Hallo, lieber Mensch! - vermutlich Elternteil oder anderweitig an Eltern-Menschen oder Kindern interessiert
Es ist ein Punkt erreicht nach etwa 3 Jahren, der mir in sich zuspitzender Weise sagt: "Schreib, schreib dir alles von der Seele. Vielleicht hilfts oder erheiterts oder kommt bekannt vor - mir, dir, irgendjemanden."
Nach 3 Jahren Schreibpause, die auf eine kurze eineinhalbjährige Blogautoren-Karriere folgte, nutze ich also einige ruhige Minuten meines mütterlichen Daseins und schreibe in die Welt.
Kurz zusammengefasst, was bisher geschah: Ich wurde 3 Jahre älter, mein Mann auch, mein Kind auch. Der wurde übrigens auch großer Bruder. Also aus 3 mach 4. Aus Eltern wurde elterer :). Klein-Bub wurde im Sommer 2018 geboren. Um Vieles abzukürzen: Klein-Bub ist ein absoluter MiniMe. Er sieht aus wie ich, er hat mein Temperament, mein Stimmkraft und...meine Haare. Klein-Bub war als Baby-Bub by the way ein Schreikind. Also neue Extremerfahrung inklusive. Dafür hab ich jetzt ein Thema für meine Master-Thesis. Vielleicht irgendwann mal mehr dazu.
Achja, ich bin hoffentlich bald fertig mit meinem Studium, das ich begonnen hatte als Groß-Bub etwa eineinhalb Jahre war.
Schon langsam, nach 16 Monaten 2-Kind Mama kommen gewisse Freiheiten wieder zurück. Weswegen ich es wohl auch wage, ein paar Zeilen zu kloppen. Ich bin noch nicht wieder im Berufsleben, aber im mir so lieben, kreativen Schaffen. Musik, Konzerte, Gestaltungen von festlichen Anlässen, usw.
Während ich bei Kind 1 zu dieser Zeit bereits wieder top in Form war, besser als jemals zuvor, wäge ich in dieser Lebensphase mein Aussehen gegen den nächsten seelenschmeichelnden Zuckerkick ab und entscheide mich meist für Schokolade, Kleingebäck und Co. Ich will es so ausdrücken: "Die Zeit ist noch nicht reif - für eisernen Willen und regelmäßiges Workout". Aber montags - da stemm ich Gewichte, 90 min lang lass ich mich gegen Bezahlung (also, die Trainerin wird bezahlt) quälen. Danach spür ich mich wieder so richtig - meist den Rest der Woche - schmerzhaft. Jede einzelne Muskelfaser meines Körpers.
Zum Schreiben wieder loszulegen hat mich meine BFF ermutigt, nachdem sie sich eine von mir sehr lebhaft geschilderten Szene meines Alltags angehört hat, die mein Leben mit zwei extravertierten, lebhaften und sehr willensstarken Jungs sehr gut beschreibt:
Ich, bekennender mit-Kinder-kreativ-sein-Muffel, habe mich dazu aufgerafft, anlässlich des nahenden Wiegenfestes meines Mannes und ihres Papas, mit den Jungs ein Gemeinschaftsbild zu malen. Nun, es war auch das die erste wirkliche Erfahrung mit Fingerfarben für meinen Klein-Bub. Die Hauptfarbe des Wunschmotives (welches ich noch nicht verraten darf, da Papa still und heimlich mitliest) ist die Farbe Braun. Die Kinder in Position (was bedeutet, dass Klein-Bub an seinen Sessel geschnallt wird - i know, voll nicht artgerecht und Pikler und so - aber rauskrabbeln und runter krachen und zwar ständig ist einfach auch eher ungeil), voller Tatendrang und mit überschaubar wenig Kompetenz auf etwas zu warten, wollen loslegen. Mama merkt, dass sie die Farbe Braun nicht besitzt. Also kramt sie aus dem hintersten Eck der Farbenlehre folgendes Halbwissen: Alle Farben zusammenmatschen = Braun. Falsch. Es ergibt Schlammgrau. Google hat es besser gewusst. Neuer Versuch, nun mit vehement ausgedrückter Ungeduld der Jungs. Vor allem Klein-Bub, der inzwischen sämtliche - bis dato noch unbenützte - Pinsel auf Halt und Beschaffenheit prüfte - oral, natürlich.
Nach langer Vorbereitungsarbeit folgte nun die Gestaltung des Bildes. Es wurde getupft, geschmiert, gekleckert - so wie es sich für ein anständiges Bild von Kindern für Eltern gehört. Nach erledigter Aufgabe war sogar noch soviel brüderliche Eintracht vorhanden, um den Kindern herbstliche Farben zu überlassen, die sie dann gemeinschaftlich mit Pinsel und Fingern auf ein weißes Blatt, wahlweise auch auf Gesicht verteilten. Es waren fast schon idyllische 3, 34 min. kreativen Gestaltens.
Wieviel Impulskontrolle und Emotionsregulationsenergie mir diese kurze Aktion bis dahin abverlangte bleibt Subtext und kann vielleicht von Gleichgesinnten mit ähnlichem Temperament und ähnlich geringer Toleranz von ÜBERALL verteilter Farbe nachvollzogen werden. Mein Kortisol- Spiegel (Stresshormon) war dementsprechend hoch bis gesundheitsschädlich.
Nachdem nach den 3, 34 min. brüderlichem Bastelspaß die Stimmung langsam kippte, begaben sich die beiden wieder weiter weg voneinander und Groß-Bub beschäftigte sich erstaunlicherweise nocheinmal mit der Optimierung des geplanten Kunstwerks.
Da meine Hände all over beschmiert für jeglichen weiteren Einsatz unbrauchbar beschmutzt waren, hatte ich das starke Bedürfnis, diese zu waschen.
Mit den Worten: "Ok Jungs, ich gehe mir jetzt für 5 Sekunden meine Hände im Bad waschen. Versucht bitte keinen Fleck in unser Papa-Bild zu machen, schlagt euch nicht die Köpfe ein und esst nicht zuviel Farbe! 5 Sekunden, okay?"
Nach 3 Sekunden komm ich zurück und es eröffnet sich mir folgendes Szenario:
Groß-Bub kleckst einen dicken Patzen braune Farbe mitten auf das Gemeinschaftsbild, Klein-Bub schreit (wahrscheinlich, weil er eine über gezogen bekam - wer weiß) und lutscht am grün-gelb-rotbraunen Pinsel, nachdem er sich den Inhalt des Farbbechers auf Ohren und Augen verteilt hatte.
War ja auch meine Schuld. Lektion 1 jedes Kommunikationstrainings: Sätze mit "nicht" können vom Gehirn NICHT umgesetzt werden und werden, vorzugsweise von Menschen im einstelligen Jahresbereich, als Aufforderung gesehen.
Lektion 22987 der Mutterschaft: 15:50Uhr ist eine durchaus passende Zeit für ein entspannendes (muhahahahahahah - sie hat entspannend geschrieben), reinigendes Bad für kleine Jungs.
That´s my life.
Wir lesen uns. Wenn du willst.
Alles hat seine Zeit...Sein und Werden
Alles hat seine Zeit, alles auf dieser Welt hat seine ihm gesetzte Frist: Geboren werden hat seine Zeit wie auch das Sterben. Pflanzen hat seine Zeit wie auch das Ausreißen des Gepflanzten. Töten hat seine Zeit wie auch das Heilen. Niederreißen hat seine Zeit wie auch das Aufbauen.
Weinen hat seine Zeit wie auch das Lachen. Klagen hat seine Zeit wie auch das Tanzen. Steine zerstreuen hat seine Zeit wie auch das Sammeln von Steinen. Umarmen hat seine Zeit wie auch das Loslassen. Suchen hat seine Zeit wie auch das Verlieren. Behalten hat seine Zeit wie auch das Wegwerfen.
Zerreißen hat seine Zeit wie auch das Flicken. Schweigen hat seine Zeit wie auch das Reden.
Lieben hat seine Zeit wie auch das Hassen. Krieg hat seine Zeit wie auch der Frieden. (Prediger 3, 1 - 8, die Bibel)
30. Oktober 2019
5. September 2016
Mein Geständnis
Vor ein paar Tagen, als ich in der herrlichen Abendsonne am kroatischem Meer das Streicheln des Allmächtigen höchstpersönlich im sanften Wind auf meiner Haut spürte, den salzigen, herrlichen Meeresduft roch - der mir auch dann noch angenehm vertraut sein würde, wenn mein Augenlicht versagte -, ich dem sanften Plätschern und Rauschen des Meerwassers, dass seine Wellen an den Felsen zerschellt lauschte, in der Ferne das Krächzen der Möwen und Geschnattere der Urlauber hörte und dabei mein Körper und mein Geist all diese Schönheit wie ein Schwamm aufsogen, schweifte mein Blick zu meinen Männern - dem Großen und dem Kleinen - und ich dachte mir: IHR seid nicht zu übertreffen, nicht mal vom wunderschönen, betörenden, unendlich scheinenden Meer.
Und gerade deswegen wird es Zeit für eine Rückschau, eine ehrliche, schonungslose Bilanz meiner letzten 19 Monate als Mama. Lesen auf eigene Gefahr! Denn ich muss hier einige Geständnisse machen, die vielleicht nicht jeder gerne hört oder lesen möchte. Doch dies ist jedem selber überlassen - ich will es schreiben. Vielleicht nur für mich, vielleicht auch noch für jemanden, der sich darin wiederfindet.
Geständnis Nr. 1: Ich war noch nie so verunsichert wie jetzt.
In meinem Leben vor meinem Kind war ich sehr selbstbewusst, wusste was und wohin ich wollte. Manche Menschen, vor allem mein Mann, konnten sich darauf verlassen, dass ich sagen würde, in welche Richtung es gehen sollte, was meine Meinung und meine Entscheidung zu etwas ist.
Seit der Geburt meines Sohnes ist dieser entscheidungsfreudige Charakterzug so gut wie verloren gegangen. Ich bin, was Entscheidungen angeht, sehr unschlüssig geworden. Ich tue mich sehr schwer mit dem Fällen von Entscheidungen. Ich habe meist Angst vor negativen Folgen oder Konsequenzen für meine Familie. In jede Entscheidung fließt seit der Geburt meines Sohnes sein Wohlbefinden und seine Gesundheit mit ein. Nein, viel mehr noch: es ist die erste Priorität. Nicht, dass ich ihn aktiv miteinbeziehen müsste, sondern viel eher kann ich gar nicht anders. Was mich zum zweiten Geständnis führt:
Geständnis Nr. 2: Dieser "du-trägst-dein-Herz-außerhalb-Kitsch" ist wahr.
Mein Wohlbefinden ist davon abhängig, ob es meinem Kind gut geht. Das ist nicht unbedingt positiv, aber es ist halt so. Wenn mein Kind weint, weint mein Herz. Wenn mein Kind lacht, lacht mein Herz. Wenn mein Kind leidet, leidet mein Herz. Wenn mein Kind genießt, genießt mein Herz. ALLES, was mein Kind betrifft, betrifft unmittelbar MICH bzw. mein Herz. Ich denke, je älter sie werden, desto abgelöster wird man. Doch ich glaube auch, dass das die eigene Person betrifft und nicht das Herz. Ich denke, in mein Herz ist für alle Zeit sein Name, sein Gesicht, sein Lachen, sein Weinen und seine Geschichte eingemeißelt.
Geständnis Nr. 3: Nichts ist wie es einmal war.
Egal welcher Lebensbereich, es ist nichts, wie es einmal war. Die Geburt meines Sohnes hat unsere Lebensgeschichte umgeschrieben. Es ist unfreier geworden, fremdbestimmter, eingeschränkter, komplizierter. Ob es sich um die Treffen mit Freunden, unsere Freizeitakitvitäten, unseren Tagesablauf, unser Liebesleben, unsere Hobbies, unsere Beziehung, unsere Bedürfnisse betrifft - es hat sich alles verändert. Ich hätte es mir vorher nicht vorstellen können, dass es sich jemals so verändern kann, aber es ist von einem auf den anderen Tag einfach so passiert.
Alles wurde anders. Bunter. Liebe-voller. Herrlicher. Gemeinsamer. Strukturierter. Chaotischer. Flexibler. Starrer. Verbundener. Lustiger. Schöner. Spannender. Familie eben.
Geständnis Nr. 4: Meinen Körper, wie er vor der Geburt war, gibt es nicht mehr.
Mein Körper hat innerhalb von 15 Monaten 25kg zu und 37kg abgenommen. Meine Haut am Bauch ist gerissen, ausgeleiert und lässt sich wie ein lustiger schlabbriger Luftballon wabbeln. Was meinem Sohnemann große Freude bereitet, wenn er genüsslich hineinkneift. By the way - auch, wenn die Haut und das Gewebe kaputt sind, Gefühl hab ich da ja noch immer :/.
Ich mache seit Februar aktiven Sport, aber habe leider nicht die besten Gene und kein gutes Bindegewebe. Damit werde ich leben müssen, denke ich. Auf der anderen Seite bin ich fitter als jemals zuvor. Mir ist der sogenannte Knopf aufgegangen. Ich musste meinen Lebensstil völlig umkrempeln, wenn ich gesund bleiben und halbwegs eine Form behalten will. Ich bin zu einem kleinen undercover Fitness-Fan geworden. Die, die mich persönlich kennen, wissen, dass sich diese Tatsache so ähnlich wie das mit den fliegenden Schweinen verhält. Ich habe seit jeher Sport zu meinem persönlichen Feind erklärt. Aber es musste ja so kommen, lebe ich ja unter anderem nach der Prämisse "Liebe deine Feinde!" :). Ich bin also eine von diesen total nervigen, ich-bin-jetzt-zuhause-mein-Körper-gerät-aus-den-Fugen-ich-muss-was-dagegen-unternehmen-und-verdiene-mir-mit-dem-xsten-Fitnessprogramm-Geld-dazu-Mamas ohne Promistatus und ohne Geldverdienen halt.
Geständnis Nr. 5: Ich versage. Jeden Tag.
Vorm Mamasein war ich ein recht selbstbewusster Mensch. Was zumindest die Interessen und Schwerpunkte angingen, die ich in meinem Leben lege. Und wenn ich nicht selbstbewusst war, konnte ich mein Umfeld dennoch glauben machen, dass ich Ahnung habe. Seit der Geburt meines Sohnes gibt es dieses Selbstbewusstsein weder im Sein, noch im Schein. Jeden Tag versage ich, verhalte mich falsch, gebe zu wenig, entscheide ich verkehrt, bin meinen Unzulänglichkeiten als Mama und als Mensch, die bzw. der ich sein möchte, ausgeliefert. Und dessen bin ich mir bewusst. Ich hätte ihn noch mehr tragen sollen, hätte ihn an ein Familienbett gewöhnen sollen, sollte ihm keinen Zucker geben - niemals, hätte länger stillen müssen, hätte erkennen müssen, dass er zu wenig bekam als er gestillt wurde, sollte ihn mehr fördern, sollte meinen Haushalt ordentlicher führen, müsste noch mehr und konsequenter Sport machen, sollte noch gesünder essen, hätte nur Holzspielzeug anschaffen sollen, sollte mehr mit Babyboy in den Wald gehen, müsste all seine Entwicklungsfortschritte dokumentieren und wissen, was als nächstes ansteht, sollte immer im Blick haben, welche Untersuchung als nächstes dran kommt, ich müsste glücklicher und zufriedener sein und müsste morgens voller Elan aus dem Bett hüpfen und meinen Sonnenschein in Person begrüßen, hätte sollen müssen!
