehrmals täglich im Liebestaumel eine Dankeshymne an unser Leben und ließ mich damit auch sehen und verstehen, wie wundervoll und perfekt alles von statten ging.

Eine Traumgeburt also!

Achja, aber eines hätte ich ja schon gerne, wenn schon das Sponsering von Red Bull ausbleibt - ein paar Geschenke nur für Mama Miriam (und ich meine damit keine Schokolade!!! Wir wollen ja wieder an Gewicht verlieren), denn mir wäre schon vorgekommen, dass, so wunderbar und großartig unser Würmchen auch ist, ich doch einiges an Arbeit dafür geleistet hab...Wieder kommen mir diese doofen (nicht persönlich gemeint) Sportler in den Sinn - die bekommen Urkunden, Medaillen, Kohle, Einträge ins Guinessbuch der Rekorde und haufenweise Schlagzeilen und Ehrungen, wenn sie Grenzerfahrungen machen. Und was bekommen wir Mamas? Natürlich außer dem unendlichen Glück eines Kindes - 15 Strampler, Bodies, Hosen und Schühchen, vielleicht mal nen Blumenstrauß...aber wo sind die Schlagzeilen, Lobhudelungen und die Moneten? Wo die Geschenke für Mama? Sie war doch auch ganz, ganz nah an der Schwelle zwischen Schmerz, Wahnsinn und dem Himmel auf Erden...

6. Februar 2015

Geworden...

Mama. Mein neuer Zweitname.

Wenn Jules Verne von einer Reise um die Welt in 80 Tagen schreibt, kann ich - und jede andere Mama - von einer Reise in eine neue Welt in nur wenigen Minuten berichten.
Ich habe sie gemacht, die Reise, die nicht nur Reise, sondern Metamorphose bedeutet. Ich habe geboren - und das veränderte mich, meinen Mann, unsere Ehe, mein Leben - einfach ALLES.
Innerhalb der letzten zwei Wochen wurde unser gemütlicher Fernsehsessel zum Stillstuhl, Melkstation, wie ich es liebevoll nenne, der Fernseher, sowie unsere beiden Katzen zur Dekoration, "Stilltee" und "Busen" zu Alltagsworten, die Induktionsherdplatte zur Abstellfläche für sterilisierte Babygebrauchsgegenstände, mein Körper zur Saftbar und mein Mann zu Aushilfsreinigungskraft und Papa. Und Grund für das alles ist er - unser Sohn. Ein dauernuckelndes, kleines Bündel Mensch, ein Wunder mit klitzekleinen Ohren mit haarigem Flaum drauf und den schönsten tiefdunklen Augen, in die man versinken möchte. Sein geschwungener kleiner Mund und seine rosigen Wangen verlangen danach geküsst zu werden. Alles an ihm lässt mich jetzt schon voller Wehmut weinend an einen Tag denken, an dem ich dieses unglaubliche Geschöpf gehen lassen muss und ich als Mama in den Hintergrund gerate.

Ich habe einen Sohn geboren - wir (mein Mann hat erheblich dazu beigetragen) haben einen Sohn zur Welt gebracht und das hat mich, uns, verändert.
Er ist nun mein kleines Universum, die Sonne, um die sich mein Alltag dreht.
Ich hatte ein 3h20 Traum-Geburt. Alles ganz so wie es sein soll. Alles perfekt. Und nein, ich habe es nicht vergessen, die Schmerzen, die mich glauben ließen, dass ich es nicht überlebe. Ich habe sie auch deshalb nicht vergessen, weil ein Rest an Schmerzen für einige Zeit bleibt, nur dass ich keine Zeit habe, mich damit zu beschäftigen und um mich darum zu kümmern...
Ich habe es ebenso wenig vergessen, wie er ist, der Moment des größten Schmerzes und in der nächsten Sekunde, die alles verändert, der Moment des größten, allergrößten Glückes.
Es ist überwältigend, großartig, übernatürlich, magisch, heilig. Wie auch immer man es nennen mag - es ließ uns ehrfürchtig werden.
In einem Moment ist man schwanger und im nächsten hält man sein eigen Fleisch und Blut in den Armen. Ein kleines, rosiges, wunderschönes, nacktes Wesen wurde mir auf meinen Bauch gelegt und meine Welt war auf einmal Er - mein Kind. Ich habe mich verliebt in einer Weise, die sich nicht beschreiben lässt.

