Alles hat seine Zeit...Sein und Werden

Alles hat seine Zeit, alles auf dieser Welt hat seine ihm gesetzte Frist: Geboren werden hat seine Zeit wie auch das Sterben. Pflanzen hat seine Zeit wie auch das Ausreißen des Gepflanzten. Töten hat seine Zeit wie auch das Heilen. Niederreißen hat seine Zeit wie auch das Aufbauen.
Weinen hat seine Zeit wie auch das Lachen. Klagen hat seine Zeit wie auch das Tanzen. Steine zerstreuen hat seine Zeit wie auch das Sammeln von Steinen. Umarmen hat seine Zeit wie auch das Loslassen. Suchen hat seine Zeit wie auch das Verlieren. Behalten hat seine Zeit wie auch das Wegwerfen.
Zerreißen hat seine Zeit wie auch das Flicken. Schweigen hat seine Zeit wie auch das Reden.
Lieben hat seine Zeit wie auch das Hassen. Krieg hat seine Zeit wie auch der Frieden. (Prediger 3, 1 - 8, die Bibel)

20. Januar 2015

Abwarten und Gugelhupf essen...

Eigentlich ist es ja ein Privileg, ein paar wenige Tage noch so genießen zu dürfen: Zwei äußerst süße und anschmiegsame Katzen auf meinem Schoß, ein tanzendes Baby im Bauch und der Laptop irgendwo dazwischen. Eigentlich echt idyllisch...und zeitlich sehr begrenzt. Laut Berechnung wäre es übermorgen soweit. Übermorgen, klingt surreal, wenn man bedenkt, dass sich ab diesem Tag alles, aber auch alles ändern wird. Und trotz der Idylle und Ruhe vor dem Sturm, bin ich nicht mehr ganz so locker vom Hocker. Ich werde ungeduldig, mein Mann auch. Gestern habe ich meinem Mann folgendes Lied vorgesungen: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Baby eingestellt. Das ist meine Welt - und sonst gar nichts". Und genau das macht mich nervös. Ich habe einen Schlabberpulli meines Mannes und eine geliehene Umstands-Jogging-Hose (meine, wohlgemerkt auch bereits geliehene, vorherige hat auch bereits den Geist aufgegeben) gegen "normale" Übergrößen-Kleidung getauscht, gehe nicht mal mehr wirklich gerne raus zum Einkaufen und nach dem Kochen muss ich mich schlafen legen. Ja, es ist alles recht mühsam - und für alle, die jetzt ein "was machst du, wenn du daneben noch ein Kind hast???" auf den Lippen haben - ja, ich weiß, ihr alle seid Heldinnen! Ich gönne mir den Luxus einfach das zu tun, was meine Kraft hergibt, weil ich ja sonst eben noch keine Verpflichtungen habe. Später muss ich mich dann sowieso anders arrangieren.
Meinem Bauchbewohner macht die zunehmende Enge wohl kaum etwas aus, denn er bewegt sich munter weiter. Nur, dass sich das nicht mehr wie ein Fischlein, sondern eher wie ein ausgewachsener Karpfen in mir anfühlt.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es etwas Spannenderes gibt als diese Zeit davor. Alle aufregenden Dingen haben ein festgelegtes Datum - Prüfungen, Arzttermine, Hochzeit, Operationen, etc. Aber dieses Ereignis ist so unvorhersehbar (bis zu dem Augenblick, an dem sie einleiten, versteht sich) und das pusht die Spannung enorm.
Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der mit aller Gewalt versucht, Wehen auszulösen. Der Gedanke daran ist mir irgendwie zuwider, ich vertrau da schon irgendwie auf das Baby und meinen Körper.
Naja, es gibt da schon das ein oder andere Ammenmärchen, dem wehenfördernde Funktionen zugeschrieben werden, die ich gerne anwende...aber das hat nur mit Genuss, Tee und Liebe zu tun ;)
Aber das Warten, so schön und spannend diese ruhige Zeit auch ist, ist eben irgendwie nervenaufreibend.  Die täglichen (!!!) Fragen mit Wortlaut "na, noch immer ganz?" oder "tut sich schon was?" stören mich nicht allzuviel, schüren aber die Ungeduld in mir noch weiter.
Kürzlich wurde ich gefragt, ob denn mit dem dicken Bauch noch etwas in meinem Magen Platz hätte. Die Frage kam vermutlich aufgrund meines vollgeladenen Buffet-Tellers auf. Ich muss sagen, damit hatte ich nie Probleme. Im Essen bin ich, zum Leidwesen meiner Figur, spitze, 1 A, möchte ich fast sagen, aber ich will ja nicht prahlen...
Ich hab mir ja die besten Schwangeren-Eigenarten für die letzten paar Wochen aufgehoben. Und die Neueste sind zwei spezielle Essensgelüste, die ich entwickelt habe. Naja, ich geb zu, dass mich Essiggurken und Schokolade (zeitlich getrennt voneinander) die gesamte Schwangerschaft begleitet haben. Aber diese beiden Essensgelüste sind vielleicht doch etwas ungewöhnlich. Zum Einen, und ich hab's nachgelesen, das kommt durchaus vor - hätte ich immer wieder Lust an Steinen oder an der Wand zu knabbern...ja, richtig gehört. Auch der Geruch von Lösungsmitteln, Treibstoff oder ähnlichem sind besonders attraktiv. Keine Sorge, psychotherapeutische Hilfe und ein Gutachten über meine psychische Gesundheit und Tauglichkeit als Mama sind nicht nötig. Ich geb mich diesen Gelüsten ja nicht hin. Es würde mich ja nur reizen, mich eine Stunde zu einer Tankstelle zu setzen und an einem Stück bröckeligen Stein zu knabbern - aber ich tu's ja nicht. Übrigens ist es das gar nicht so ungewöhnlich - in Afrika ist es ein regelrechtes Problem, weil schwangere Frauen dort begonnen haben an Steinen zu knabbern und diese so richtig gangstermäßig im Drogendealer Stil verticken. Ich habe mal versucht die Gelüste durch diverse Nahrungsmittel, die viel Kalzium, Eisen und sonstig ähnlich erdig schmeckende Dinge zu befriedigen - brachte nicht viel...ein Stückchen Mauer hätte mich immer noch mehr angemacht. Klingt komisch? Ist aber so.
Einer anderer Vorliebe habe ich mich aber hemmungslos hingegeben - dem Gugelhupf. Eines Tages tauchte er auf - der "Gusta" nach Mama's bzw. Oma's Gugelhupf. Aus dem Nichts trat er ans Licht. Und ich so verzweifelt, dass ich nachdem ich meine Oma fragen wollte, ob sie denn mal wieder einen machen könnte, diese aber leider krank war, meine Mama bat, einen für mich zu backen. Und dann war es um mich geschehen! Er musste nachgeliefert werden - regelmäßig. Dank Geburtstag und einer Feier in meiner Kirchengemeinde riss die Gugelhupf-Versorgung für ca. 10 Tage nicht ab. Doch heute war es soweit - er ist aus. Aus und vorbei, kein Gugelhupf mehr da. Ich ahne Schlimmes. Das Baby MUSS einfach baldmöglichst kommen! Wie soll ich das denn überstehen so ganz ohne ein leckeres Steinchen und OHNE Gugelhupf? Was mach ich denn nun, wenn ich nicht mal mehr abwarten und Gugelhupf essen kann???