Ich versage. Jeden Tag. Mein Kind verzeiht. Jeden Tag.
Trotz Baby bin und bleibe ich eine Chaotin, ohne Überblick wichtiger Termine. Ich bleibe die Frau, die aufgrund ihrer Biologie nicht ausreichend stillen kann. Ich bleibe die Mama eines Zuselwusel, der nix von Familienbett und Getragenwerden hält. Ich bleibe Miriam, die sich für Sport schwer überwinden muss und viel zu gerne, viel zu viel Schokolade essen möchte. Ich bleibe die Frau, die morgens einen möglichst friedlichen, gleitenden Start in den Tag braucht, frühestens ab 7 und nur für mich. Ich bleibe die Frau, die beim Haushalt die Oberflächlichkeit bevorzugt.
Meine Eigenschaften und Fehler haben sich durch die Geburt meines Sohnes nicht verändert. Ich bin, auch wenn ich mich nach der Geburt wie eine fühlte, keine Heldin geworden. Es entwickelten sich bei mir keine Superkräfte, um auf die Bedürfnisse meines Kindes OPTIMALST, nach besten wissenschaftlichen und müttersemiwissenschaftlichen Erkenntnissen einzugehen. Ich bin ich. Mit meinen Fehlern und mit denen muss auch ein kleines unschuldiges Kind aufwachsen. Und ich muss auch damit leben lernen.
Ich versage. Jeden Tag. Mein Kind verzeiht. Jeden Tag.
Geständnis Nr. 6: Ich bin zornig und verletzlich geworden.
Meine Fehlerhaftigkeit aus Nr. 5 macht mich oft zornig und frustriert. Ich ärgere mich seit 19 Monaten darüber, wenn ich meinen Sohn vor sieben, manchmal sogar nach sieben, quaken höre und weiß, sein Tag hat schon begonnen, während mein Gehirn sich noch in Tiefschlaf befindet. Wenn ich höre, wie die meisten anderen Mamas schon lange vor den Kindern aufstehen, um noch Zeit für sich ODER HAUSHALT haben, dann werde ich klitzeklein mit Hut. Ich - ich werde einfach nur zornig. Dann winde ich mich im Bett, schimpfe wie ein Rohrspatz und jammere vor mich hin, wie arm ich doch bin. Ja, so mach ich das. Und, wenn ich mich dann eingekriegt habe, dann kanns los gehen. Ich liebe leidenschaftlich und ich kann auch leidenschaftlich zornig sein.
Zu meinem auflodernden Zorn bin ich auch noch verletzlich geworden. Nichts mit Fels in der Brandung und nur die Ruhe bewahren - das war mal. Ein falsches Wort oder ein falscher Blick, vor allem in Bezug auf meinen Sohn, treffen mich wie ein feuriger Pfeil. Ja, nicht nur mein Bauch ist weich geworden....
Geständnis Nr. 7: Ich habe mich verliebt.
Ich habe mir das vielleicht schockierendste Geständnis für den Schluss aufbewahrt. Ich habe einen sehr lieben Mann, der wirklich sein Bestes und alles für mich gibt. Er war auch immer genug.
Aber...jetzt habe ich mich neu verliebt. Ich hätte niemals damit gerechnet, aber es hat mich einfach völlig überfahren. Die ganzen Gefühle. Ein ganz neues Kribbeln. Eine ganz neue Dimension vom Verliebtsein. Zuerst dachte ich mir nichts, ich dachte es hätte sich nichts verändert zwischen mir und meinem Mann. Aber dann traf ich IHN...
Da ich es amtlich und öffentlich machen will.
Ich habe mich in den Vater meines Sohnes verliebt.
Er ist umwerfend. Liebevoll. Stark. Gutaussehend. Leidenschaftlich. Ein Traum von einem Mann. Ein hingebungsvoller Vater.
Er ist eine noch viel bessere Version meines Mannes, ein Segen.
Geständnis Nr. 8: Das Banalste ist außergewöhnlich genug.
Nichts bringt mein Herz so zu singen, wie der Anblick meiner Männer. Vor einiger Zeit flashte mich eine Situation, die bei uns fast täglich so vorkommt: Meine neue Liebe und mein Sohn plantschten in der Badewanne, um Essens-, Sand- und Drecksreste ab zu schrubben. Mein Mann trällerte zu einem Rock-Klassiker, der aus unserem Badeentenradio schallte, während mein Sohn sich freudig quakend Wasser über den Kopf goss. Beide im wunderbaren Adamskostüm, die Bäuche gemütlich dem Feierabend entgegengestreckt. Ich nutzte die Zeit, um schnell mit dem Staubsauger durch die Wohnung zu flitzen und die gröbsten Verunreinigungen am Boden verschwinden zu lassen, damit es nicht so knarzt, wenn man drüber läuft. So öffnete ich auch die Badtür, um auch diesen Raum schnell in Angriff zu nehmen. Und da saßen sie. In der Wanne. Mein Leben. Die Lieben meines Lebens. Mein Glück. Der größte Segen und mein größtes Ärgerniss, dass mir Gott anvertraut hat. Und mein Herz wollte übergehen vor lauter Liebe für das hier. Und ich erkannte die Schönheit und den Zauber im Einfachsten, Alltäglichen -
Ich gestehe: Es ist perfekt, so wie es ist!
Und gerade deswegen wird es Zeit für eine Rückschau, eine ehrliche, schonungslose Bilanz meiner letzten 19 Monate als Mama. Lesen auf eigene Gefahr! Denn ich muss hier einige Geständnisse machen, die vielleicht nicht jeder gerne hört oder lesen möchte. Doch dies ist jedem selber überlassen - ich will es schreiben. Vielleicht nur für mich, vielleicht auch noch für jemanden, der sich darin wiederfindet.
Geständnis Nr. 1: Ich war noch nie so verunsichert wie jetzt.
In meinem Leben vor meinem Kind war ich sehr selbstbewusst, wusste was und wohin ich wollte. Manche Menschen, vor allem mein Mann, konnten sich darauf verlassen, dass ich sagen würde, in welche Richtung es gehen sollte, was meine Meinung und meine Entscheidung zu etwas ist.
Seit der Geburt meines Sohnes ist dieser entscheidungsfreudige Charakterzug so gut wie verloren gegangen. Ich bin, was Entscheidungen angeht, sehr unschlüssig geworden. Ich tue mich sehr schwer mit dem Fällen von Entscheidungen. Ich habe meist Angst vor negativen Folgen oder Konsequenzen für meine Familie. In jede Entscheidung fließt seit der Geburt meines Sohnes sein Wohlbefinden und seine Gesundheit mit ein. Nein, viel mehr noch: es ist die erste Priorität. Nicht, dass ich ihn aktiv miteinbeziehen müsste, sondern viel eher kann ich gar nicht anders. Was mich zum zweiten Geständnis führt:
Geständnis Nr. 2: Dieser "du-trägst-dein-Herz-außerhalb-Kitsch" ist wahr.
Mein Wohlbefinden ist davon abhängig, ob es meinem Kind gut geht. Das ist nicht unbedingt positiv, aber es ist halt so. Wenn mein Kind weint, weint mein Herz. Wenn mein Kind lacht, lacht mein Herz. Wenn mein Kind leidet, leidet mein Herz. Wenn mein Kind genießt, genießt mein Herz. ALLES, was mein Kind betrifft, betrifft unmittelbar MICH bzw. mein Herz. Ich denke, je älter sie werden, desto abgelöster wird man. Doch ich glaube auch, dass das die eigene Person betrifft und nicht das Herz. Ich denke, in mein Herz ist für alle Zeit sein Name, sein Gesicht, sein Lachen, sein Weinen und seine Geschichte eingemeißelt.
Geständnis Nr. 3: Nichts ist wie es einmal war.
Egal welcher Lebensbereich, es ist nichts, wie es einmal war. Die Geburt meines Sohnes hat unsere Lebensgeschichte umgeschrieben. Es ist unfreier geworden, fremdbestimmter, eingeschränkter, komplizierter. Ob es sich um die Treffen mit Freunden, unsere Freizeitakitvitäten, unseren Tagesablauf, unser Liebesleben, unsere Hobbies, unsere Beziehung, unsere Bedürfnisse betrifft - es hat sich alles verändert. Ich hätte es mir vorher nicht vorstellen können, dass es sich jemals so verändern kann, aber es ist von einem auf den anderen Tag einfach so passiert.
Alles wurde anders. Bunter. Liebe-voller. Herrlicher. Gemeinsamer. Strukturierter. Chaotischer. Flexibler. Starrer. Verbundener. Lustiger. Schöner. Spannender. Familie eben.
Geständnis Nr. 4: Meinen Körper, wie er vor der Geburt war, gibt es nicht mehr.
Mein Körper hat innerhalb von 15 Monaten 25kg zu und 37kg abgenommen. Meine Haut am Bauch ist gerissen, ausgeleiert und lässt sich wie ein lustiger schlabbriger Luftballon wabbeln. Was meinem Sohnemann große Freude bereitet, wenn er genüsslich hineinkneift. By the way - auch, wenn die Haut und das Gewebe kaputt sind, Gefühl hab ich da ja noch immer :/.
Ich mache seit Februar aktiven Sport, aber habe leider nicht die besten Gene und kein gutes Bindegewebe. Damit werde ich leben müssen, denke ich. Auf der anderen Seite bin ich fitter als jemals zuvor. Mir ist der sogenannte Knopf aufgegangen. Ich musste meinen Lebensstil völlig umkrempeln, wenn ich gesund bleiben und halbwegs eine Form behalten will. Ich bin zu einem kleinen undercover Fitness-Fan geworden. Die, die mich persönlich kennen, wissen, dass sich diese Tatsache so ähnlich wie das mit den fliegenden Schweinen verhält. Ich habe seit jeher Sport zu meinem persönlichen Feind erklärt. Aber es musste ja so kommen, lebe ich ja unter anderem nach der Prämisse "Liebe deine Feinde!" :). Ich bin also eine von diesen total nervigen, ich-bin-jetzt-zuhause-mein-Körper-gerät-aus-den-Fugen-ich-muss-was-dagegen-unternehmen-und-verdiene-mir-mit-dem-xsten-Fitnessprogramm-Geld-dazu-Mamas ohne Promistatus und ohne Geldverdienen halt.
Geständnis Nr. 5: Ich versage. Jeden Tag.
Vorm Mamasein war ich ein recht selbstbewusster Mensch. Was zumindest die Interessen und Schwerpunkte angingen, die ich in meinem Leben lege. Und wenn ich nicht selbstbewusst war, konnte ich mein Umfeld dennoch glauben machen, dass ich Ahnung habe. Seit der Geburt meines Sohnes gibt es dieses Selbstbewusstsein weder im Sein, noch im Schein. Jeden Tag versage ich, verhalte mich falsch, gebe zu wenig, entscheide ich verkehrt, bin meinen Unzulänglichkeiten als Mama und als Mensch, die bzw. der ich sein möchte, ausgeliefert. Und dessen bin ich mir bewusst. Ich hätte ihn noch mehr tragen sollen, hätte ihn an ein Familienbett gewöhnen sollen, sollte ihm keinen Zucker geben - niemals, hätte länger stillen müssen, hätte erkennen müssen, dass er zu wenig bekam als er gestillt wurde, sollte ihn mehr fördern, sollte meinen Haushalt ordentlicher führen, müsste noch mehr und konsequenter Sport machen, sollte noch gesünder essen, hätte nur Holzspielzeug anschaffen sollen, sollte mehr mit Babyboy in den Wald gehen, müsste all seine Entwicklungsfortschritte dokumentieren und wissen, was als nächstes ansteht, sollte immer im Blick haben, welche Untersuchung als nächstes dran kommt, ich müsste glücklicher und zufriedener sein und müsste morgens voller Elan aus dem Bett hüpfen und meinen Sonnenschein in Person begrüßen, hätte sollen müssen!
Ich versage. Jeden Tag. Mein Kind verzeiht. Jeden Tag.
Trotz Baby bin und bleibe ich eine Chaotin, ohne Überblick wichtiger Termine. Ich bleibe die Frau, die aufgrund ihrer Biologie nicht ausreichend stillen kann. Ich bleibe die Mama eines Zuselwusel, der nix von Familienbett und Getragenwerden hält. Ich bleibe Miriam, die sich für Sport schwer überwinden muss und viel zu gerne, viel zu viel Schokolade essen möchte. Ich bleibe die Frau, die morgens einen möglichst friedlichen, gleitenden Start in den Tag braucht, frühestens ab 7 und nur für mich. Ich bleibe die Frau, die beim Haushalt die Oberflächlichkeit bevorzugt.
Meine Eigenschaften und Fehler haben sich durch die Geburt meines Sohnes nicht verändert. Ich bin, auch wenn ich mich nach der Geburt wie eine fühlte, keine Heldin geworden. Es entwickelten sich bei mir keine Superkräfte, um auf die Bedürfnisse meines Kindes OPTIMALST, nach besten wissenschaftlichen und müttersemiwissenschaftlichen Erkenntnissen einzugehen. Ich bin ich. Mit meinen Fehlern und mit denen muss auch ein kleines unschuldiges Kind aufwachsen. Und ich muss auch damit leben lernen.
Ich versage. Jeden Tag. Mein Kind verzeiht. Jeden Tag.
Geständnis Nr. 6: Ich bin zornig und verletzlich geworden.
Meine Fehlerhaftigkeit aus Nr. 5 macht mich oft zornig und frustriert. Ich ärgere mich seit 19 Monaten darüber, wenn ich meinen Sohn vor sieben, manchmal sogar nach sieben, quaken höre und weiß, sein Tag hat schon begonnen, während mein Gehirn sich noch in Tiefschlaf befindet. Wenn ich höre, wie die meisten anderen Mamas schon lange vor den Kindern aufstehen, um noch Zeit für sich ODER HAUSHALT haben, dann werde ich klitzeklein mit Hut. Ich - ich werde einfach nur zornig. Dann winde ich mich im Bett, schimpfe wie ein Rohrspatz und jammere vor mich hin, wie arm ich doch bin. Ja, so mach ich das. Und, wenn ich mich dann eingekriegt habe, dann kanns los gehen. Ich liebe leidenschaftlich und ich kann auch leidenschaftlich zornig sein.