Ich liebe meinen Mann mehr denn je, er hat mir dieses Wunder geschenkt.
Dieses Wunder, dessen Weinen und Schreien mich täglich aus Erbarmen, Mitleid in einer bisher noch nie gefühlten Dimension, Verzweiflung und auch Ärger selber zum Weinen bringt. Dieses Wunder, von dem ich keine Minute getrennt sein will, aber manchmal muss, um kurz Kraft zu tanken. Dieses Wunder, dessen Gesicht mich vor Entzückung zum Schmelzen bringt und ich tausende Küsse darauf verschwenden möchte. Alles an ihm ist perfekt, jeder winzige Finger, jede winzige Zehe, jedes seiner dunklen Haare. Er ist das schönste, perfekteste und reinste Wesen, dass ich je gesehen habe.
DAS empfindet also eine Mama. DAS also macht den Unterschied. DAS also ist es, wovon man soviel lesen kann, wie man will, es aber selbst erleben muss, um es zu verstehen.
Nun begebe ich mich in diese neue Welt. Wenn ich E. ansehe, kann ich gar nicht glauben, dass es jemals eine Welt ohne ihn gab. Und trotzdem habe ich ein bisschen Angst vor dieser neuen Welt...ich muss mich erst an sie gewöhnen, sie erkunden, mich einleben, die schönsten Fleckchen und Plätze herausfinden.
Jetzt aber, muss sich mein Körper noch an das Klima gewöhnen, die neue Sprache und die Kultur verstehen lernen ... doch ich weiß jetzt schon: Ich bin hier richtig!

E., du und dein Papa, seid die Liebe meines Lebens und ich will mit euch in unsere neue Welt reisen und weiche dabei nicht mehr von eurer Seite!

"May these words be the first to find your ears.
The world is brighter than the sun now that you’re here.
Though your eyes will need some time to adjust to the overwhelming light surrounding us,

I’ll give you everything I have. I’ll teach you everything I know. I promise I’ll do better.
I will always hold you close, But I will learn to let you go. I promise I’ll do better.
I will soften every edge, I’ll hold the world to its best, And I’ll do better.
With every heartbeat I have left I will defend your every breath, And I’ll do better 

’Сause you are loved. You are loved more than you know.
I hereby pledge all of my days to prove it so.
Though your heart is far too young to realize the unimaginable light you hold inside."
(Light - Sleeping at last)

20. Januar 2015

Abwarten und Gugelhupf essen...