Ach ja, an meinem Blog schreiben...

P.s.: Hat jemand ein Steinchen für mich? Ein ganz kleines, leckeres? Was soll das heißen  "du spinnst ja!"? Da kann man schon den Kopf schütteln - Schwangere sind halt eben anders...


12. Januar 2015

Geburtstags-Post...

Jaja, ich bin's schon wieder...und nein, das Baby hat seinen all-inclusive, all-you-can-eat Club in meinem Bauch noch nicht verlassen. Aber ich hab's mir auch offen gehalten, ob ich mich noch mal davor melde. Also hier bin ich. Wenige Tage davor. Wovor? Wie der Titel des Posts verrät, geht es hier um Geburtstag. Und dieses Jahr ist das eine ganz spannende Sache. Einerseits habe ich diese Woche meinen 28. Geburtstag. Andererseits hat in den kommenden Tagen oder Wochen (je nachdem, wieviel ihm der Aufschlag auf Verlängerung im Club kostet) mein Baby seinen wirklichen Geburtstag, nicht nur so eine alljährliche Wiederholung. Und drittens hatte ein weiteres, gedankliches Baby von mir letzte Woche Geburtstag.

 

Anlässlich meines eigenen Geburtstags

"Liebe Miriam, dein Geburtstag fällt heuer wegen vorhersehbaren Gründen aus. Trotzdem alles Gute! Liebe Grüße, Miriam"

Aufgrund meiner momentanen Wartehaltung und meiner gemäßigten Energie durch die Erhaltung eines all-inclusive Clubs in meinem Bauch, lasse ich meinen Geburtstag dieses Jahr schlicht und ergreifend ausfallen. Ok, ich geb's zu, ich lass eine große Feier, bei der Gäste geladen und bedient werden ausfallen. Gäste, die spontan mit für sich selbst und für mich mitgebrachten Kuchen und Geschenken vorbei kommen wollen, sind herzlich eingeladen. Das Einschalten der Kaffeemaschine bekomm' ich hin. Aber sich zu weigern eine große Familienfeier, inklusive drei bis fünf selbstgebackener Kuchen, einem Erwachsenentisch und einem Kindertisch und Abendessen auszurichten, kommt in meinen feierwütigen Kreisen einem Ausfall des Geburtstags und gleichzeitig einem Verstoß gegen gängige soziale Familienkonventionen gleich. Meine Schilderung enthält natürlich die ein oder andere Überzeichnung - meine Familie nahm's im Grunde ganz locker, wenn auch etwas verwundert. Aber das Verständnis war dann doch beim Walfisch.