Zu meinem auflodernden Zorn bin ich auch noch verletzlich geworden. Nichts mit Fels in der Brandung und nur die Ruhe bewahren - das war mal. Ein falsches Wort oder ein falscher Blick, vor allem in Bezug auf meinen Sohn, treffen mich wie ein feuriger Pfeil. Ja, nicht nur mein Bauch ist weich geworden....
Geständnis Nr. 7: Ich habe mich verliebt.
Ich habe mir das vielleicht schockierendste Geständnis für den Schluss aufbewahrt. Ich habe einen sehr lieben Mann, der wirklich sein Bestes und alles für mich gibt. Er war auch immer genug.
Aber...jetzt habe ich mich neu verliebt. Ich hätte niemals damit gerechnet, aber es hat mich einfach völlig überfahren. Die ganzen Gefühle. Ein ganz neues Kribbeln. Eine ganz neue Dimension vom Verliebtsein. Zuerst dachte ich mir nichts, ich dachte es hätte sich nichts verändert zwischen mir und meinem Mann. Aber dann traf ich IHN...
Da ich es amtlich und öffentlich machen will.
Ich habe mich in den Vater meines Sohnes verliebt.
Er ist umwerfend. Liebevoll. Stark. Gutaussehend. Leidenschaftlich. Ein Traum von einem Mann. Ein hingebungsvoller Vater.
Er ist eine noch viel bessere Version meines Mannes, ein Segen.
Geständnis Nr. 8: Das Banalste ist außergewöhnlich genug.
Nichts bringt mein Herz so zu singen, wie der Anblick meiner Männer. Vor einiger Zeit flashte mich eine Situation, die bei uns fast täglich so vorkommt: Meine neue Liebe und mein Sohn plantschten in der Badewanne, um Essens-, Sand- und Drecksreste ab zu schrubben. Mein Mann trällerte zu einem Rock-Klassiker, der aus unserem Badeentenradio schallte, während mein Sohn sich freudig quakend Wasser über den Kopf goss. Beide im wunderbaren Adamskostüm, die Bäuche gemütlich dem Feierabend entgegengestreckt. Ich nutzte die Zeit, um schnell mit dem Staubsauger durch die Wohnung zu flitzen und die gröbsten Verunreinigungen am Boden verschwinden zu lassen, damit es nicht so knarzt, wenn man drüber läuft. So öffnete ich auch die Badtür, um auch diesen Raum schnell in Angriff zu nehmen. Und da saßen sie. In der Wanne. Mein Leben. Die Lieben meines Lebens. Mein Glück. Der größte Segen und mein größtes Ärgerniss, dass mir Gott anvertraut hat. Und mein Herz wollte übergehen vor lauter Liebe für das hier. Und ich erkannte die Schönheit und den Zauber im Einfachsten, Alltäglichen -
Ich gestehe: Es ist perfekt, so wie es ist!
16. Juni 2016
45h
Ich sitze hier am helllichten Tag und schreibe am viel zu lange ausstehenden Blogeintrag. Nochmal, es ist helllicht. Nicht erst abends, wenn meine kleine Düse im Bett ist. Der Grund: ich hab Urlaub. Urlaub? Du bist Mama. Den gibts nicht. Genau so wenig wie Wochenende.
Ja, das geht. Ich habe 45h Urlaub vom Mamasein.
Mein Mann hat ein Abenteuer vorgeschlagen, für einen Arbeitstermin in Vorarlberg einen Zwischenstop bei seiner Zillertaler Familie einzulegen, dort zwei Nächte zu bleiben UND unseren Sohn mit zu Oma zu nehmen. Bumm! Kennt ihr das, wenn Herz und Kopf irgendwie verschwimmen und zu allem irgendwie "JA, bitte" und gleichzeitig "NEIN, auf keinen Fall" sagen? Beide wustten, dass es a) gut tun würde und b) übehaupt kein Problem werden würde, da unser Sohnemann die Abwechslung, das Tületü der dortigen Verwandten und die tollen Ausflüge zum Familien-Bauernhof lieben würde. Was aber einer Mama dann so durch den Kopf geht lässt sich ungefähr so darstellen:
Hmmmmm.Wäre schon toll.Irgendwie.So richtig.Was ich da alles machen könnte.So nur mit mir.ABER MEIN BAAAAABYYYYY!Wenn er das Trauma seines Lebens bekommt, weil er aufwacht und KEINER, weder Mama oder Papa da sein werden (1x).Und sie wissen doch seine Gewohnheiten nicht. Und er braucht doch dies Ritual und den Ablauf.Und wenn sie nicht auf ihn eingehen.UND WENN ER MICH VERMISST UND ICH SO WEIT WEG BIN.Und wenn er mir das nie verzeihen wird, dass ich ihn in Stich gelassen habe.Und er dann eine Bindungsstörung bekommt und später kriminell wird.Und wie wird er schlafen?Er schläft doch so unruhig.aber schön wärs schon...so ganz alleine...so nur für mich...rumhängen, alles stehen und liegen lassen, nix in Sicherheit vor Babyzilla bringen müssen...hmmm...in die Stadt fahren....shoppen...mmmhmmm..ABER MEIN BABYYYYY...
Ich denke, man merkt - schwierige Sache so eine Entscheidung. Mein Mann organisierte und regelte alles immer mit dem Beisatz "aber wir behalten uns Planänderungen vor, da sich Miri emotional noch nicht entscheiden hat". Es fiel mir tatsächlich leichter, dass ich nicht gleich voller Enthusiasmus bzw. Verstörung "JA, unbedingt" bzw. Nein, auf keinen Fall!" gesagt habe. Ein "Jein...!!??" half mir mich nicht als allzu schlechte Mutter zu fühlen, die ihr Kind in die Fremde schickt.
Der Tag rückte näher und ich fing zu planen an, was ich mit meiner freien Zeit anstellen könnte. Also war die Sache spätestens da entschieden, wo ich den Kram meines kleinen Wildlings zusammenpackte. Solch 45h müssen schon gut geplant sein. Für Mama vor allem. Damit sie nicht weint. Also - ein ablenkender, unterhaltsamer, aber nicht zu intensiver, gechillter Ich-darf-wiedermal-nur-ich-sein-Plan musste her.
Der Abschied überrumpelte mich dann aber dennoch, nachdem der Vormittag, wie auch schon der Abend davor, nahezu idyllisch im Wissen, der nahenden kurzen Trennung, verlief. Ich legte so viel fürsorgliche, bindungsorientierte, pädagogisch wertvolle, mütterliche Liebe in unser gemeinsames Waschen, Jausnen und Spielen, wie selten zuvor. Innerlich mein Herz betankend und loslösend.
Dann war es soweit, ich merkte, wie ich es etwas hinauszögern wollte, dass ich ihn ins Auto setze. Beim Abschied musste ich mir ein, zwei Tränchen verkneifen, da der Herr Papa mich etwas belächelnd, aber natürlich total verständnisvoll beobachtete. Mein Sohn verhielt sich, freudig aufgeregt dem Ausflug hineifernd so als würde er sich denken: "Was hat denn die Alte? Dieses ewige Geschmuse und Gedrücke nervt enorm!" Man muss dazu sagen, dass mein Sohn kein besonders starkes Bedürfnis nach extra Kuscheleinheiten hat und einfach am liebsten ständig rumwuseln möchte, ohne durch Umarmungen eingeschränkt zu werden.
Und dann stand ich da...so erschreckend frei. Und was macht man, wenn man so frei ist? Man bringt erstmal die Wohnung in Ordnung. HA! Aber diesmal, lass ich alle Türen offen stehen, befinde mich im Staubsaugtechnischen Fluss, statt im Stop and Go mit Kleinkind! Kurz darauf war ausgemacht, dass von meinen Schwä(gerinundSchwe)stern abgeholt werde, damit wir Erdbeeren pflücken gehen. Eine weitere Stunde um. Danach nahm ich mir die Zeit, die Erdbeeren verarbeitungsbereit zu verstauen - so total hausfräulich. Ja klar, die meisten Mamas machen das mit links während sie Blaubeerengelee machen, ihr Getreide mahlen, die Hecke schneiden und den Garten bepflanzen. Ich kanns nicht. Vielleicht weil ihre Kinder mal in der Sandkiste sitzen und Sandmenüs zaubern oder ungekochte Nudeln von einer Schüssel in die andere schütten. Meiner machts nicht. Meiner saust herum, ständig und ohne Ruh, zerlegt, reißt herunter, quakt, wühlt, matscht, nimmt in den Mund...tjo.
Gibt es unter meinen LeserInnen auch einige, die so wie ich sich auch meistens, wenn sie "altersgerechte" Tips oder altersspezifische Qualifiaktionslisten in Erziehungsratgebern sehen, denken: Also MEIN Kind macht/kann/will/tut DAS nicht ? Naja, andere Geschichte. Ich war ja bei meinen Erdbeeren. Danach kam meine BFF zum Chillen, dann haben wir uns Flammkuchen, einen low carb einen mit carb gemacht. Tja, was man halt so macht.
Gegen Abend hin hatte ich eine Art Phantom-Schmerz und hörte immerzu das Babyphone rauschen, obwohl weder Baby noch Babyphone im Haus waren. Beflügelt durch mein "so-tun-als-hätte-man-noch-kein-Kind" wurde lauter gesprochen, Türen lässig ins Schloss fallen gelassen, durch den Hausgang gestapft, Licht eingeschaltet, Türschlösser beherzt umgedreht, Zeug herumliegen gelassen (auch Scheren und Messer!!) und unnötig getönt.Großartiges Gefühl. Einen großen Fehler beging ich, ich ging in das leere Zimmer und stellte fest, wie mein Söhnchen doch wundervoll duftet und dieser Duft sogar in seinem leeren Zimmer schwebte. O o o o o, da musste ich kurz den Geschmack der Sehnsucht und des Verlassenwerdens herunterschlucken. Es klappte.
Ich stellte mich auf meine erste durchschlafene Nacht seit ca. 20 Monaten (inkl. Schwangerschaft) ein. Sie dauerte bis 3 Uhr, danach bis um 6 Uhr und um halb 9 prügelten mich die Rückenschmerzen vom Liegen aus den Federn.
Am nächsten Tag war shoppen geplant. Mit dem Zug in die Stadt, mit einer Freundin treffen - bummeln. So wie in meiner Zeit als Studentin. Es war herrlich, als hätte es nie aufgehört. Mit der einzigen Veränderung, dass mir beim Anblick kleiner Kinder und Babys ein innerliches Seufzen entfleuchte und die Hälfte der geshoppten Beute Mini-Klamotten waren. Aber sonst - wie immer.
Zuhause angekommen, tat ich NICHTS. Und das auf der Couch. Allein. Danach trieb mich das schlechte Gewissen, aufgrund der wenigen Sonnentage bei uns, in den Garten, um dort NICHTS zu tun. Der Abend liegt noch vor mir, er ist noch jung. Heute.
Ich habe keine Verantwortung, keine Verpflichtung, keine innere Unruhe, noch etwas erledigen zu müssen. Ich bin nur für mich da. UND ich genieße es. In vollen Zügen. Darf man das als Mama überhaupt so sagen? Nein, auf keinen Fall. Ich kann doch ohne mein Kind nicht! Also, ich kann. Ein paar Tage kann ich das sehr gut. Aber als Mama will man doch sein altes Leben gar nicht mehr. Doch. Manchmal schon. Und mal kurz Urlaub in dieses alte Leben zu machen, um ein bisschen auf zu tanken, ist möglich und angenehm.
Und Morgen? Da schlaf ich aus und freue mich wie ein verliebter Teenager auf meine zwei Männer und werde voller Hingabe und Energie wieder Mama sein. Ich werde ihn knuddeln, er wird schnell das Weite suchen, weils doch so viel andere wichtige und interessante Sachen zu tun und zu entdecken gibt und ich werde ihm zuhören, was er so zu erzählen hat von den "mumumuuuhs" und den "wauwauwaus" und der "Ama" und dem Apo" und ganz viel "gugglguggl". Hach, wie ich mich auf meinen kleinen Hasen freue...
Und auf meine nächsten 45h Urlaub - irgendwann mal wieder ;)
Ja, das geht. Ich habe 45h Urlaub vom Mamasein.
Mein Mann hat ein Abenteuer vorgeschlagen, für einen Arbeitstermin in Vorarlberg einen Zwischenstop bei seiner Zillertaler Familie einzulegen, dort zwei Nächte zu bleiben UND unseren Sohn mit zu Oma zu nehmen. Bumm! Kennt ihr das, wenn Herz und Kopf irgendwie verschwimmen und zu allem irgendwie "JA, bitte" und gleichzeitig "NEIN, auf keinen Fall" sagen? Beide wustten, dass es a) gut tun würde und b) übehaupt kein Problem werden würde, da unser Sohnemann die Abwechslung, das Tületü der dortigen Verwandten und die tollen Ausflüge zum Familien-Bauernhof lieben würde. Was aber einer Mama dann so durch den Kopf geht lässt sich ungefähr so darstellen:
Hmmmmm.Wäre schon toll.Irgendwie.So richtig.Was ich da alles machen könnte.So nur mit mir.ABER MEIN BAAAAABYYYYY!Wenn er das Trauma seines Lebens bekommt, weil er aufwacht und KEINER, weder Mama oder Papa da sein werden (1x).Und sie wissen doch seine Gewohnheiten nicht. Und er braucht doch dies Ritual und den Ablauf.Und wenn sie nicht auf ihn eingehen.UND WENN ER MICH VERMISST UND ICH SO WEIT WEG BIN.Und wenn er mir das nie verzeihen wird, dass ich ihn in Stich gelassen habe.Und er dann eine Bindungsstörung bekommt und später kriminell wird.Und wie wird er schlafen?Er schläft doch so unruhig.aber schön wärs schon...so ganz alleine...so nur für mich...rumhängen, alles stehen und liegen lassen, nix in Sicherheit vor Babyzilla bringen müssen...hmmm...in die Stadt fahren....shoppen...mmmhmmm..ABER MEIN BABYYYYY...
Ich denke, man merkt - schwierige Sache so eine Entscheidung. Mein Mann organisierte und regelte alles immer mit dem Beisatz "aber wir behalten uns Planänderungen vor, da sich Miri emotional noch nicht entscheiden hat". Es fiel mir tatsächlich leichter, dass ich nicht gleich voller Enthusiasmus bzw. Verstörung "JA, unbedingt" bzw. Nein, auf keinen Fall!" gesagt habe. Ein "Jein...!!??" half mir mich nicht als allzu schlechte Mutter zu fühlen, die ihr Kind in die Fremde schickt.