Eigentlich ist es ja ein Privileg, ein paar wenige Tage noch so genießen zu dürfen: Zwei äußerst süße und anschmiegsame Katzen auf meinem Schoß, ein tanzendes Baby im Bauch und der Laptop irgendwo dazwischen. Eigentlich echt idyllisch...und zeitlich sehr begrenzt. Laut Berechnung wäre es übermorgen soweit. Übermorgen, klingt surreal, wenn man bedenkt, dass sich ab diesem Tag alles, aber auch alles ändern wird. Und trotz der Idylle und Ruhe vor dem Sturm, bin ich nicht mehr ganz so locker vom Hocker. Ich werde ungeduldig, mein Mann auch. Gestern habe ich meinem Mann folgendes Lied vorgesungen: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Baby eingestellt. Das ist meine Welt - und sonst gar nichts". Und genau das macht mich nervös. Ich habe einen Schlabberpulli meines Mannes und eine geliehene Umstands-Jogging-Hose (meine, wohlgemerkt auch bereits geliehene, vorherige hat auch bereits den Geist aufgegeben) gegen "normale" Übergrößen-Kleidung getauscht, gehe nicht mal mehr wirklich gerne raus zum Einkaufen und nach dem Kochen muss ich mich schlafen legen. Ja, es ist alles recht mühsam - und für alle, die jetzt ein "was machst du, wenn du daneben noch ein Kind hast???" auf den Lippen haben - ja, ich weiß, ihr alle seid Heldinnen! Ich gönne mir den Luxus einfach das zu tun, was meine Kraft hergibt, weil ich ja sonst eben noch keine Verpflichtungen habe. Später muss ich mich dann sowieso anders arrangieren.
Meinem Bauchbewohner macht die zunehmende Enge wohl kaum etwas aus, denn er bewegt sich munter weiter. Nur, dass sich das nicht mehr wie ein Fischlein, sondern eher wie ein ausgewachsener Karpfen in mir anfühlt.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es etwas Spannenderes gibt als diese Zeit davor. Alle aufregenden Dingen haben ein festgelegtes Datum - Prüfungen, Arzttermine, Hochzeit, Operationen, etc. Aber dieses Ereignis ist so unvorhersehbar (bis zu dem Augenblick, an dem sie einleiten, versteht sich) und das pusht die Spannung enorm.
Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der mit aller Gewalt versucht, Wehen auszulösen. Der Gedanke daran ist mir irgendwie zuwider, ich vertrau da schon irgendwie auf das Baby und meinen Körper.
Naja, es gibt da schon das ein oder andere Ammenmärchen, dem wehenfördernde Funktionen zugeschrieben werden, die ich gerne anwende...aber das hat nur mit Genuss, Tee und Liebe zu tun ;)
Aber das Warten, so schön und spannend diese ruhige Zeit auch ist, ist eben irgendwie nervenaufreibend.  Die täglichen (!!!) Fragen mit Wortlaut "na, noch immer ganz?" oder "tut sich schon was?" stören mich nicht allzuviel, schüren aber die Ungeduld in mir noch weiter.
Kürzlich wurde ich gefragt, ob denn mit dem dicken Bauch noch etwas in meinem Magen Platz hätte. Die Frage kam vermutlich aufgrund meines vollgeladenen Buffet-Tellers auf. Ich muss sagen, damit hatte ich nie Probleme. Im Essen bin ich, zum Leidwesen meiner Figur, spitze, 1 A, möchte ich fast sagen, aber ich will ja nicht prahlen...
Ich hab mir ja die besten Schwangeren-Eigenarten für die letzten paar Wochen aufgehoben. Und die Neueste sind zwei spezielle Essensgelüste, die ich entwickelt habe. Naja, ich geb zu, dass mich Essiggurken und Schokolade (zeitlich getrennt voneinander) die gesamte Schwangerschaft begleitet haben. Aber diese beiden Essensgelüste sind vielleicht doch etwas ungewöhnlich. Zum Einen, und ich hab's nachgelesen, das kommt durchaus vor - hätte ich immer wieder Lust an Steinen oder an der Wand zu knabbern...ja, richtig gehört. Auch der Geruch von Lösungsmitteln, Treibstoff oder ähnlichem sind besonders attraktiv. Keine Sorge, psychotherapeutische Hilfe und ein Gutachten über meine psychische Gesundheit und Tauglichkeit als Mama sind nicht nötig. Ich geb mich diesen Gelüsten ja nicht hin. Es würde mich ja nur reizen, mich eine Stunde zu einer Tankstelle zu setzen und an einem Stück bröckeligen Stein zu knabbern - aber ich tu's ja nicht. Übrigens ist es das gar nicht so ungewöhnlich - in Afrika ist es ein regelrechtes Problem, weil schwangere Frauen dort begonnen haben an Steinen zu knabbern und diese so richtig gangstermäßig im Drogendealer Stil verticken. Ich habe mal versucht die Gelüste durch diverse Nahrungsmittel, die viel Kalzium, Eisen und sonstig ähnlich erdig schmeckende Dinge zu befriedigen - brachte nicht viel...ein Stückchen Mauer hätte mich immer noch mehr angemacht. Klingt komisch? Ist aber so.
Einer anderer Vorliebe habe ich mich aber hemmungslos hingegeben - dem Gugelhupf. Eines Tages tauchte er auf - der "Gusta" nach Mama's bzw. Oma's Gugelhupf. Aus dem Nichts trat er ans Licht. Und ich so verzweifelt, dass ich nachdem ich meine Oma fragen wollte, ob sie denn mal wieder einen machen könnte, diese aber leider krank war, meine Mama bat, einen für mich zu backen. Und dann war es um mich geschehen! Er musste nachgeliefert werden - regelmäßig. Dank Geburtstag und einer Feier in meiner Kirchengemeinde riss die Gugelhupf-Versorgung für ca. 10 Tage nicht ab. Doch heute war es soweit - er ist aus. Aus und vorbei, kein Gugelhupf mehr da. Ich ahne Schlimmes. Das Baby MUSS einfach baldmöglichst kommen! Wie soll ich das denn überstehen so ganz ohne ein leckeres Steinchen und OHNE Gugelhupf? Was mach ich denn nun, wenn ich nicht mal mehr abwarten und Gugelhupf essen kann???