 

Anlässlich des Geburtstags meines Babys

"Liebes Baby, es wäre schön, wenn du zu deinem Geburtstag pünktlich erscheinen würdest, musst du aber nicht. Guten Rutsch, wir packen das und ich hab dich lieb! In Liebe, Mama"

Heute sind es zehn Tage bis zum errechneten Geburtstermin, an welchen sich diese unverschämten, kleinen Lebewesen ja meist gar nicht pünktlich halten wollen...das grenzt ja schon fast an Anarchie, wenn sie sich so selbsbewusst gegen jede Planung stellen. Wir werden sehen. So lange es ihm gefällt und Mama trotz fehlendem Schlaf (sie soll ja auch vorbereitet werden, auf das was kommt) die positive Einstellung nicht verliert, ist es doch auch völlig okay. Soll er doch seinen Aufenthalt vollends auskosten dürfen, er hat ja dann den Rest seines Lebens "außerhalb" zu verbringen.

 

Anlässlich des Geburtstag meines gedanklichen Babys

"Es freut mich dir, liebes Projekt, lieber Verein, zu deinem Geburtstag gratulieren zu können. Jetzt geht's erst richtig los! Alles Gute auf deinem weiteren Weg. Mit freundlichen Grüßen, Miriam"

Seit vielen Jahren arbeite ich daran, ein Projekt vorzubereiten, dass junge Männer und Frauen in ihren Aufgaben als Eltern und somit ihre ganze Familie unterstützen soll. Besonders wichtig ist mir dabei, dass Eltern bewusst wird, wie wichtig ein liebevoller und feinfühliger Umgang mit Babys und Kleinstkindern ist und welchen Einfluss eine positive, wie auch negative Bindung auf das Leben eines Menschen haben kann. Gleichzeitig können Eltern nur soviel Liebe und Feinfühligkeit geben, wie ihnen selbst entgegengebracht wird bzw. wurde. So ist mir die Ermutigung und Unterstützung von Mamas und Papas ein besonderes Anliegen. Ich habe mich im Zuge meiner Ausbildung viel mit diesen Themen beschäftigt, doch jetzt kommt für mich der große Praxisteil - meine eigenen Kinder. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst, wenn ich auch realistisch bleiben will, dass bei weitem nicht alles so geschehen wird, wie ich mir das wünschen würde. Ich finde aber, ein Kind liebevoll zu erziehen, ihm Werte und soziale Kompetenzen mitzugeben und sein eigenes Verhalten als Mama immer wieder kritisch zu hinterfragen, ist Aufgabe genug. Aus meiner Idee ein Projekt zur Unterstützung von jungen Eltern zu starten, wurde letztes Jahr ein Verein mit dem Namen Weidenkorb - Ein Verein zur Förderung und Stärkung einer positiven Eltern-Kind-Bindung. Die Gründung des Vereins, die ich ohne die Hilfe meines äußerst interessierten und engagierten Mannes nie geschafft hätte, war ein Meilenstein in meinem Leben und kam einer Geburt - einer gedanklichen - gleich. Mit Anfang dieses Jahres beginnt das erste Projekt des Vereins. Wir haben eine Kleiderkammer eingerichtet, Tauschecke "Kinderkram", in der Baby-, Kinder- und Schwangerenartikel gespendet, getauscht und zur Wiederverwertung geholt werden können. Wir wollen damit Familien finanzielle entlasten und andererseits Nachhaltigkeit fördern. Jeder Schritt, der mit diesem Projekt zu gewagt wird erfüllt mich mit Stolz. So wurde ein Lagerraum mit Büro eingerichtet, welcher jetzt mit Sachspenden befüllt werden kann. Eine Facebook-Seite, eine Homepage, Logo und Info-Flyer sind in Arbeit. Ich bin überwältigt, wieviel Anklang dieses Projekt bis jetzt überall dort findet, wo wir Werbung machen. Das Projekt weckt Interesse und Engagement bei vielen Familien, die es ebenfalls gut und notwendig finden, die Wegwerfgesellschaft nicht immer mehr zu fördern.
Die Schwangerschaft für meinen Verein, den ich mit vier anderen mir sehr lieben Menschen zusammen leiten darf, hat wesentlich länger gedauert als die für mein Baby. Aber nun ist es soweit und wir können los starten und ihm beim Wachsen und Entwickeln zusehen und dabei selber ganz viel lernen.

Happy Birthday!


7. Januar 2015

Werden: Mama & Papa

 Ort: Bürmooser See

Wir haben uns dazu entschlossen uns in die Hände einer sehr begabten, jungen Fotografin zu begeben und doch noch kurz vor der Geburt auf wirklich schöne Weise festzuhalten, wie Mama und Papa "damals" ausgesehen haben - so rund und glücklich :)
Wir haben uns einen Ort ausgesucht, der für uns und besonders für mich "Heimat" bedeutet und waren überrascht, welch schöne Plätzchen der Bürmooser See doch hergibt.

Ich denke, dass hier eine wirklich schöne Erinnerung für uns als Mama und Papa und für unser Kind herausgekommen ist.
Zwar fast gänzlich ohne Ernsthaftigkeit, aber dafür mit doppelt so viel Spaß.




Doris Heinrich Photography



rot, rund und glücklich

5. Januar 2015

Von Punschkrapferl und dem Jahreswechsel...