Der Tag rückte näher und ich fing zu planen an, was ich mit meiner freien Zeit anstellen könnte. Also war die Sache spätestens da entschieden, wo ich den Kram meines kleinen Wildlings zusammenpackte. Solch 45h müssen schon gut geplant sein. Für Mama vor allem. Damit sie nicht weint. Also - ein ablenkender, unterhaltsamer, aber nicht zu intensiver, gechillter Ich-darf-wiedermal-nur-ich-sein-Plan musste her.
Der Abschied überrumpelte mich dann aber dennoch, nachdem der Vormittag, wie auch schon der Abend davor, nahezu idyllisch im Wissen, der nahenden kurzen Trennung, verlief. Ich legte so viel fürsorgliche, bindungsorientierte, pädagogisch wertvolle, mütterliche Liebe in unser gemeinsames Waschen, Jausnen und Spielen, wie selten zuvor. Innerlich mein Herz betankend und loslösend.
Dann war es soweit, ich merkte, wie ich es etwas hinauszögern wollte, dass ich ihn ins Auto setze. Beim Abschied musste ich mir ein, zwei Tränchen verkneifen, da der Herr Papa mich etwas belächelnd, aber natürlich total verständnisvoll beobachtete. Mein Sohn verhielt sich, freudig aufgeregt dem Ausflug hineifernd so als würde er sich denken: "Was hat denn die Alte? Dieses ewige Geschmuse und Gedrücke nervt enorm!" Man muss dazu sagen, dass mein Sohn kein besonders starkes Bedürfnis nach extra Kuscheleinheiten hat und einfach am liebsten ständig rumwuseln möchte, ohne durch Umarmungen eingeschränkt zu werden.
Und dann stand ich da...so erschreckend frei. Und was macht man, wenn man so frei ist? Man bringt erstmal die Wohnung in Ordnung. HA! Aber diesmal, lass ich alle Türen offen stehen, befinde mich im Staubsaugtechnischen Fluss, statt im Stop and Go mit Kleinkind! Kurz darauf war ausgemacht, dass von meinen Schwä(gerinundSchwe)stern abgeholt werde, damit wir Erdbeeren pflücken gehen. Eine weitere Stunde um. Danach nahm ich mir die Zeit, die Erdbeeren verarbeitungsbereit zu verstauen - so total hausfräulich. Ja klar, die meisten Mamas machen das mit links während sie Blaubeerengelee machen, ihr Getreide mahlen, die Hecke schneiden und den Garten bepflanzen. Ich kanns nicht. Vielleicht weil ihre Kinder mal in der Sandkiste sitzen und Sandmenüs zaubern oder ungekochte Nudeln von einer Schüssel in die andere schütten. Meiner machts nicht. Meiner saust herum, ständig und ohne Ruh, zerlegt, reißt herunter, quakt, wühlt, matscht, nimmt in den Mund...tjo.
Gibt es unter meinen LeserInnen auch einige, die so wie ich sich auch meistens, wenn sie "altersgerechte" Tips oder altersspezifische Qualifiaktionslisten in Erziehungsratgebern sehen, denken: Also MEIN Kind macht/kann/will/tut DAS nicht ? Naja, andere Geschichte. Ich war ja bei meinen Erdbeeren. Danach kam meine BFF zum Chillen, dann haben wir uns Flammkuchen, einen low carb einen mit carb gemacht. Tja, was man halt so macht.
Gegen Abend hin hatte ich eine Art Phantom-Schmerz und hörte immerzu das Babyphone rauschen, obwohl weder Baby noch Babyphone im Haus waren. Beflügelt durch mein "so-tun-als-hätte-man-noch-kein-Kind" wurde lauter gesprochen, Türen lässig ins Schloss fallen gelassen, durch den Hausgang gestapft, Licht eingeschaltet, Türschlösser beherzt umgedreht, Zeug herumliegen gelassen (auch Scheren und Messer!!) und unnötig getönt.Großartiges Gefühl. Einen großen Fehler beging ich, ich ging in das leere Zimmer und stellte fest, wie mein Söhnchen doch wundervoll duftet und dieser Duft sogar in seinem leeren Zimmer schwebte. O o o o o, da musste ich kurz den Geschmack der Sehnsucht und des Verlassenwerdens herunterschlucken. Es klappte.
Ich stellte mich auf meine erste durchschlafene Nacht seit ca. 20 Monaten (inkl. Schwangerschaft) ein. Sie dauerte bis 3 Uhr, danach bis um 6 Uhr und um halb 9 prügelten mich die Rückenschmerzen vom Liegen aus den Federn.
Am nächsten Tag war shoppen geplant. Mit dem Zug in die Stadt, mit einer Freundin treffen - bummeln. So wie in meiner Zeit als Studentin. Es war herrlich, als hätte es nie aufgehört. Mit der einzigen Veränderung, dass mir beim Anblick kleiner Kinder und Babys ein innerliches Seufzen entfleuchte und die Hälfte der geshoppten Beute Mini-Klamotten waren. Aber sonst - wie immer.
Zuhause angekommen, tat ich NICHTS. Und das auf der Couch. Allein. Danach trieb mich das schlechte Gewissen, aufgrund der wenigen Sonnentage bei uns, in den Garten, um dort NICHTS zu tun. Der Abend liegt noch vor mir, er ist noch jung. Heute.
Ich habe keine Verantwortung, keine Verpflichtung, keine innere Unruhe, noch etwas erledigen zu müssen. Ich bin nur für mich da. UND ich genieße es. In vollen Zügen. Darf man das als Mama überhaupt so sagen? Nein, auf keinen Fall. Ich kann doch ohne mein Kind nicht! Also, ich kann. Ein paar Tage kann ich das sehr gut. Aber als Mama will man doch sein altes Leben gar nicht mehr. Doch. Manchmal schon. Und mal kurz Urlaub in dieses alte Leben zu machen, um ein bisschen auf zu tanken, ist möglich und angenehm.
Und Morgen? Da schlaf ich aus und freue mich wie ein verliebter Teenager auf meine zwei Männer und werde voller Hingabe und Energie wieder Mama sein. Ich werde ihn knuddeln, er wird schnell das Weite suchen, weils doch so viel andere wichtige und interessante Sachen zu tun und zu entdecken gibt und ich werde ihm zuhören, was er so zu erzählen hat von den "mumumuuuhs" und den "wauwauwaus" und der "Ama" und dem Apo" und ganz viel "gugglguggl". Hach, wie ich mich auf meinen kleinen Hasen freue...
Und auf meine nächsten 45h Urlaub - irgendwann mal wieder ;)
26. April 2016
Von der Freiheit leerer Fensterbänke...
Als ich neulich meiner Freundin mit Glanz in den Augen erzählte, dass mein Mann und ich ein gemütliches Frühstück in einem tollen Café (the bakery by Didi Maier) genießen konnten, während sich unser seit einer Woche endgültig zweibeiniger Sohn in der Spielecke vergnügte und fröhlich glucksend sein Terrain entdeckte, stellte diese etwas verdutzt über meine Euphorie (wohl, weil noch kinderlos) fest: Wenn man Kinder bekommt, wird den Eltern irgendwie mit dem Tag ihrer Geburt jede persönliche Freiheit geraubt und dann Stück für Stück wieder zurück gegeben. Das klingt vielleicht etwas ernüchternd und so gar nicht rosig. Aber irgendwie hat sie halt echt Recht damit. Wenn ich jetzt sage, dass aber genau diese kleinen Freiheiten, die man wiedergewinnt um so viel schöner sind, weil sie viel bewusster wahrgenommen werden, dann macht das Mamas und Papas to be wahrscheinlich auch nicht viel mehr Mut. Naja, was solls, ist ja auch mein Blog - und ich genieße diese kleinen wiederkehrenden Freiheiten. Viele Kleinigkeiten haben dann so einen Touch erstes-Mal-feeling. Liegt vielleicht auch daran, dass es ja das erste Mal ist. Klar war ich schon oft mit meinem Mann nett frühstücken. Aber noch nie als Mama mit meinem Mann, der jetzt der Papa meines Sohnes ist, welcher (also der Sohn, nicht der Papa) sich dabei ganz alleine, auf zwei Beinen stehend, in der Spielecke beschäftigt und immer mal wieder vorbei kommt, um sich einen Bissen seines Bio-Dattel-Zimt-allesnurnichtWeizen-undwasweißich-Keks zu holen. Das erste Mal eben.
Apropos, Freiheit und so. In jeder zweiten gratis Drogeriezeitschrift kann man davon lesen, wie befreiend es sein soll, wenn man sich von unnötigem Ballast löst. Mein Sohn ermutigt mich gerade wie nie zuvor dazu, Ballast abzuwerfen und sich von Unnötigem zu trennen. Nämlich von Dingen. Dingen auf Fensterbänken. Und Schränken. Dekokram, Blumentöpfe, Vorratsbehälter, Bücher - alles was so in 86cm + Kleinkindarmlänge + Go-go-gadgeto-Kleinkinderfinger Höhe erreichbar ist und mit Sicherheit von dort angegrabscht und zu Fall gebracht wird und dann entweder in wilden Mama-Schreckszenarien entweder Babys Kopf oder den schönen Parkett kaputt machen - beides NICHT GUT, GAR NICHT GUT.
Zweibeinigkeit ist im Allgemeinen sehr praktisch. Ich kann nun mein Kind abstellen, einfach so. Es hat Schuhe an und die sind für dreckige Untergründe gemacht. Und wenn man dann das Kind kurz abstellt, bleibt es stehen (bzw. watschelt natürlich sofort los). Toll. Tolle Funktion. Toll ist auch, dass zwei Beine so viel leiser sind, wie vier. Bubi kann sich nun viel besser irgendwohin schleichen und das tun, was im Moment sein Job ist - Dinge erforschen, anders gesagt, Quatsch machen, Tuben ausdrücken und den Inhalt verteilen, Gegenstände auf Geschmack und Konsistenz testen, Zimmer verwüsten, usw.
Falls jemand "The walking dead" kennt - ich hab jetzt so eine Reality-Show Version "the walking living" bei mir Zuhause. Man stelle sich ein entzückendes zwergähnliches Menschlein, mit leichtem Hohlkreuz, Windelpopo und tapsigen Watschelfüßchen vor, welches unentwegt in der Wohnung umher wandert und sich an seiner neuen Fähigkeit mit einem begeisterten "gugglgugglguggl" erfreut.
Wie man ja aus der Entwicklungspsychologie weiß, hängen die motorische Entwicklung und die geistige Entwicklung eng zusammen. Was sich natürlich auch bei Mini-Funky zeigt. Seine Welt hat sich enorm vergrößert, die Grenzen seiner Mobilität und seiner Kreativität erweitert. Da Wollen und Können momentan nicht kongruent sind, sind sein tägliches Patrouillieren, von einem unangenehmen (für das Umfeld) Suder-Motz-Dauerton der Unzufriedenheit begleitet. Es ist aber auch verständlich, das kann schon mal frustrieren. Mit Frust umzugehen müssen wir beide gerade täglich, stündlich und minütlich lernen. Ob es bei mir das gefühlt 356.981ste "Neiiiin!?" ist, während Sohnemann frech grinsend das 356.981ste Mal die Stehlampe umreißt oder wenn ich es nicht zulassen kann, dass er das fünfte Taschentuch aufisst - wir lernen jeden Tag mit unserem Frust umzugehen. Bis wir uns irgendwo einigen - bei leeren Fensterbänken zum Beispiel.
Apropos, Freiheit und so. In jeder zweiten gratis Drogeriezeitschrift kann man davon lesen, wie befreiend es sein soll, wenn man sich von unnötigem Ballast löst. Mein Sohn ermutigt mich gerade wie nie zuvor dazu, Ballast abzuwerfen und sich von Unnötigem zu trennen. Nämlich von Dingen. Dingen auf Fensterbänken. Und Schränken. Dekokram, Blumentöpfe, Vorratsbehälter, Bücher - alles was so in 86cm + Kleinkindarmlänge + Go-go-gadgeto-Kleinkinderfinger Höhe erreichbar ist und mit Sicherheit von dort angegrabscht und zu Fall gebracht wird und dann entweder in wilden Mama-Schreckszenarien entweder Babys Kopf oder den schönen Parkett kaputt machen - beides NICHT GUT, GAR NICHT GUT.
Zweibeinigkeit ist im Allgemeinen sehr praktisch. Ich kann nun mein Kind abstellen, einfach so. Es hat Schuhe an und die sind für dreckige Untergründe gemacht. Und wenn man dann das Kind kurz abstellt, bleibt es stehen (bzw. watschelt natürlich sofort los). Toll. Tolle Funktion. Toll ist auch, dass zwei Beine so viel leiser sind, wie vier. Bubi kann sich nun viel besser irgendwohin schleichen und das tun, was im Moment sein Job ist - Dinge erforschen, anders gesagt, Quatsch machen, Tuben ausdrücken und den Inhalt verteilen, Gegenstände auf Geschmack und Konsistenz testen, Zimmer verwüsten, usw.
Falls jemand "The walking dead" kennt - ich hab jetzt so eine Reality-Show Version "the walking living" bei mir Zuhause. Man stelle sich ein entzückendes zwergähnliches Menschlein, mit leichtem Hohlkreuz, Windelpopo und tapsigen Watschelfüßchen vor, welches unentwegt in der Wohnung umher wandert und sich an seiner neuen Fähigkeit mit einem begeisterten "gugglgugglguggl" erfreut.
Wie man ja aus der Entwicklungspsychologie weiß, hängen die motorische Entwicklung und die geistige Entwicklung eng zusammen. Was sich natürlich auch bei Mini-Funky zeigt. Seine Welt hat sich enorm vergrößert, die Grenzen seiner Mobilität und seiner Kreativität erweitert. Da Wollen und Können momentan nicht kongruent sind, sind sein tägliches Patrouillieren, von einem unangenehmen (für das Umfeld) Suder-Motz-Dauerton der Unzufriedenheit begleitet. Es ist aber auch verständlich, das kann schon mal frustrieren. Mit Frust umzugehen müssen wir beide gerade täglich, stündlich und minütlich lernen. Ob es bei mir das gefühlt 356.981ste "Neiiiin!?" ist, während Sohnemann frech grinsend das 356.981ste Mal die Stehlampe umreißt oder wenn ich es nicht zulassen kann, dass er das fünfte Taschentuch aufisst - wir lernen jeden Tag mit unserem Frust umzugehen. Bis wir uns irgendwo einigen - bei leeren Fensterbänken zum Beispiel.
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| Foto by Doris Heinrich Photography |
23. März 2016
One of those days...
...schrieb neulich eine Freundin und ebenso wie ich Jungmama aus Holland unter einen Post auf Facebook, der folgendermaßen lautete:
"Drei Stunden Nacht. Dauerplärrendes, quäkendes, jammerndes, völlig übermüdetes Kleinkind. Fünf Sorten Gemüse geschnibbelt. Essen verbrannt. Kleinkind in den Schlaf gestreichelt trotz hochakuter Mama-Aggression. Zitternd verbranntes Essen runtergewürgt. Sind ja so gesund, die vielen Vitamine. groß.artig!"