Ach ja, an meinem Blog schreiben...

P.s.: Hat jemand ein Steinchen für mich? Ein ganz kleines, leckeres? Was soll das heißen  "du spinnst ja!"? Da kann man schon den Kopf schütteln - Schwangere sind halt eben anders...


12. Januar 2015

Geburtstags-Post...

Jaja, ich bin's schon wieder...und nein, das Baby hat seinen all-inclusive, all-you-can-eat Club in meinem Bauch noch nicht verlassen. Aber ich hab's mir auch offen gehalten, ob ich mich noch mal davor melde. Also hier bin ich. Wenige Tage davor. Wovor? Wie der Titel des Posts verrät, geht es hier um Geburtstag. Und dieses Jahr ist das eine ganz spannende Sache. Einerseits habe ich diese Woche meinen 28. Geburtstag. Andererseits hat in den kommenden Tagen oder Wochen (je nachdem, wieviel ihm der Aufschlag auf Verlängerung im Club kostet) mein Baby seinen wirklichen Geburtstag, nicht nur so eine alljährliche Wiederholung. Und drittens hatte ein weiteres, gedankliches Baby von mir letzte Woche Geburtstag.

 

Anlässlich meines eigenen Geburtstags

"Liebe Miriam, dein Geburtstag fällt heuer wegen vorhersehbaren Gründen aus. Trotzdem alles Gute! Liebe Grüße, Miriam"

Aufgrund meiner momentanen Wartehaltung und meiner gemäßigten Energie durch die Erhaltung eines all-inclusive Clubs in meinem Bauch, lasse ich meinen Geburtstag dieses Jahr schlicht und ergreifend ausfallen. Ok, ich geb's zu, ich lass eine große Feier, bei der Gäste geladen und bedient werden ausfallen. Gäste, die spontan mit für sich selbst und für mich mitgebrachten Kuchen und Geschenken vorbei kommen wollen, sind herzlich eingeladen. Das Einschalten der Kaffeemaschine bekomm' ich hin. Aber sich zu weigern eine große Familienfeier, inklusive drei bis fünf selbstgebackener Kuchen, einem Erwachsenentisch und einem Kindertisch und Abendessen auszurichten, kommt in meinen feierwütigen Kreisen einem Ausfall des Geburtstags und gleichzeitig einem Verstoß gegen gängige soziale Familienkonventionen gleich. Meine Schilderung enthält natürlich die ein oder andere Überzeichnung - meine Familie nahm's im Grunde ganz locker, wenn auch etwas verwundert. Aber das Verständnis war dann doch beim Walfisch.

 

Anlässlich des Geburtstags meines Babys

"Liebes Baby, es wäre schön, wenn du zu deinem Geburtstag pünktlich erscheinen würdest, musst du aber nicht. Guten Rutsch, wir packen das und ich hab dich lieb! In Liebe, Mama"

Heute sind es zehn Tage bis zum errechneten Geburtstermin, an welchen sich diese unverschämten, kleinen Lebewesen ja meist gar nicht pünktlich halten wollen...das grenzt ja schon fast an Anarchie, wenn sie sich so selbsbewusst gegen jede Planung stellen. Wir werden sehen. So lange es ihm gefällt und Mama trotz fehlendem Schlaf (sie soll ja auch vorbereitet werden, auf das was kommt) die positive Einstellung nicht verliert, ist es doch auch völlig okay. Soll er doch seinen Aufenthalt vollends auskosten dürfen, er hat ja dann den Rest seines Lebens "außerhalb" zu verbringen.