Punschkrapferl und der Jahreswechsel stehen für mich seit jeher in einem engen Verhältnis. Ein altes  Jahr ist für mich erst vollends abgeschlossen, wenn die übrig gebliebenen Kekse nach ihrer Saison um die Weihnachtszeit herum im neuen Jahr zu Punschkrapferl verarbeitet werden. Das hat meine Mama schon so gemacht - und so mach ich es heute auch. Sie sind die besten aller Punschkrapferl, weil sie aus vielen leckeren Zutaten bestehen. Dieses Mal sind sie dank Gewürzen, Nüssen und Co. besonders lecker und dank meiner anfänglichen Backwut zu Beginn meines Mutterschutzes besonders viele geworden. Die Einen putzen, die Anderen räuchern, die anderen schmeißen Christbäume aus dem Fenster - ich mache Punschkrapferl und schließe dabei ab.

Dieses Jahr war Silvester anders, viel entspannter.  Wie jedes Jahr mit meinen allerliebsten DINKSs und Singles, aber ganz ohne Sentimentalität. Nachdem einer meiner Freunde unter Einfluss von selbstgemachten Bayleys selbstgedichtete Lieder über das Gebären sang und mir dabei etwas bange wurde und wir den Teil, bei dem wir Miley Cyrus und Taylor Swift Karaoke-Lieder zum Besten gaben, überstanden hatten, wurde das neue Jahr vorm Haus und unter lauten, künstlich-bunten, kitschig-rauchigen Sternenhimmel begrüßt - erwachsener, gereifter und entspannter.
Früher hatten die ersten Minuten des neuen Jahres, die mit Geböllere und Kirchenglocken untermalt wurden, etwas sehr Bedeutungschweres an sich. Fast so als wäre das alte Jahr entglitten, als sei die Jugend noch ein Stück weiter weg und das Neue umso beängstigender auf einen hereinbrach.
Dieses Mal nicht - in diesem Jahr war der Jahreswechsel im Gegensatz zu dem was mich in (laut Plan - wobei sich diese Babys ja selten nach Plänen richten) 17 Tagen erwartet äußerst banal. Die letzten Tage in wohlgeformter Mom-to-be Rundung erlebe ich als so eine Art Einkehr-Tage meines Selbst. Ich hatte auch den Luxus meinen Mann die letzten zwei Wochen ganz für mich und die Fertigstellung des Baby-gerechten Haushalts zu haben. Ich habe es von Herzen genossen! Das letzte Jahr war spannend - ich habe ein Baby verloren und betrauern müssen und mein zweites werde ich bald in meinen Händen halten und küssen dürfen. Soviel kann in einem Jahr passieren - Werden - Sein - Sterben.
Das letzte Jahr war spannend - dieses Jahr wird grandios. Wieso? Weil es so ist, weil ich davon überzeugt bin. Es wird vielleicht nicht alles glatt und edle Wonne - aber es wird wunderschön und großartig. So möchte ich das neue Jahr und die kommenden Jahr annehmen, Sentimentalität ablegen und das Kommende begrüßen mit allem was es mit sich bringt.

Denn eigentlich ist es wie mit den Punschkrapferl - wie sie schmecken, weiß man nie so genau, kommen auch jedes Jahr allerlei verschiedene Zutaten zusammen, die sich aus den Resten der verschiedenen Kekssorten ergeben. Das was vom alten Jahr übrig bleibt variiert immer. Das wichtigste, die Zutat für ein wirklich gutes Neujahrs-Punschkrapferl sind die Extra-Zutaten. Die kann ich beeinflussen, die Marmelade, die Art des Rums und das Verhältnis von Brösel und Flüssigkeit - die Einstellung, die Balance, meinen Fokus. Gelingt es mir, die Reste, also die Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen des vergangenen Jahres mit der richtigen Einstellung zu mischen, kann ich (oder dieses Mal halt die anderen - Alkohol und so) sie wie meine Punschkrapferl genießen und mich (oder eben die besagten anderen) darüber freuen.

Ich wünsche allen ein gutes Punschkrapferl-Neujahrs-Erlebnis und ein reich gesegnetes neues Jahr!

Vielleicht liest man noch einmal von mir im Doppel-Whopper-Modus, vielleicht auch nicht. Ich bin bereit - jederzeit.

Mama und Papa warten auf dich, kleines Fröschlein. Wir können es kaum erwarten, dich endlich küssen zu dürfen! Wir lieben dich!

Und...falls wir uns nicht mehr lesen...wir sehen uns im neuen Leben, im neuen Kapitel als Mama!

23. Dezember 2014

Zur heil`gen Krippe auf dem Wickeltisch...