Auf diese Episoden, die sich nachts und dem darauf folgenden Vormittag abspielten folgte am Nachmittag ein Sturz, die Treppe hinab, auf den Allerwertesten bzw. die darunterliegenden Knochen, die ansonsten sehr gut verpackt sind, sowie auf meinen Ellenbogen - aber nicht bloß so, sondern auf den Nerv, den wir hier liebevoll und ebenso treffend das "narrische Boandl" nennen. Danach fühlte ich mich für 30 Sekunden wie auf einem Drogentrip, jammerte vor mich hin bis ich langsam wieder alle Sinne beisammen hatte. Konnte meinen Arm daraufhin für gut eine Stunde nicht richtig spüren. Achja und zu meinem Glück hatte ich eine Schale Erdbeeren mit Joghurt in der Hand - oder dann halt eben auf Teppich, Treppe, Hose und Shirt.
Einer dieser Tage eben.
Es gibt sie, diese Tage. So wie die meisten Liebeslieder von Trennungen oder unglücklicher Liebe inspiriert sind, entstehen auch meine Posts irgendwie immer, wenns grad nicht prickelnd läuft. Sieht man es in Summe weckt das hoffentlich keinen falschen Eindruck. Wie auch bei den dramatisch, romantischen, sehnsuchtsvollen Liebeslieder - es sind immer noch Liebeslieder. Und die Liebe wird ja bekanntlich so oft besungen, weil sie das/der großartigste, umwerfendste, genialste, größte Gefühl/Zustand überhaupt ist - und weil es dort wo das hellste Licht scheint eben auch den dunkelsten Schatten gibt. So ist das beim Muttersein ebenfalls.
Diese Tage eben. Die einen, die besch...eiden anfangen und du beim ersten Heulen, um 10 vor 6 weißt: "not. my. day!" Dann ist Sand im Getriebe, dann reiben wir uns, mein Söhnchen und ich. Da bin ich sofort auf 180 und mein Sohn tritt noch mal aufs Gas. Da ist miese Laune und es läuft nicht nur eine Laus über meine Leber, sondern ein 11kg Kleinkind stolpert darüber. Da ist Kuscheln eher Wresteln, Wickeln eher die Packstation beim Metzger, Spielen NICHT LUSTIG und Essen wird zur negativ-aggressiv inspirierten Aktionskunst. Dann bleibt dir nur noch die Hoffnung auf den Feierabend, dann wenn dein Gegner, äh Kind, im Bett ist, die Hausarbeit getan, das workout hinter sich gebracht, der diszipliniert umgangene Schokoladenamok umgangen ist und man merkt, dass es 22 Uhr ist und du deine viertel Stunde pure, faule, anspruchslose Existenz feierst. Gefolgt wird das Ganze von einem 2-stündigen Einschlafkampf mit dir selber, in dem du grübelst, ob es vielleicht doch besser für alle beteilgten Parteien wäre, wenn dein Kind ein Einzelkind bleiben würde und man in angespannter Furcht vor dem mitternächtlichen (hoffentlich) ersten Erwachen des Kindes völlig erschöpft und todmüde kein Auge zumachen kann. Diese Tage eben.
Und dann gibt es die Tage, an dem du merkst, dass du ganze 6 Stunden durchgeschlafen hast und von einem fröhlichen Gebrabbel aufegweckt wirst. Erholt und super gelaunt eine Portion Guten-Morgen-Gekuschel mit Maxi-Baby genießt, der weicher und kuscheliger und schnuckeliger und googglgoggl (Wortneuschöpfung meines Sohnes für einfach ALLES) nicht sein könnte. Und in heiterer, entspannter Atmosphäre den Tag gut gelaunt beginnst, mit einer Portion Kitzeln und in-den-Bauch-Prusten am Wickeltisch und einem lockeren, geselligen gemeinsamen Brunch. Als Krönung findest du dich dann noch zu Bi-Ba-Butzemann tanzend im Wohnzimmer, nachdem du MIT spielenden Kind noch ein paar Bauchübungen machen konntest. Läuft würde ich sagen.
Diese Tage eben...die gibts auch. Und in meinem Fall (den man erhält, wenn DU im Text, dass "man" durch ICH ersetzst) fanden diese zwei Tage, einer Schatten, einer Licht, an zwei aufeinanderfolgenden Tage statt. Also, Hoffnung nie aufgeben und nicht zuviel erwarten, denn der nächste Tag kann dir one of these days bringen...so oder so. So halt.
"Drei Stunden Nacht. Dauerplärrendes, quäkendes, jammerndes, völlig übermüdetes Kleinkind. Fünf Sorten Gemüse geschnibbelt. Essen verbrannt. Kleinkind in den Schlaf gestreichelt trotz hochakuter Mama-Aggression. Zitternd verbranntes Essen runtergewürgt. Sind ja so gesund, die vielen Vitamine. groß.artig!"
Auf diese Episoden, die sich nachts und dem darauf folgenden Vormittag abspielten folgte am Nachmittag ein Sturz, die Treppe hinab, auf den Allerwertesten bzw. die darunterliegenden Knochen, die ansonsten sehr gut verpackt sind, sowie auf meinen Ellenbogen - aber nicht bloß so, sondern auf den Nerv, den wir hier liebevoll und ebenso treffend das "narrische Boandl" nennen. Danach fühlte ich mich für 30 Sekunden wie auf einem Drogentrip, jammerte vor mich hin bis ich langsam wieder alle Sinne beisammen hatte. Konnte meinen Arm daraufhin für gut eine Stunde nicht richtig spüren. Achja und zu meinem Glück hatte ich eine Schale Erdbeeren mit Joghurt in der Hand - oder dann halt eben auf Teppich, Treppe, Hose und Shirt.
Einer dieser Tage eben.
Es gibt sie, diese Tage. So wie die meisten Liebeslieder von Trennungen oder unglücklicher Liebe inspiriert sind, entstehen auch meine Posts irgendwie immer, wenns grad nicht prickelnd läuft. Sieht man es in Summe weckt das hoffentlich keinen falschen Eindruck. Wie auch bei den dramatisch, romantischen, sehnsuchtsvollen Liebeslieder - es sind immer noch Liebeslieder. Und die Liebe wird ja bekanntlich so oft besungen, weil sie das/der großartigste, umwerfendste, genialste, größte Gefühl/Zustand überhaupt ist - und weil es dort wo das hellste Licht scheint eben auch den dunkelsten Schatten gibt. So ist das beim Muttersein ebenfalls.
Diese Tage eben. Die einen, die besch...eiden anfangen und du beim ersten Heulen, um 10 vor 6 weißt: "not. my. day!" Dann ist Sand im Getriebe, dann reiben wir uns, mein Söhnchen und ich. Da bin ich sofort auf 180 und mein Sohn tritt noch mal aufs Gas. Da ist miese Laune und es läuft nicht nur eine Laus über meine Leber, sondern ein 11kg Kleinkind stolpert darüber. Da ist Kuscheln eher Wresteln, Wickeln eher die Packstation beim Metzger, Spielen NICHT LUSTIG und Essen wird zur negativ-aggressiv inspirierten Aktionskunst. Dann bleibt dir nur noch die Hoffnung auf den Feierabend, dann wenn dein Gegner, äh Kind, im Bett ist, die Hausarbeit getan, das workout hinter sich gebracht, der diszipliniert umgangene Schokoladenamok umgangen ist und man merkt, dass es 22 Uhr ist und du deine viertel Stunde pure, faule, anspruchslose Existenz feierst. Gefolgt wird das Ganze von einem 2-stündigen Einschlafkampf mit dir selber, in dem du grübelst, ob es vielleicht doch besser für alle beteilgten Parteien wäre, wenn dein Kind ein Einzelkind bleiben würde und man in angespannter Furcht vor dem mitternächtlichen (hoffentlich) ersten Erwachen des Kindes völlig erschöpft und todmüde kein Auge zumachen kann. Diese Tage eben.
Und dann gibt es die Tage, an dem du merkst, dass du ganze 6 Stunden durchgeschlafen hast und von einem fröhlichen Gebrabbel aufegweckt wirst. Erholt und super gelaunt eine Portion Guten-Morgen-Gekuschel mit Maxi-Baby genießt, der weicher und kuscheliger und schnuckeliger und googglgoggl (Wortneuschöpfung meines Sohnes für einfach ALLES) nicht sein könnte. Und in heiterer, entspannter Atmosphäre den Tag gut gelaunt beginnst, mit einer Portion Kitzeln und in-den-Bauch-Prusten am Wickeltisch und einem lockeren, geselligen gemeinsamen Brunch. Als Krönung findest du dich dann noch zu Bi-Ba-Butzemann tanzend im Wohnzimmer, nachdem du MIT spielenden Kind noch ein paar Bauchübungen machen konntest. Läuft würde ich sagen.
Diese Tage eben...die gibts auch. Und in meinem Fall (den man erhält, wenn DU im Text, dass "man" durch ICH ersetzst) fanden diese zwei Tage, einer Schatten, einer Licht, an zwei aufeinanderfolgenden Tage statt. Also, Hoffnung nie aufgeben und nicht zuviel erwarten, denn der nächste Tag kann dir one of these days bringen...so oder so. So halt.
1. März 2016
Über miese Laune...
Es ist mehr als ein Monat vergangen seit dem letzen Post - aber das doch auch nur weils der Februar ist, der macht uns mit seinem Sparprogramm (nimm 31, zahl 29) vor, dass ein Monat noch viel schneller vorbei geht. Ok, das war eine Ausrede - es gab einfach keine Zeit, keine Ideen und vor allem keine Lust etwas zu schreiben.
Man merkt schon, miese Laune liegt in der Luft. Irgendwie ist mir momentan nicht so nach...allem. Kein-Bock-Monate sozusagen. Es gibt ein paar Glanztage, meistens am Wochenende und es gibt ganz besonders üble. Aber alles in allem ist bei mir grad eher so miese Laune angesagt. Wieso? Keine Ahnung. Mein Söhnchen ist anstrengend. Kleinkind halt. Seine Entdeckungsreisen sind für mich dann in etwa so wie der doofe Stein, den der Sisyphos den Berg raufrollen "wollen sollte". Schublade auf, Saustall raus, Saustall rein räumen, nächste Schublade auf, Saustall raus, Saustall wieder rein räumen and so on...wobei ich ja sagen muss beim Ausräumen unserer Schubladen habe ich schon große Toleranz entwickelt und alles andere hat eine hässliche IKEA-Kindersicherung. Hohe Toleranz deshalb, weil WENN er Schubladen ausräumt bedeutet das, dass er spielt! Allein. Und das bestimmt für ganze 15-30 Sekunden! Das ist Gold wert. Denn in dieser Zeit kann man eine Menge erledigen, bevor Sohnemann wieder daran denkt, dass ALLES was Mama macht viel cooler ist als sämtliches Spielzeug, dass zum Angebot steht. Achja und dann gibt es natürlich noch einen Küchenschrank, der sich nicht kindersicher verschließen lässt, der im Eck mit den schweren Töpfen, Pfannen, Glasdeckel, und allerlei anderen spitzen, kantigen, schweren, gläsernen, kaputtbaren und gefährdenden Dingen...dieser Küchenschrank ist unser Kriegsgebiet - jeder von uns hat seine Besitzansprüche darauf und die werden mit allen Mitteln verteidigt. Während ich zu Gegendruck mit Oberschenkel, Knie oder anderen gerade freien Körperteilen und einigen ausdrucksstarken "NEIN!" greife, wenn psychologisch ausgeklügelte Täuschungs- und Ablenkmanöver nicht fruchten (tun sie nie), bedient sich mein werter Herr seiner Kernkompetenz in den Variationen quengeln, zu österreichisch noch treffeder ausgedrückt "bitzln" bis zu einem fragwürdigen Verzweiflungsakt des sich Hinsetzens, sich in der Körpermitte nach unten Klappens und den Kopf auf den Boden Wumsens. So verbringe ich also meine Vormittage damit diesen Küchenschrank zu verteidigen, meinem Sohn besser als jeder TV-Shop-Verkäufer seine Spielsachen schmackhaft zu machen und in den mir verbleibenden 15-30 Sekunden Eigenitiative meines Sohnes, welches ich durch 30minüiger Überzeugungsarbeit erreicht habe, eine(n) Kartoffel/Zwiebel/Kochtopf/Teil des Mittagessens zu schneiden/aufzusetzen/vorzubereiten. Im Endspurt meiner Essenszubereitung werde ich dann schließlich eine halbe bis dreiviertel Stunde von Geblöke, Geschimpfe und Gebitzle (Achtung österreisch) beschallt bis wir im Grande Finale völlig zermürbt, aber ebenso versöhnlich seelig am Küchentisch sitzen, während mein Prinz sein Mahl zu sich nimmt und gar frohlockt. Gut, die Seeligkeit führt dazu, dass ich mit einem übergroßen, zufriedenen, pauspäckigen Grinsen wohlwollend getätschelt werde. So als würde er sagen: "Bravissimo, meine Frau Mutter, es mundet gar vorzüglich." Hin und wieder wird mir sogar applaudiert. Großartiges Gefühl! Noch dazu folgt darauf der Mihiiiittttagsschlahaaaaf! Mittagsschlaf, dieses Wort ist Musik für meine Ohren. Nicht nur, dass ich einer der Kinder war, die es a) immer geliebt hat, Mittagsschlaf zu halten und b) nie damit aufgehört habe. Mittagsschlaf bedeutet, 1-2h Auszeit, Miri-Zeit, Ruhe, für sich selber denken, tun, sein...hmmmmmmm.
Nun ja, meine Lebenssituation macht mich keinesfalls traurig oder so. Sie macht mir nur gerade miese Laune und bereitet mir etwas Frust. Frust gepaart mit einem quängelnden Kleinkind, einem Mann, der gerade viel um die jobtechnischen Ohren hat UND Hormonen zwingen mich dann quasi fast in eine existentielle, und wenn nicht existentiell, dann bestimmt in eine Ehekrise. Bis ich dann herausfinde, dass es mit meinen Hormonen zu tun hat. Das Wissen schmälert dann zwar mein gegenwärtiges Gefühl nicht unbedingt, aber lässt mich hoffen, dass im Kern dann doch nicht alles ganz kurz vor dem totalen Zerbruch steht. Ja, aber wie sagt man so schön in der Mütter-Community: Es ist alles nur eine Phase, ase, ase, ase, ase...sorry musste meine Gedanken wieder aus der leeren Halle der belanglosen Phrasen sammeln.