 

Anlässlich des Geburtstag meines gedanklichen Babys

"Es freut mich dir, liebes Projekt, lieber Verein, zu deinem Geburtstag gratulieren zu können. Jetzt geht's erst richtig los! Alles Gute auf deinem weiteren Weg. Mit freundlichen Grüßen, Miriam"

Seit vielen Jahren arbeite ich daran, ein Projekt vorzubereiten, dass junge Männer und Frauen in ihren Aufgaben als Eltern und somit ihre ganze Familie unterstützen soll. Besonders wichtig ist mir dabei, dass Eltern bewusst wird, wie wichtig ein liebevoller und feinfühliger Umgang mit Babys und Kleinstkindern ist und welchen Einfluss eine positive, wie auch negative Bindung auf das Leben eines Menschen haben kann. Gleichzeitig können Eltern nur soviel Liebe und Feinfühligkeit geben, wie ihnen selbst entgegengebracht wird bzw. wurde. So ist mir die Ermutigung und Unterstützung von Mamas und Papas ein besonderes Anliegen. Ich habe mich im Zuge meiner Ausbildung viel mit diesen Themen beschäftigt, doch jetzt kommt für mich der große Praxisteil - meine eigenen Kinder. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst, wenn ich auch realistisch bleiben will, dass bei weitem nicht alles so geschehen wird, wie ich mir das wünschen würde. Ich finde aber, ein Kind liebevoll zu erziehen, ihm Werte und soziale Kompetenzen mitzugeben und sein eigenes Verhalten als Mama immer wieder kritisch zu hinterfragen, ist Aufgabe genug. Aus meiner Idee ein Projekt zur Unterstützung von jungen Eltern zu starten, wurde letztes Jahr ein Verein mit dem Namen Weidenkorb - Ein Verein zur Förderung und Stärkung einer positiven Eltern-Kind-Bindung. Die Gründung des Vereins, die ich ohne die Hilfe meines äußerst interessierten und engagierten Mannes nie geschafft hätte, war ein Meilenstein in meinem Leben und kam einer Geburt - einer gedanklichen - gleich. Mit Anfang dieses Jahres beginnt das erste Projekt des Vereins. Wir haben eine Kleiderkammer eingerichtet, Tauschecke "Kinderkram", in der Baby-, Kinder- und Schwangerenartikel gespendet, getauscht und zur Wiederverwertung geholt werden können. Wir wollen damit Familien finanzielle entlasten und andererseits Nachhaltigkeit fördern. Jeder Schritt, der mit diesem Projekt zu gewagt wird erfüllt mich mit Stolz. So wurde ein Lagerraum mit Büro eingerichtet, welcher jetzt mit Sachspenden befüllt werden kann. Eine Facebook-Seite, eine Homepage, Logo und Info-Flyer sind in Arbeit. Ich bin überwältigt, wieviel Anklang dieses Projekt bis jetzt überall dort findet, wo wir Werbung machen. Das Projekt weckt Interesse und Engagement bei vielen Familien, die es ebenfalls gut und notwendig finden, die Wegwerfgesellschaft nicht immer mehr zu fördern.
Die Schwangerschaft für meinen Verein, den ich mit vier anderen mir sehr lieben Menschen zusammen leiten darf, hat wesentlich länger gedauert als die für mein Baby. Aber nun ist es soweit und wir können los starten und ihm beim Wachsen und Entwickeln zusehen und dabei selber ganz viel lernen.

Happy Birthday!


7. Januar 2015

Werden: Mama & Papa

 Ort: Bürmooser See

Wir haben uns dazu entschlossen uns in die Hände einer sehr begabten, jungen Fotografin zu begeben und doch noch kurz vor der Geburt auf wirklich schöne Weise festzuhalten, wie Mama und Papa "damals" ausgesehen haben - so rund und glücklich :)
Wir haben uns einen Ort ausgesucht, der für uns und besonders für mich "Heimat" bedeutet und waren überrascht, welch schöne Plätzchen der Bürmooser See doch hergibt.

Ich denke, dass hier eine wirklich schöne Erinnerung für uns als Mama und Papa und für unser Kind herausgekommen ist.
Zwar fast gänzlich ohne Ernsthaftigkeit, aber dafür mit doppelt so viel Spaß.




Doris Heinrich Photography



rot, rund und glücklich