Weihnachten geht dieses Jahr irgendwie so an mir vorbei, in Anbetracht der Tatsache der sich nahenden Geburt unseres Erstgeborenen.
Dabei haben diese Maria und ich doch soviel gemeinsam im Moment. Abgesehen vom Namen, der ja der gleiche, nur in unterschiedlichen Sprachen ist, sind wir in sehr ähnlich trächtig, angespannter Erwartung.
Jetzt ist es für jemanden, der, so wie ich, ein Kind in sich trägt, sich monatelang auf den neuen Erdenbürger vorbereitet, schon ein unglaubliches Ereignis. Wäre es nicht zum Einen das "Normalste auf der Welt", könnten die Wandlung von Wasser in Wein und die wundersame Brotvermehrung eigentlich heimgehen, angesichts des Wunders, der Menschwerdung von zwei sich ergänzenden Zellen. Wie traurig, dass wir, weil so eine Zeugung und so eine Geburt doch so alltäglich, ja eigentlich allsekündlich stattfindet, sie so sehr bagatellisiert haben, dass man damit eigentlich alles machen kann...aufhalten, unterbrechen, wegmachen.
Wie muss es Maria wohl gegangen sein, die nicht nur das Wunder des Werdens miterlebt hat, sondern es sich dabei auch noch um die Menschwerdung von Gottes Sohn höchstpersönlich handelte? Und auf einmal klingt das "Menschwerden" sofort wieder fromm. Dabei ist es gar nicht so fromm, heilig schon, aber nicht fromm. Als Jesus durch eine (ganz normale) Frau geboren wurde und eine ganz normale Kindheit, Pubertät und einfach ein für damalige Verhältnisse relativ normales Menschenleben lebte, da war er eben alles andere als fromm und distanziert. Mit Jesus küsste Gott die Menschheit und überreichte ihr das grandioseste Geschenk, sein Alles, sein Liebstes. Und er wusste und auch Jesus wusste, dass er eines Tages abgeschlachtet werden würde. Und wofür das Ganze? Das wissen wir ganz genau. Wir Menschen sind nicht so gut und toll, wie wir immer tun und uns einreden wollen. Sünde existiert und man muss sich dabei nicht gutreden, indem man sich der Unschuld in der Causa Mord, Verbrechen oder ähnlich Offensichtlich brüstet. Wir tendieren dazu uns, unsere Familien, unsere Gesellschaft unsere Welt selbst zu zerstören. Wir hassen nicht unbedingt, aber wir lieben auch nicht jeden. Wir tun was das Ego begehrt, auch wenn dabei andere auf der Strecke bleiben. Wir bereichern uns. Wir drehen uns um uns. Und während ich das schreibe, habe ich nicht mal einen Kieselstein in der Hand, denn ich versuche mich nicht mehr gut zu reden.
Das große ABER, warum mich die ganze Geschichte mit so Begriffen wie Glauben und Sünde und Jesus und wasweißich nicht total aus der Fassung bringen und Empörung lostritt, ist, dass ich weiß, dass ich trotz alledem einfach geliebt bin. Und zwar nicht - und es ist ein großes Privileg, dass das so ist - von meinem Mann, meiner Familie, meinen Freunden. Sondern von einem mächtigen, heiligen Gott. Und will alles um mich herum einstürzen, so weiß ich trotzdem, dass ich geliebt werde. Und - ich glaub ihm das! Ganz einfach ist das, so einfach kann Glaube sein. Jesus, ein Mensch, wie du und ich (und ja, Jesus, war als Kind sicher auch nicht immer brav und er ist sicher schon gar nicht dickbäuchig mit Heiligenschein und Schwurhand auf Mamas Schoß gesessen) und gleichzeitig Gott - mächtig, heilig und die Liebe in Person.
Wir tun uns ja schwer damit, verschiedene Wesenszüge, die wir gerne wertend kategorisieren, nebeneinander zuzulassen. Begriffe wie Heiligkeit, Macht, usw. werden in ein verstaubtes, beklemmendes Tabernakel gesteckt, dass bei Bedarf, 1x im Jahr in der Kirche ausgepackt wird und danach wieder dort eingeschlossen werden sollte. Es wird nicht mit Liebe, Geduld, Sanftmut in Verbindung gebracht. Tja, Gott ist halt eher so out of the box. Da können wir ihn auch nicht into the box stecken - auch wenn das seit Jahrhunderten versucht wird. Diese Erfahrung muss jeder selbst mit diesem Gott, mit diesem Jesus, der so anders ist, als wir ihn einordnen wollen, machen.
Und wenn man dann die Erfahrung gemacht hat, dann ist das so, wie dem "bevor" man Kinder hat und dem "nachdem" man Kinder bekommen hat - man versteht, man ist verliebt, man ist verändert.
Dieses Weihnachten steht unsere Krippe auf dem Wickeltisch - wie passend die Metapher, denn genau darum wurde Jesus von Gott als Mensch zu uns geschickt. Wenn wir das wollen, wenn unser Herz danach schreit, dann wechselt er unsere vollgeschi***nen, stinkenden Windeln, streichelt uns zärtlich, lächelt uns an und pflegt uns mit Balsam...

In diesem Sinne wünsche ich euch das Erlebnis von Jesus die volle Windel gewechselt zu bekommen.
Mit Vanillekipferl im Bauch, Wasser in den Beinen und Freude im Herzen wünsche ich euch ein gesegnetes Weihnachtsfest!