Im Regelfall folgt an dieser Stelle, die zum Ende dieses Posts hinführen soll, eine Conclusio, eine Wendung, ein geistiger Abspann zum bildhaften, wortgewaltigen (#räusperräusper #Selbstlobstinkt #garnichtso) Hauptteil. Der wird aufgrund meiner Lustlosigkeit und miesen Laune diesmal aber ausbleiben. So schauts aus. Nächstes Mal wieder. Vielleicht. Man wird sehen. Hmpf.
Man merkt schon, miese Laune liegt in der Luft. Irgendwie ist mir momentan nicht so nach...allem. Kein-Bock-Monate sozusagen. Es gibt ein paar Glanztage, meistens am Wochenende und es gibt ganz besonders üble. Aber alles in allem ist bei mir grad eher so miese Laune angesagt. Wieso? Keine Ahnung. Mein Söhnchen ist anstrengend. Kleinkind halt. Seine Entdeckungsreisen sind für mich dann in etwa so wie der doofe Stein, den der Sisyphos den Berg raufrollen "wollen sollte". Schublade auf, Saustall raus, Saustall rein räumen, nächste Schublade auf, Saustall raus, Saustall wieder rein räumen and so on...wobei ich ja sagen muss beim Ausräumen unserer Schubladen habe ich schon große Toleranz entwickelt und alles andere hat eine hässliche IKEA-Kindersicherung. Hohe Toleranz deshalb, weil WENN er Schubladen ausräumt bedeutet das, dass er spielt! Allein. Und das bestimmt für ganze 15-30 Sekunden! Das ist Gold wert. Denn in dieser Zeit kann man eine Menge erledigen, bevor Sohnemann wieder daran denkt, dass ALLES was Mama macht viel cooler ist als sämtliches Spielzeug, dass zum Angebot steht. Achja und dann gibt es natürlich noch einen Küchenschrank, der sich nicht kindersicher verschließen lässt, der im Eck mit den schweren Töpfen, Pfannen, Glasdeckel, und allerlei anderen spitzen, kantigen, schweren, gläsernen, kaputtbaren und gefährdenden Dingen...dieser Küchenschrank ist unser Kriegsgebiet - jeder von uns hat seine Besitzansprüche darauf und die werden mit allen Mitteln verteidigt. Während ich zu Gegendruck mit Oberschenkel, Knie oder anderen gerade freien Körperteilen und einigen ausdrucksstarken "NEIN!" greife, wenn psychologisch ausgeklügelte Täuschungs- und Ablenkmanöver nicht fruchten (tun sie nie), bedient sich mein werter Herr seiner Kernkompetenz in den Variationen quengeln, zu österreichisch noch treffeder ausgedrückt "bitzln" bis zu einem fragwürdigen Verzweiflungsakt des sich Hinsetzens, sich in der Körpermitte nach unten Klappens und den Kopf auf den Boden Wumsens. So verbringe ich also meine Vormittage damit diesen Küchenschrank zu verteidigen, meinem Sohn besser als jeder TV-Shop-Verkäufer seine Spielsachen schmackhaft zu machen und in den mir verbleibenden 15-30 Sekunden Eigenitiative meines Sohnes, welches ich durch 30minüiger Überzeugungsarbeit erreicht habe, eine(n) Kartoffel/Zwiebel/Kochtopf/Teil des Mittagessens zu schneiden/aufzusetzen/vorzubereiten. Im Endspurt meiner Essenszubereitung werde ich dann schließlich eine halbe bis dreiviertel Stunde von Geblöke, Geschimpfe und Gebitzle (Achtung österreisch) beschallt bis wir im Grande Finale völlig zermürbt, aber ebenso versöhnlich seelig am Küchentisch sitzen, während mein Prinz sein Mahl zu sich nimmt und gar frohlockt. Gut, die Seeligkeit führt dazu, dass ich mit einem übergroßen, zufriedenen, pauspäckigen Grinsen wohlwollend getätschelt werde. So als würde er sagen: "Bravissimo, meine Frau Mutter, es mundet gar vorzüglich." Hin und wieder wird mir sogar applaudiert. Großartiges Gefühl! Noch dazu folgt darauf der Mihiiiittttagsschlahaaaaf! Mittagsschlaf, dieses Wort ist Musik für meine Ohren. Nicht nur, dass ich einer der Kinder war, die es a) immer geliebt hat, Mittagsschlaf zu halten und b) nie damit aufgehört habe. Mittagsschlaf bedeutet, 1-2h Auszeit, Miri-Zeit, Ruhe, für sich selber denken, tun, sein...hmmmmmmm.
Nun ja, meine Lebenssituation macht mich keinesfalls traurig oder so. Sie macht mir nur gerade miese Laune und bereitet mir etwas Frust. Frust gepaart mit einem quängelnden Kleinkind, einem Mann, der gerade viel um die jobtechnischen Ohren hat UND Hormonen zwingen mich dann quasi fast in eine existentielle, und wenn nicht existentiell, dann bestimmt in eine Ehekrise. Bis ich dann herausfinde, dass es mit meinen Hormonen zu tun hat. Das Wissen schmälert dann zwar mein gegenwärtiges Gefühl nicht unbedingt, aber lässt mich hoffen, dass im Kern dann doch nicht alles ganz kurz vor dem totalen Zerbruch steht. Ja, aber wie sagt man so schön in der Mütter-Community: Es ist alles nur eine Phase, ase, ase, ase, ase...sorry musste meine Gedanken wieder aus der leeren Halle der belanglosen Phrasen sammeln.
Im Regelfall folgt an dieser Stelle, die zum Ende dieses Posts hinführen soll, eine Conclusio, eine Wendung, ein geistiger Abspann zum bildhaften, wortgewaltigen (#räusperräusper #Selbstlobstinkt #garnichtso) Hauptteil. Der wird aufgrund meiner Lustlosigkeit und miesen Laune diesmal aber ausbleiben. So schauts aus. Nächstes Mal wieder. Vielleicht. Man wird sehen. Hmpf.
26. Januar 2016
Vom eins Werden...
Wir sind eins geworden. Also, mein Sohn und ich. Achso, nein, wir sind nicht nur ein superduper, symbiotisches Team, sondern wir sind das auch ein Jahr lang schon. Um diese Zeit vor einem Jahr lag ich in den Wehen, ohne Pause und wusste nicht was mit mir geschieht vor lauter (sehhhhhhr lauten) unsäglichen Schmerzen - wie das halt so totaaaal normal ist, wenn man ein Baby zur Welt bringt (bringen ist ja solch Untertreibung). Um 21:49 Uhr lag meine Würmchen auf meinem Bauch und sein bloßes Dasein war alles, was jemals gezählt hat. Die Welt stand still und muss sich in diesem heiligen Moment des Er-Scheinens meines Kindes im Kern irgendwie gedreht haben, denn ab da war alles anders.
Ein Jahr bin ich also schon Mama meines ersten geborenen Kindes (man ist es ja davor auch schon und eines meiner Babys darf ich einmal im Himmel kennen lernen). Ein Jahr lang habe ich euch an meinen alltäglich-einzigartigen Erlebnissen teilhaben lassen. Ich habe mir des öfteren darüber Gedanken gemacht, wie es sein wird, wenn dieses Jahr vorbei ist, dieses eine viel zu kurze Babyjahr. Wie wird sich das anfühlen? Anders? Wird sich etwas ändern? Werde ich sentimental Tränen der Nostalgie und der Erinnerungen über die ersten Fotos vergießen oder werde ich mir eine geistige "I survived-High-Five" klatschen? Sollte ich den Blog dann schließen? "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne"...und danach?
Jetzt bin ich an diesem Punkt angelangt und muss feststellen, dass sich alles ziemlich normal anfühlt. Sentimentalität und Stolz mischen sich zu einem bunten Farbenspiel der Gefühle, die mich in diesem vergangenen Jahr begleitet haben. Mein fester Entschluss, jede Minute so gut es geht von dieser kurzen Babyzeit zu genießen hat mich aber davor bewahrt heute völlig durch zu drehen. Ganz im Gegenteil - es überwiegt die Neugier und Vorfreude auf das was kommt, denn ich habe es ausgekostet, mein kleines Bündel zu wiegen, anzusehen, mit meiner Nase sein Gesicht zu streicheln, seinen Duft aufzusaugen, jede Bewegung zu beobachten und ihn sooft wie möglich zu küssen. Und im Grunde haben sich zu diesen Erfahrungen einfach nur gut 30cm, 6 kg, 8 Zähne und das Kichern, Krabbeln, Grabschen, Staunen, Quatschen und Krabbeln eines Baby-Kleinkind dazu gesellt. Alles andere mache ich noch immer, nur werde ich halt jetzt auch angesehen, beobachtet, angequatscht, ange"aiii"t und geknutscht. Und wenn du glaubst, dass das, was du an Schönem und Wunderbarem erlebst nicht zu überbieten sei, dann wachst du auf und siehst dein Baby heranwachsen und kannst nur noch staunen.
Seit Wochen mache ich mir nun wieder Gedanken über diesen Post. Sinnlos, da ich sowieso ein totaler Impuls-Schreiber bin. Ich hatte vor meine Erfahrungen des vergangenen Jahres in einige weise Punkte zusammen zu fassen. Vorgestellt hätte ich mir "12 Punkte fürs erste Babyjahr"...
Jetzt sitze ich hier vor einem inzwischen nicht mehr ganz leeren Blatt (ähm digitalen, weißen Blatt) und es kommt mir nur ein einziger Satz, mein Credo der Elternschaft, in den Sinn:
Lieben, Leben, Genießen, Erziehen. Versuche nicht jemand anderer zu sein, dich zu vergleichen oder jemanden nach zu eifern. Finde heraus, wer und wie du bist, wer und wie dein Kind ist und wer und wie deine Familie ist - und lebe! Ich glaube, dass gerade wir jungen Mamis uns viel zu viel vergleichen - ich tu es auf jeden Fall. Und sehr schnell ertappe ich mich dabei, dass ich mich als Versagerin fühle. Mein Mann weist mich immer mahnend darauf hin, wenn ich im halbernst, mich vor mir selbst entschuldigend sage: "ich weiß, ich bin jetzt eine schlechte Mama, aber..."
Zum Beispiel der erste Geburtstag. Ich war hin- und hergerissen zwischen "eiiigentlich sollte der Kleine doch nicht zuviel Zucker essen und Birthday-Boy-Mega-Themengeburtstagstorte backen". Also einigte ich mich mit mir auf Torte mit Zucker ist einfach zu super, aber bitte ohne Thema und ohne einen "wie verziere ich meine Überdrübertorte für Instagram und Facebook richtig-Kurs" belegen zu müssen. Also wurde es eine kleine Torte, mit simpler Marzipanverzierung. Für ein Facebook-Foto völlig ausreichend...dass sie meinen Sohn und die Gäste geschmacklich begeistert hat, war der Trost für meine vielen Tortenängste...noch einmal fürs Verständnis - es ging um TORTE! Und wenn meine Gedanken darum schon so einen Wirbel machen, kann man sich vorstellen, wie es sich mit anderen, vielleicht sogar wichtigeren Themen verhält.
Bullshit! Ich bin, wie ich bin. Und wir sind, wie wir sind.
Wir sind viel zu hause, wir lachen viel, wir küssen uns gerne, wir schlafen nicht gerne beieinander, wir schlafen unruhig, wir wollen uns frei bewegen und nicht so gern aneinander kleben, wir besuchen (noch) keine Babykurse, weil ICH es nicht mag, wir mögen Musik, hören aber nur ab und zu welche aus der Konserve, wir mögen Bücher, wir mögen Tiere und finden alles was weich und kuschelig ist super, wir lieben Menschen, wir teilen Aufgaben und Verantwortung als Eltern gleichermaßen und sind somit gleichgewichtete Bezugspersonen für meinen Sohn(was dem Mama-Ego manchmal ganz schon eins in die Magengegend verpasst hat), wir halten den Haushalt so ordentlich wie nötig, wir essen gerne, aber nicht ständig und auch Zucker, wir unterhalten uns gerne, wir singen, beten und segnen, wir sind laut und leise, wir sind wir. Wir machen´s auf unsere Weise.
Ja, ich denke, mit dieser, wenn auch nur einzigen, Erkenntnis kann ich zufrieden und neugierig in das bevorstehende Kleinkindalter starten - mit unserem Gepäck an Wir-Samkeit, die wir uns durch die Erfahrungen, die wir gemeinsam gemacht haben, erarbeitet und lieben gelernt haben.
Ich werde darüber berichten.
Ein Jahr bin ich also schon Mama meines ersten geborenen Kindes (man ist es ja davor auch schon und eines meiner Babys darf ich einmal im Himmel kennen lernen). Ein Jahr lang habe ich euch an meinen alltäglich-einzigartigen Erlebnissen teilhaben lassen. Ich habe mir des öfteren darüber Gedanken gemacht, wie es sein wird, wenn dieses Jahr vorbei ist, dieses eine viel zu kurze Babyjahr. Wie wird sich das anfühlen? Anders? Wird sich etwas ändern? Werde ich sentimental Tränen der Nostalgie und der Erinnerungen über die ersten Fotos vergießen oder werde ich mir eine geistige "I survived-High-Five" klatschen? Sollte ich den Blog dann schließen? "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne"...und danach?
Jetzt bin ich an diesem Punkt angelangt und muss feststellen, dass sich alles ziemlich normal anfühlt. Sentimentalität und Stolz mischen sich zu einem bunten Farbenspiel der Gefühle, die mich in diesem vergangenen Jahr begleitet haben. Mein fester Entschluss, jede Minute so gut es geht von dieser kurzen Babyzeit zu genießen hat mich aber davor bewahrt heute völlig durch zu drehen. Ganz im Gegenteil - es überwiegt die Neugier und Vorfreude auf das was kommt, denn ich habe es ausgekostet, mein kleines Bündel zu wiegen, anzusehen, mit meiner Nase sein Gesicht zu streicheln, seinen Duft aufzusaugen, jede Bewegung zu beobachten und ihn sooft wie möglich zu küssen. Und im Grunde haben sich zu diesen Erfahrungen einfach nur gut 30cm, 6 kg, 8 Zähne und das Kichern, Krabbeln, Grabschen, Staunen, Quatschen und Krabbeln eines Baby-Kleinkind dazu gesellt. Alles andere mache ich noch immer, nur werde ich halt jetzt auch angesehen, beobachtet, angequatscht, ange"aiii"t und geknutscht. Und wenn du glaubst, dass das, was du an Schönem und Wunderbarem erlebst nicht zu überbieten sei, dann wachst du auf und siehst dein Baby heranwachsen und kannst nur noch staunen.
Seit Wochen mache ich mir nun wieder Gedanken über diesen Post. Sinnlos, da ich sowieso ein totaler Impuls-Schreiber bin. Ich hatte vor meine Erfahrungen des vergangenen Jahres in einige weise Punkte zusammen zu fassen. Vorgestellt hätte ich mir "12 Punkte fürs erste Babyjahr"...
Jetzt sitze ich hier vor einem inzwischen nicht mehr ganz leeren Blatt (ähm digitalen, weißen Blatt) und es kommt mir nur ein einziger Satz, mein Credo der Elternschaft, in den Sinn:
"Do it your way!" Tut es auf eure Weise!
Lieben, Leben, Genießen, Erziehen. Versuche nicht jemand anderer zu sein, dich zu vergleichen oder jemanden nach zu eifern. Finde heraus, wer und wie du bist, wer und wie dein Kind ist und wer und wie deine Familie ist - und lebe! Ich glaube, dass gerade wir jungen Mamis uns viel zu viel vergleichen - ich tu es auf jeden Fall. Und sehr schnell ertappe ich mich dabei, dass ich mich als Versagerin fühle. Mein Mann weist mich immer mahnend darauf hin, wenn ich im halbernst, mich vor mir selbst entschuldigend sage: "ich weiß, ich bin jetzt eine schlechte Mama, aber..."
Zum Beispiel der erste Geburtstag. Ich war hin- und hergerissen zwischen "eiiigentlich sollte der Kleine doch nicht zuviel Zucker essen und Birthday-Boy-Mega-Themengeburtstagstorte backen". Also einigte ich mich mit mir auf Torte mit Zucker ist einfach zu super, aber bitte ohne Thema und ohne einen "wie verziere ich meine Überdrübertorte für Instagram und Facebook richtig-Kurs" belegen zu müssen. Also wurde es eine kleine Torte, mit simpler Marzipanverzierung. Für ein Facebook-Foto völlig ausreichend...dass sie meinen Sohn und die Gäste geschmacklich begeistert hat, war der Trost für meine vielen Tortenängste...noch einmal fürs Verständnis - es ging um TORTE! Und wenn meine Gedanken darum schon so einen Wirbel machen, kann man sich vorstellen, wie es sich mit anderen, vielleicht sogar wichtigeren Themen verhält.
Bullshit! Ich bin, wie ich bin. Und wir sind, wie wir sind.
Wir sind viel zu hause, wir lachen viel, wir küssen uns gerne, wir schlafen nicht gerne beieinander, wir schlafen unruhig, wir wollen uns frei bewegen und nicht so gern aneinander kleben, wir besuchen (noch) keine Babykurse, weil ICH es nicht mag, wir mögen Musik, hören aber nur ab und zu welche aus der Konserve, wir mögen Bücher, wir mögen Tiere und finden alles was weich und kuschelig ist super, wir lieben Menschen, wir teilen Aufgaben und Verantwortung als Eltern gleichermaßen und sind somit gleichgewichtete Bezugspersonen für meinen Sohn(was dem Mama-Ego manchmal ganz schon eins in die Magengegend verpasst hat), wir halten den Haushalt so ordentlich wie nötig, wir essen gerne, aber nicht ständig und auch Zucker, wir unterhalten uns gerne, wir singen, beten und segnen, wir sind laut und leise, wir sind wir. Wir machen´s auf unsere Weise.
Ja, ich denke, mit dieser, wenn auch nur einzigen, Erkenntnis kann ich zufrieden und neugierig in das bevorstehende Kleinkindalter starten - mit unserem Gepäck an Wir-Samkeit, die wir uns durch die Erfahrungen, die wir gemeinsam gemacht haben, erarbeitet und lieben gelernt haben.
Ich werde darüber berichten.
1. Januar 2016
Volle Kraft voraus!
Kennt ihr die unzähligen Serien, die in den schwammigen, namenlosen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester das Abendprogramm füllen? Rückblick hier, das Beste aus ... da, die 25 berührendsten Geschichten des Jahres dort. Ich mag manche von denen ganz gerne, ein Nachruf an das auslaufende Jahr mit seinen Weltereignissen sozusagen. Rückblicke sind gut. Bis zum 31. Dezember. Danach ist der 1. Tag des neuen Jahres. Dann will ich sie nicht mehr, denn ich finde, dann hatte das alte Jahr seine Chance, da muss man nicht mehr drauf rum reiten. Da ist das Zeitfenster für Rückblicke geschlossen. Da lese ich nicht mal gerne rückblickende Einträge auf Facebook. Gut, ich erstarre dabei nicht zur Salzsäule, aber ich kann am 1. Jänner des neuen Jahres keine Rückblicke mehr leiden. Jetzt ist es aber so, dass MEIN 2015 einen Rückblick geradezu verdient hat. Und da ich zu spät dran bin, breche ich alle meine Rückschau-Prinzipien und schau noch mal kurz zurück...
Dieses 2015 hatte global, weltpolitisch gesehen viele dunkle Kapitel, von denen die meisten noch nicht zu Ende geschrieben sind. Wenn ich recht überlege fällt mir eigentlich keine einzige positive Headline ein. Bestimmt gabs welche, aber so ist der Mensch, er merkt sich gute Dinge weniger gut. Außer es ist so gut, dass es das eigene Leben in ein völlig anderes Licht bringt. Das steht dann zwar in keiner Zeitung (außer man ist royaler Herkunft oder A, B, C oder K-Promi), aber verändert Einzelne und somit ein ganzes, kleines System.
Und rückblickend betrachtet schenkte mir 2015 genau das - mein Kind. Ein alltäglicher Ausdruck, tausende Male gesagt und gehört. Aber wenn man dann selber, so ganz persönlich und das erste Mal sagen kann "mein Kind" bedeutet es die Welt. 2015 war für mich also das Jahr, indem ich die größte Freude, das teuerste Glück, die übermenschlichsten Schmerzen, die bedingungsloseste, erfüllendste, atem- und egoberaubendste Liebe entdecken und erleben durfte. Mein Kind hat mein Herz, meinen Körper und meinen Verstand eingenommen und völlig verändert. Meine Welt und mein Ich sind seit der Geburt meines Sohnes nicht mehr wie sie vorher waren. Ich habe ungeahnte Dimensionen an Schmerz, Sorge, Freude, Begeisterung, Langweile, Stress, Ambivalenz, Geduld, Leidenschaft und vor allem Liebe kennen lernen dürfen und kann somit sagen 2015 war für mich persönlich ein geniales Jahr - das Jahr, indem ich Mama wurde. Und angesichts dessen, was sonst in der Welt passierte, wieviele Menschen Not leiden, fühle ich einen Gewissenskonflikt in mir. Ist es mir erlaubt, überhaupt von einem "genialen" Jahr zu sprechen? Aber so ist es nun mal, das ist das Leben - Freud und Leid, Licht und Schatten sind sehr nah beieinander. Dieses Jahr gab es für mich ein fröhliches, pausbäckiges, menschgewordnes Bündel Freude und Licht. Ein Segen, so ein Kind, solch Sicherheit, solch Freiheit, solch Freude. Ich will es dankbar und nicht selbstverständlich annehmen, dieses Glück. Und wer viel bekommen hat, der kann auch viel weitergeben. In diesem Sinne beende ich meine Rückschau und starte mit einem gefüllten Rücksack voller Freude, Liebe und neuen intensiven Emotionen neugierig in das neue Jahr 2016 - Volle Kraft voraus!
Dieses 2015 hatte global, weltpolitisch gesehen viele dunkle Kapitel, von denen die meisten noch nicht zu Ende geschrieben sind. Wenn ich recht überlege fällt mir eigentlich keine einzige positive Headline ein. Bestimmt gabs welche, aber so ist der Mensch, er merkt sich gute Dinge weniger gut. Außer es ist so gut, dass es das eigene Leben in ein völlig anderes Licht bringt. Das steht dann zwar in keiner Zeitung (außer man ist royaler Herkunft oder A, B, C oder K-Promi), aber verändert Einzelne und somit ein ganzes, kleines System.
Und rückblickend betrachtet schenkte mir 2015 genau das - mein Kind. Ein alltäglicher Ausdruck, tausende Male gesagt und gehört. Aber wenn man dann selber, so ganz persönlich und das erste Mal sagen kann "mein Kind" bedeutet es die Welt. 2015 war für mich also das Jahr, indem ich die größte Freude, das teuerste Glück, die übermenschlichsten Schmerzen, die bedingungsloseste, erfüllendste, atem- und egoberaubendste Liebe entdecken und erleben durfte. Mein Kind hat mein Herz, meinen Körper und meinen Verstand eingenommen und völlig verändert. Meine Welt und mein Ich sind seit der Geburt meines Sohnes nicht mehr wie sie vorher waren. Ich habe ungeahnte Dimensionen an Schmerz, Sorge, Freude, Begeisterung, Langweile, Stress, Ambivalenz, Geduld, Leidenschaft und vor allem Liebe kennen lernen dürfen und kann somit sagen 2015 war für mich persönlich ein geniales Jahr - das Jahr, indem ich Mama wurde. Und angesichts dessen, was sonst in der Welt passierte, wieviele Menschen Not leiden, fühle ich einen Gewissenskonflikt in mir. Ist es mir erlaubt, überhaupt von einem "genialen" Jahr zu sprechen? Aber so ist es nun mal, das ist das Leben - Freud und Leid, Licht und Schatten sind sehr nah beieinander. Dieses Jahr gab es für mich ein fröhliches, pausbäckiges, menschgewordnes Bündel Freude und Licht. Ein Segen, so ein Kind, solch Sicherheit, solch Freiheit, solch Freude. Ich will es dankbar und nicht selbstverständlich annehmen, dieses Glück. Und wer viel bekommen hat, der kann auch viel weitergeben. In diesem Sinne beende ich meine Rückschau und starte mit einem gefüllten Rücksack voller Freude, Liebe und neuen intensiven Emotionen neugierig in das neue Jahr 2016 - Volle Kraft voraus!
14. Dezember 2015
Maaaammmmaaaa!
Ich habe versprochen, ich melde mich, sobald ich es sie vernommen habe, die schönste aller Symphonien, schöner als jeder Vogelgesang, stilvoller, musikalischer und traumhafter als jede Kompostion: wenn mein Sohn "Mama" sagt. Die erfahreneren Mamas unter euch werden sich sicherlich denken: "ja, jetzt noch, jetzt noch klingt es wie Musik in deinen Ohren. Warte nur..." Aber sie werden sich sicher auch daran erinnern können, wie es war, das erste "Mama" ihres Kindes.
Zugegebenerweise war ich mit diesem Post nicht ganz so prompt. Das "Mamamamamamamama" machte sich schon vor einer Weile bemerkbar, unwillkürlich, jedoch akrobatisch. Doch in den letzten Wochen (ich denke, ich wiederhole mich) überschlugen sich die Ereignisse und mein Baby wurde schier über Nacht zum Kleinkind. Und das Kleinkind bescherte uns einen neuen Feiertag - den, 2. Dezember. Der Tag, an dem mein Baby das erste Mal bis morgens in seinem Zimmer schlief. Versteht mich nicht falsch, meine lieben Familienbett-Mamas, ich habe es auch genossen, mein Kind bei mir zu haben. Aber wider aller Familienbett-oder nichts-Werbung schliefen wir beide nicht sonderlich gut. Da wir ein ähnliches Schlafverhalten haben: leicht störbar, unruhig, ständig wetzend, so dass einer den anderen immer wieder aufweckte und ich nach wie vor fast stündlich vom Erwachen und Weinen meines Sohnes wach wurde. Nun schlief er, nicht ganz durch, aber fast. Bis halb 8. Und an diesem Morgen wurde ich überrascht von einem gut gelaunten Seufzen, Rascheln und anschließendem "Mama Mama Mama" aus dem Babyphon. Er rief mich! Mich! Seine Mama! Morgens war ich der erste Gedanke, den er hatte. Dieses "Mama" ließ mich wie auf Wolken aus meinem Bett gleiten, voller Energie aufgrund der wirklich entspannenden Nacht, wie ich sie seit mehr als 10 Monaten nicht mehr gekannt habe. Ich betrat sein Zimmer und mich erwartete ein grinsendes, gut gelauntes Baby-Kleinkind, dass mir zuwinkte und seinen Schnuller für den Tag "abgab". Was für ein erhebendes Gefühl! Was für eine Freude, unvergleichlich! Ich strotzte an diesem denkwürdigen Tag nur so vor Energie und beim Spaziergang hüpfte ich fast vor lauter übersprudelnder Frische :)
Inszwischen ist "Mama" zu seinem momentanen Lieblingswort geworden und wird so oft wie möglich geübt. Jedesmal antworte ich ihm mit einem: "Ja, mein Schätzchen?" Ich will, dass er weiß, dass ich immer auf sein "Mama" hören werden, egal wie alt, egal was für ein großer, starker und unabhängiger Mann er einmal werden wird. Sein Ruf nach "Mama" soll immer Relevanz haben, soll mich dazu veranlassen, hinzuhören und hinzuschauen. Dabei soll es um alle Facetten dieses Wortes gehen. Ob ein fröhliches, aufgeregtes "Maama!", welches mir tolle Geschichten, Erfolge und Erlbenisser erzählen möchte oder ein "Mamma!", dass sich zornig zeigt. Auch inzwischen ist in unserem Alltag "Mama" in allen Tonhöhen, Wortmelodien und Situationen zum Lieblingswort meines Sohnes geworden. Es scheint, dass alles und vor allem jeder, der ihm wichtig ist, zur Zeit "Mama!" heißt. Egal wo er hinkrabbelt, was er entdeckt, womit er spielt und worüber er sich freut, alles ist begleitet von einem "Mama!". Neben seinen anderen Worten: "Nein" (für sämtliche Schubladen, heißen Heizungsrohre, Steckdosen und überhaupt alles, was total spannend sein muss), "Mhm" (für alles was essbar ist oder aber auch nur scheint, zuzüglich sämtlicher mikroskopisch kleinen, wie auch größeren Fussel und Partikel am Boden; auch verwendbar für das Ankommen der Oma, die mit uns zu Mittag isst) und "Ai" (für alles, was süß, kuschelig, Katze, weich, lieb, gemütlich, liebenswert ist oder wirkt), wird das "Mama" momentan fast schon inflationär verwendet, aber das ist gut so. Nein, es ist ganz großartig! Es ehrt mich, es rührt mich.
Denn mehrmals am Tag, entschwindet meinem Sohn ein direkt an mich gerichtetes, voll staunen und voll Liebe fokussiertes "Mama!", wenn es in einem Augenblick ist, wo ich ihn ganz nah bei meinem Gesicht habe, kommt es vor, dass er mein Gesicht mit beiden Patschehändchen seitlich tätschelt und mir als Krönung noch einen ultra-feuchten-Schlabber-ich-ess-Mama-Schmatz-Kuss gibt. Wunderbar, einfach Wunderbar. Das Schlafen, das Küssen, das "Maaaamaaaaaaaa!"