Hörprobe: Oh holy night - Daniel & Miriam Fankhauser

17. Dezember 2014

Walfisch-Wellness und Torschlusspanik

Aus dem Alltag einer Hochschwangeren:

Aufgrund von undefinierbaren Schmerzen in Bauch, Rücken und Beinen erhebe ich mich nicht mehr ganz so anmutig aus unserer sehr weichen Couchliege. Dies funktioniert mehr oder weniger nur, indem ich mich in Zeitraffer mehrerer akrobatischen Wendungen bediene. Ich drehe mich einnmal seitlich, danach begebe ich mich in angedeuteten Vierfüßlerstand, um daraufhin ein Bein nach dem anderen auf den Boden zu setzen, meinen Körper in die aufrechte Position zu bringen, ohne aufgrund des Gewichts des Bauches wiederum nach vorne zu kippen. Habe ich mich einmal stabilisiert und meine Wirbelsäule hat sich auf Gewicht und Position eingegrooved, schreite ich engelsgleich dahin (meist zur Toilette). Die Reaktion, die ich auf solche Aktionen von meinem lieben, mitfühlenden Ehemann, der seit 8 Jahren trotz verschobenen Verhältnis von Nahrungsaufnahme zu Nahrungsverbrennung (zuerst Bauernkind - jetzt Bürosesselfurzer) das gleiche Gewicht hat, ist dann meist folgende: "Ohhh, du bist so...schwanger!"
Auch wenn mir "Oh, du bist so...bewundernswert, weil du deinen Körper dahingibst, um MEINEN Erstgeborenen auszutragen. Du, meine Heldin, ich verdanke dir mein Fleisch und Blut und dafür ehre ich dich" lieber wären, trifft sein Ausspruch doch sehr die gegenwärtige Situation.
Auch mein Vergleich, mich wie ein gestrandeter Walfisch zu fühlen. Naja, der Vergleich hinkt evt. in Anbetracht der Tragik, die diese Tieren ereilt. Sagen wir ein lustiger gestrandeter Wal in einer guten Welt, der sich nur kurz an Land verirrt hat und dann selbstständig wieder ins Wasser gleitet und in die Freiheit taucht...

Torschlusspanik 

Dass ich mich in einer Zeit des total Umbruchs befinde, habe ich inzwischen schon das ein oder andere mal erwähnt. Es ist damit verbunden, dass ich das Gefühl habe, dass die Geburt meines Babys Tag X ist und danach von meinem bisherigen Leben und meiner Identität, meinen Interessen, meinen Hobbies und überhaupt alles was mich ausmacht, nichts, aber auch gar nichts mehr übrigbleibt. So als wäre ich ein Geheimagent, der mit diesem Tag X ein neues Aussehen, einen neuen Reisepass, eine neue Identität bekäme, auf einen anderen Kontinent auswandern müsste und dort komplett von vorne anfangen müsste. Neue Sprache, neue Kultur, neues Leben. Alles was mich ausmacht, liegt hinter mir und ich darf nicht mehr darauf zurückgreifen. In mein Leben übersetzt - nieeeee mehr Zweisamkeit, keine Zeit für Hobbies, Musik, Freunde und Geselligkeit. Nie mehr Urlaub, nie mehr Entspannung, nie mehr arbeiten, nie mehr irgendwas machen, was mir so richtig Spaß macht...Ja so in etwa fühlt sich das bei jemanden an, der in Umbruchsphasen vielleicht ein wenig überreagiert, die Drohungen von frustrierten Eltern zu ernst nimmt und überhaupt die totale Torschlusspanik schiebt.
Gott sei Dank, sagt mir mein Verstand, ruhig und deutlich, während meine Gefühle panisch quiekend im Kreis herumlaufen, dass es nicht ganz so tragisch wird, dass ich immer noch ich bin, wenn ich auch wirklich eine ganz neue Aufgabe bekomme, eine neue Sprache lerne und sich vieler meiner Lebensumstände ändern. Ich bleibe Ich.

Ab-und-weg

Aber einmal, da konnte sich mein panisches, im Kreis laufendes Gefühl mal kurz hinsetzen und verschnaufen, was gar nicht so leicht ist für die kleine Torschlusspanik, das hektische Ding. Im Bereich "Urlaub" und "ab-und-weg-Zeit" mit meinem Mann. Ich war dieses Jahr viele Male in (Kurz-)Urlauben. Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt und bin mit meinem Mann in die Karibik geflogen, habe dabei einen Abstecher in Paris gemacht und drei verschiedene Inseln bereist, ich war mit meinen engsten Freunden in Kroatien, in Holland bei Verwandten und vor einer Woche noch mal richtig schniek Wellnessen. Und wir haben es genossen, so wie es halt möglich ist für einen gestrandeten Walfisch im Bikini. Aber das Essen war fantastisch und das Herumgetütel der Hotelmitarbeiter auch. Schlafen war für mich nicht drin, dafür ein (womöglich) letztes Mal zu zweit im "adults-only-Bereich" mit Dach-Whirlpool und Panorama-Schaukelliegen. Es war toll! Man bekommt sehr viele mitleidig, entzückt und leicht erschreckte (aufgrund des Bauch-Bikini-Schwangerschaftsstreifen-Verhältnis) Blicke zugeworfen und auf Wunsch drei extra Gänge beim 5-gängigen Abendmenü. Ja, in diesem Bereich habe ich das Gefühl, das DAVOR wirklich gut für gemeinsame Reisen und Ausflüge genutzt zu haben. Das Tor kann sich ruhig (zumindest für eine Zeit) schließen und ich stehe winkend und lächelnd davor.

Meine DINKs

In anderen Bereichen läuft sie noch im Kreis, die Panik - ein unbelehrbares Gefühl.
Zum Beispiel beim Thema "Freunde". Wenn die Torschlusspanik an ihre geliebten (kinderlosen) Freunde und die ebenso geliebten gemütlichen Abenden mit ihnen denkt, dann schnappt sie sich die Angst, diese blöde Kuh, und hetzt sie auf und sie laufen gemeinsam panisch Hand in Hand im Kreis herum.
In meinem Freundeskreis, bestehend aus zwei verheirateten Paaren und drei Singles sind wir nun die ersten, die ein Kind bekommen. So wie die Hochzeiten von uns, ist auch dies wieder ein einschneidendes Erlebnis in der Freundschaftsdynamik. Na gut, es hat sich sowieso viel verändert, da jeder (mehr oder weniger fordender) Arbeit nachgeht, umgezogen ist und wir keine OC-California guckenden, in ewigen Sommerferien schwelgenden Jugendliche mehr sind. Emotionale, wie auch geografische Nähe und Distanz haben sich verändert, aber wenn wir uns sehen - so alle zwei bis drei Monate, dann fühlt es sich gut an - so, als müsste das so sein. Und mit dem gemeinsamen Urlaub, den wir dieses Jahr noch hatten, ging für mich ein langjähiger Wunsch in Erfüllung.
Wir haben in unserer kinderlosen Runde oft darüber geredet, wie sehr wir es doch noch genießen, in diesem Status als DINK (double income, no kids) zu verweilen...
Jetzt erleben wir - und es ist sehr gut so - einen Statuswechsel und ich hoffe und nehme mir fest vor, die beiden Welten meiner "Motherhood" und die der "Otherhood" punktuell zu verbinden. Ich brauche meine (kinderlosen) Freunde, ich brauche sie als "Tür zur Außenwelt", ich möchte mich nicht nur über wunde Popos, Kinderkrankheiten und Kinder-Entertainmment vs. Mama-Burnout unterhalten. Ich brauche meine DINKs um mich über die Arbeitswelt zu beklagen, mit ihnen Musik zu machen und über Filme, Musik, Gott und die Welt zu unterhalten. Vor diesem Tor, dass sich scheinbar vor mir schließt, stehe ich noch, während ich hektisch in meinem Kalender mögliche Termine für ein Treffen vor Tag X suche. Doch mein Verstand, in seiner ruhigen, kompetenten Art und Weise und meine beste Freundin beruhigen mich stetig. Beide behaupten es gäbe eine Hintertür. Eine Möglichkeit immer noch "rein" zu kommen, auch wenn sich das bisherige Haupttor geschlossen hat. Man darf sich diese Tür halt nicht verstellen, von beiden Seiten nicht. Der Platz vor der Tür muss doch immer sauber gehalten werden, damit die Tür auch aufgeht. Übrigens gibts diese Hintertüren in mehrfacher Ausgabe. Eine für Freunde, eine für Partnerschaft, eine für Hobbies. Die Stadt "Myra" ist jetzt nicht mehr nur durch ein großes Tor erreichbar, sondern man muss sich schon auf den Weg machen und planen, durch welche Tür man gehen will, man muss sie sich freihalten. Aber sie sind da, jederzeit.

"Na dann", sagte die Torschlusspanik zur Angst, "lass uns ein Weilchen hinsetzen und die Ruhe genießen".

3. Dezember 2014

Storchenparty

Klingt komisch, heißt aber so. Da muss ich doch nicht einmal einen anderen Titel erfinden.

Eine Storchenparty ist eine unserer neuesten Erfahrungen als werdende Eltern, die wir gestern Abend genießen durften. Es handelt sich dabei um eine Informationsveranstaltung des Geburtskrankenhauses unserer Wahl, bei dem Vorträge von Ärzten über diverse Geburtsthemen, sowie ein anschließendes Gratis-Buffet und eine Führung durch die Kreissäle angeboten wird.
Ja, ich geb's zu das Gratis-Buffet war der ausschlaggebende Grund für uns dahin zu fahren, aber irgendwie gehört sich das ja auch für eine Erstgebärende, dass sie sich gründlich mit dem Ort der Geburt, in meinem Fall, das Krankenhaus, auseinandersetzt - so steht das zumindest in meinen des öfteren zitierten blassrosa-gelben-blauen Schwangerschaftsbüchern. Da bekommt frau ja schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn sie diesem Aufruf nicht Folge leistet und die heiligen Geburtshallen, in denen einem soviel angenehme Atmosphäre geboten wird (Paradoxon: Höllenschmerzen - angenehme Atmosphäre???), nicht vorher besichtigt.

Also da waren wir...zumindest in der Nähe des Veranstaltungsortes. Einige überdimensionierte, hölzerne Storchen ließen vermuten, dass die Party in Richtung ihrer Schnäbel von Statten ging. Ein noch viel besseres Indiz war der anrollende Zug von schwangeren Menschenmassen, inklusive ihrer Gefolgschaft. Und darunter ebenso passend - Mein Mann und Ich. Ja, hier war mein dicker Bauch mal nichts Besonderes - hier war er Eintrittskarte. Wir kamen in einen Vortragsraum, indem sich bereits ca. 150 Leute befanden. Mit Beginn des Abends waren es dann um die 200 Leute, das heißt mindestens 100 davon waren schwanger. Was wiederum bedeutet, dass sich mindestens 300 Leute in diesem Raum befanden. Im Eingangsbereich wurde einem eine Tüte mit Pröbchen und eine rosa Mutter-Kind-Box in die Hand gedrückt...juhuuuuu, Geschenke!!! Diese Geschenke haben es in sich, Propaganda-Material quasi, dass uns hormongesteuerten, sowieso-schon-Geschenke-geilen Moms to be und deren bald schlüpfenden Sprösslingen auf die Konsumgesellschaft vorbereiten soll und will. Dann kuschelt mein Baby mit Beba-Bären, gewärmt von Hipp-Söcken und auf ein Bipa-Lätzchen spuckend, während es aus einem Tupperbecher trinkt...So läuft das...aber hey, ich nehm alles was ich kriegen kann, ich will da ja nicht kleinlich sein.

Beschenkt vom Hebammenteam und ein Werbezuckerl im Mund suchten wir uns ein Plätzchen und ließen die Menge an schwangeren Menschen auf uns wirken. So schön dieser Babyboom ja auch ist, der in unserer Gegend gerade vor sich zu gehen scheint, aber es hinterlässt ein etwas mulmiges Gefühl. So entwickelten sich in mir Horrorszenarien, in denen ich der Herbergssuche gleich keinen Platz finde, um mein Kind auf die Welt zu bringen. Ich denke da an eine Vollmondnacht im Jänner, indem aaaaalle Jännerkinder raus wollen, so auch meins - nur ist keiner der Kreissäle für uns frei in unserem Wunschkrankenhaus. Gruselige Vorstellung. Wo bekomme ich dann nur mein Baby? Kino im Mehrbettzimmer? Auf dem Gang? Naja, mein Mann versuchte mich durch folgende statistische Darlegung zu beruhigen: Bei 5 Storchenpartys im Jahr, kommen die PatientInnen von 10 Wochen zusammen. Bei 300 TeilnehmerInnen gebären dann im Durchschnitt 4 pro Tag. Das geht sich aus. Die Korrektheit dieser Rechnung bezweifel ich stark, schon aus Gründen der fehlenden Informationen über Geburtstermine der Anwesenheit, sowie der Unvorhersehbarkeit von Geburten, aber es hörte sich irgendwie beruhigend an.
Geleitet wurde der Abend vom Primar der gynäkologischen Abteilung, der in (fast ein bisschen zu) einfacher, aber geradezu amikaler (Zitat Ehemann) Sprache einleitete. Ich muss zugeben, dass das Meiste schon aus dem Geburtsvorbereitungskurs bekannt war (Geburtsstellungen, Anästhesie, Stillen) und es deswegen jetzt nicht unbedingt den großen AHA-Effekt in mir bewirkte. Die Reaktionen meines Mannes waren mir aber dann doch etwas zu uninteressiert, sodass ich schwer damit beschäftigt war diesem mit meinen Ellenbogen Kicks in die Seite zu geben und grimmig zu schauen. Nachdem er sich in sein Memo-App am Handy folgende Notizen machte: "blabla...PDA...blabla...Dammriss...blabla...schnarch..." und der Veranstaltung den klingenden Namen "Schnoachnparty" (Mundart) verpasste, waren die Vorträge auch schon wieder vorbei und den Abschluss machte ein Normalo-Papa mit stark bayrischem Akzent, der von seiner Erfahrung sprach, wie er das erste Mal Papa wurde. War ein gelungener Abschluss, er erntete ein paar mitfühlende Lacher für seine Schilderungen und der/die eine oder andere, so auch ich, verdrückten sich ein Tränchen der Rührung.

Die Rechnung der anwesenden Schwangeren und der Kreissäle war in diesem Moment dann aber völlig in den Hintergrund getreten, weil nun der ersehnte Teil des Gratis-Buffet folgen sollte und sich das doch nieeeemals ausgehen konnte. Und die Schlacht war hart, unerbittlich, weil schwanger und die Ausbeute mager, doch lecker.
Das wichtigste und groß angekündigte To-Do für werdende Mütter - das Vertrautwerden mit den Kreissälen - fiel aufgrund von stattfindenden Geburten aus...schade eigentlich, so live und in Action wärs fast noch spannender gewesen. Aber, okay, ist vielleicht etwas distanzlos für die Gebärende und zu deromantisierend für die noch Dickbäuchigen, wenn man da so in Gruppen von 20 reinplatzt, das muss man schon verstehen.
Wir standen noch eine Weile etwas verloren mit unseren Minifrühlingsrollen und dem Kartoffelsalat da, bis wir aufgrund mangelnder Bekanntschaften unter den Anwesenden und der klaustrophobischen Tendzenzen meines Mannes nach Hause fuhren.

Zuhause begutachtete ich meine Gratisproben, entfernte, wenn möglich die Werbenamen und freute mich über Einkaufscoupons von IKEA und meine Gesamtausbeute des Abends.

Das war sie, die Storchenparty - Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!