Zugegebenerweise war ich mit diesem Post nicht ganz so prompt. Das "Mamamamamamamama" machte sich schon vor einer Weile bemerkbar, unwillkürlich, jedoch akrobatisch. Doch in den letzten Wochen (ich denke, ich wiederhole mich) überschlugen sich die Ereignisse und mein Baby wurde schier über Nacht zum Kleinkind. Und das Kleinkind bescherte uns einen neuen Feiertag - den, 2. Dezember. Der Tag, an dem mein Baby das erste Mal bis morgens in seinem Zimmer schlief. Versteht mich nicht falsch, meine lieben Familienbett-Mamas, ich habe es auch genossen, mein Kind bei mir zu haben. Aber wider aller Familienbett-oder nichts-Werbung schliefen wir beide nicht sonderlich gut. Da wir ein ähnliches Schlafverhalten haben: leicht störbar, unruhig, ständig wetzend, so dass einer den anderen immer wieder aufweckte und ich nach wie vor fast stündlich vom Erwachen und Weinen meines Sohnes wach wurde. Nun schlief er, nicht ganz durch, aber fast. Bis halb 8. Und an diesem Morgen wurde ich überrascht von einem gut gelaunten Seufzen, Rascheln und anschließendem "Mama Mama Mama" aus dem Babyphon. Er rief mich! Mich! Seine Mama! Morgens war ich der erste Gedanke, den er hatte. Dieses "Mama" ließ mich wie auf Wolken aus meinem Bett gleiten, voller Energie aufgrund der wirklich entspannenden Nacht, wie ich sie seit mehr als 10 Monaten nicht mehr gekannt habe. Ich betrat sein Zimmer und mich erwartete ein grinsendes, gut gelauntes Baby-Kleinkind, dass mir zuwinkte und seinen Schnuller für den Tag "abgab". Was für ein erhebendes Gefühl! Was für eine Freude, unvergleichlich! Ich strotzte an diesem denkwürdigen Tag nur so vor Energie und beim Spaziergang hüpfte ich fast vor lauter übersprudelnder Frische :)
Inszwischen ist "Mama" zu seinem momentanen Lieblingswort geworden und wird so oft wie möglich geübt. Jedesmal antworte ich ihm mit einem: "Ja, mein Schätzchen?" Ich will, dass er weiß, dass ich immer auf sein "Mama" hören werden, egal wie alt, egal was für ein großer, starker und unabhängiger Mann er einmal werden wird. Sein Ruf nach "Mama" soll immer Relevanz haben, soll mich dazu veranlassen, hinzuhören und hinzuschauen. Dabei soll es um alle Facetten dieses Wortes gehen. Ob ein fröhliches, aufgeregtes "Maama!", welches mir tolle Geschichten, Erfolge und Erlbenisser erzählen möchte oder ein "Mamma!", dass sich zornig zeigt. Auch inzwischen ist in unserem Alltag "Mama" in allen Tonhöhen, Wortmelodien und Situationen zum Lieblingswort meines Sohnes geworden. Es scheint, dass alles und vor allem jeder, der ihm wichtig ist, zur Zeit "Mama!" heißt. Egal wo er hinkrabbelt, was er entdeckt, womit er spielt und worüber er sich freut, alles ist begleitet von einem "Mama!". Neben seinen anderen Worten: "Nein" (für sämtliche Schubladen, heißen Heizungsrohre, Steckdosen und überhaupt alles, was total spannend sein muss), "Mhm" (für alles was essbar ist oder aber auch nur scheint, zuzüglich sämtlicher mikroskopisch kleinen, wie auch größeren Fussel und Partikel am Boden; auch verwendbar für das Ankommen der Oma, die mit uns zu Mittag isst) und "Ai" (für alles, was süß, kuschelig, Katze, weich, lieb, gemütlich, liebenswert ist oder wirkt), wird das "Mama" momentan fast schon inflationär verwendet, aber das ist gut so. Nein, es ist ganz großartig! Es ehrt mich, es rührt mich.
Denn mehrmals am Tag, entschwindet meinem Sohn ein direkt an mich gerichtetes, voll staunen und voll Liebe fokussiertes "Mama!", wenn es in einem Augenblick ist, wo ich ihn ganz nah bei meinem Gesicht habe, kommt es vor, dass er mein Gesicht mit beiden Patschehändchen seitlich tätschelt und mir als Krönung noch einen ultra-feuchten-Schlabber-ich-ess-Mama-Schmatz-Kuss gibt. Wunderbar, einfach Wunderbar. Das Schlafen, das Küssen, das "Maaaamaaaaaaaa!"
20. November 2015
Kontrollverlust...
Kennt ihr diese Postings, die täglich auf den Facebook-Pinwänden vieler Mütter auftauchen. Ihr Inhalt: dramatisch formulierte, blumig gesülzte Weltweisheiten über die Schönheit, über das Wunder, über das süße Leben mit Baby und Kindern. Meist beginnen sie mit "Seit Ich Mutter bin...", "Das Schönste/Beste/Aufregendste/Verzauberndste/(manfügediversepositiveAdverbienoderAdjektivehinzu)..." und enden mit "teile das, wenn du stolz auf (irgendwasoderirgendjemanden) bist..."
Ich bin da ehrlich, ich teile sie nicht. Ich mag sie nicht mal, diese Postings! Sie spucken mir oft ins Gesicht und schreien mich vorwurfsvoll an mit den Worten: "Na? Ist das bei dir etwas nicht so?? WIESO ist das bei dir nicht so? DU BIST EINE SCHLECHTE MUTTER!" Die Verachtung und den Vorwurf für mich selber lese ich aus dem Grund heraus, weil ich mich nicht jeden Tag an meiner Mutterschaft freue. Um ehrlich zu sein, ich fühle mich eher sogar oft nicht wohl in dieser Rolle. Ich fühle mich unterfordert und überfordert zugleich. Fühle mich einsam und überschwemmt zugleich. Ich will weg und nur hier sein. Ich fühle mich nutzlos und unentbehrlich zugleich. Ich fühle mich zerissen, endlich komplett, ausgelöscht.
Ich habe mich lange gefragt, was es ist, was mir solch ein Unbehagen bereitet und einen Teil von mir auch irgendwie unglücklich sein lässt, obwohl ich doch das ungetrübte Glück eines eigenen heranwachsenden Kindes miterleben darf. In vielen Gesprächen mit meinem Mann, der diesen Zustand nur sehr schwer nachvollziehen kann und sich oft in mein Leben, so dicht am Aufwachsen unseres Sohnes, wünscht, sowie mit meinen Freunden bin ich auf die Antwort gestoßen.
Als Vertreterin der Bindungstheorie lege ich viel Wert darauf, dass mein Sohn eine sichere Bindung zu mir aufbauen kann und in der Sicherheit meiner Liebe, Nähe und Versorgung zu einer zufriedenen und gesunden Persönlichkeit heranwachsen kann. Wie ich bereits des öfteren erwähnt habe, habe ich mich damit intensiv in meinem Studium auseinander gesetzt. Nur erfahren und erlebt habe ich es selber noch nicht, außer in Form meiner eigenen Eltern-Kind-Beziehung zu meinen Eltern.
Da ist nämlich noch eine Seite der Bindung, die aus zwei Gliedern besteht - meine. Ich bin gebunden - in jedem Sinne. Ich bin eben auch an mein Kind gebunden, so stark wie zu nichts und niemanden auf dieser Welt. Aus einer körperlichen, engstmöglichen Bindung, als er in meinem Körper herangewachsen ist, ist eine unglaublich enge, verwurzelte, verwobene, verknotete Herzensbindung geworden. Sie ist so stark, dass ich mich oft fühle als wäre ich im Moment nicht mehr ich, nicht mehr wirklich existent, verblasst, gemutet. Mutter zu werden hat für mich geheißen, Vieles was MICH ausgemacht hat aufzugeben, hinter mir zu lassen, auf Stumm zu schalten. Mein Ego musste das meines Sohnes weichen.
Ich fühle mich oft, als hätte ich die Kontrolle über Mein Leben verloren. Über meine Grundbedürfnisse. Mein Schlaf richtet sich nach dem Schlaf des Kleinen. Bevor ich die Toilette aufsuche, muss ich mich vergewissern, dass er in Sicherheit ist und ich werde dort angekommen bestimmt betrauert werden. Einen Besuch in der Dusche muss ich vorher planen. Ich habe meine Kontrolle über meine Freizeit verloren, ich kann nirgends spontan und nichts mit Sicherheit planen. Und neben all den unzähligen Tätigkeiten und Entscheidungen, die vorher meinen Alltag ausgemacht haben und nun von meinem Sohn abhängig sind, trägt sich der größte Kontrollverlust in meinen Gefühlen zu. Ich sorge mich, obwohl ich die Schnauze voll habe. Ich kann an nichts anderes denken als an das Wohlergehen meines Babys. Ich kann nicht anders als ihn zu lieben. Ich kann nicht anders als an ihn zu denken. Ich kann nicht anders als überall die Variable "mein Kind" einzubauen und erst damit zu betrachten und/oder darüber nach zu denken. Sein Leben und meine Liebe zu ihm kontrolliert jede Faser meines Seins. So dass ich mich grau daran erinnern kann, dass ich mal ganz anders war, dachte und handelte. Doch ich kann mich daran erinnern und frage mich dann, wo und wer ich bin.
Mir wird oft gesagt, dass es wieder etwas anders werden würde. Mit der wachsenden Selbstständigkeit der Kinder, wird auch mein Involviert-Sein weniger...dann lösen sie sich immer mehr von Mamas Rockzipfel, lassen los...
Beruhigt mich das etwa? Nein! Ganz und gar nicht. DAS macht mir noch viel mehr Angst...meine Gebundenheit ist ja noch da, mein Herz noch mit Seinem verwoben. Was ist, wenn ich mich eines Tages doch wieder finden sollte? In ihm? In seinem Leben? Wenn ich zu den oben erwähnten Facebook-Postings Ja und Amen sagen kann, mein(e) Kind(er) mich aber langsam nicht mehr so brauchen? Dann muss ich mich wieder suchen gehen...Ja, ich kenne sie, die Lebensphasen, die Phasen der Entwicklung über die Lebensspanne, die verschiedenen Modelle. Die dadurch entstehenden Krisen - in der Theorie, bei anderen. Aber bei mir? Ich weiß nicht, ob mich jemals eine davon gegenwärtig, wie auch in Hinblick auf die Zukunft so gerüttelt und zugleich gelähmt hat...
Bin ich einfach nicht geeignet Mama zu sein? Oder ist das ganz normal? Sich kurze Zeit zu verlieren, um dann wie Phönix aus der Asche auf zu steigen mit dem Wissen: ich bin gewachsen, ich bin stark, auch wenn ich mich müde und ausgelaugt fühle, ich bin eine Heldin, ich liebe bedingungslos, ich bin WIR, ich bin Mama und noch viel mehr, Ich bin ich - und kenne mich jetzt.
Bis dieser Zustand eintritt, suche ich noch nach mir. Und lasse es zu, die Kontrolle über mich zu und mein Leben gegen die Hingabe zu meiner Familie zu tauschen und tauche ein in diese Liebe, die meinem Ego gerade eine Tiefenreinigung verpasst.
Ich bin da ehrlich, ich teile sie nicht. Ich mag sie nicht mal, diese Postings! Sie spucken mir oft ins Gesicht und schreien mich vorwurfsvoll an mit den Worten: "Na? Ist das bei dir etwas nicht so?? WIESO ist das bei dir nicht so? DU BIST EINE SCHLECHTE MUTTER!" Die Verachtung und den Vorwurf für mich selber lese ich aus dem Grund heraus, weil ich mich nicht jeden Tag an meiner Mutterschaft freue. Um ehrlich zu sein, ich fühle mich eher sogar oft nicht wohl in dieser Rolle. Ich fühle mich unterfordert und überfordert zugleich. Fühle mich einsam und überschwemmt zugleich. Ich will weg und nur hier sein. Ich fühle mich nutzlos und unentbehrlich zugleich. Ich fühle mich zerissen, endlich komplett, ausgelöscht.
Ich habe mich lange gefragt, was es ist, was mir solch ein Unbehagen bereitet und einen Teil von mir auch irgendwie unglücklich sein lässt, obwohl ich doch das ungetrübte Glück eines eigenen heranwachsenden Kindes miterleben darf. In vielen Gesprächen mit meinem Mann, der diesen Zustand nur sehr schwer nachvollziehen kann und sich oft in mein Leben, so dicht am Aufwachsen unseres Sohnes, wünscht, sowie mit meinen Freunden bin ich auf die Antwort gestoßen.
Als Vertreterin der Bindungstheorie lege ich viel Wert darauf, dass mein Sohn eine sichere Bindung zu mir aufbauen kann und in der Sicherheit meiner Liebe, Nähe und Versorgung zu einer zufriedenen und gesunden Persönlichkeit heranwachsen kann. Wie ich bereits des öfteren erwähnt habe, habe ich mich damit intensiv in meinem Studium auseinander gesetzt. Nur erfahren und erlebt habe ich es selber noch nicht, außer in Form meiner eigenen Eltern-Kind-Beziehung zu meinen Eltern.
Da ist nämlich noch eine Seite der Bindung, die aus zwei Gliedern besteht - meine. Ich bin gebunden - in jedem Sinne. Ich bin eben auch an mein Kind gebunden, so stark wie zu nichts und niemanden auf dieser Welt. Aus einer körperlichen, engstmöglichen Bindung, als er in meinem Körper herangewachsen ist, ist eine unglaublich enge, verwurzelte, verwobene, verknotete Herzensbindung geworden. Sie ist so stark, dass ich mich oft fühle als wäre ich im Moment nicht mehr ich, nicht mehr wirklich existent, verblasst, gemutet. Mutter zu werden hat für mich geheißen, Vieles was MICH ausgemacht hat aufzugeben, hinter mir zu lassen, auf Stumm zu schalten. Mein Ego musste das meines Sohnes weichen.
Ich fühle mich oft, als hätte ich die Kontrolle über Mein Leben verloren. Über meine Grundbedürfnisse. Mein Schlaf richtet sich nach dem Schlaf des Kleinen. Bevor ich die Toilette aufsuche, muss ich mich vergewissern, dass er in Sicherheit ist und ich werde dort angekommen bestimmt betrauert werden. Einen Besuch in der Dusche muss ich vorher planen. Ich habe meine Kontrolle über meine Freizeit verloren, ich kann nirgends spontan und nichts mit Sicherheit planen. Und neben all den unzähligen Tätigkeiten und Entscheidungen, die vorher meinen Alltag ausgemacht haben und nun von meinem Sohn abhängig sind, trägt sich der größte Kontrollverlust in meinen Gefühlen zu. Ich sorge mich, obwohl ich die Schnauze voll habe. Ich kann an nichts anderes denken als an das Wohlergehen meines Babys. Ich kann nicht anders als ihn zu lieben. Ich kann nicht anders als an ihn zu denken. Ich kann nicht anders als überall die Variable "mein Kind" einzubauen und erst damit zu betrachten und/oder darüber nach zu denken. Sein Leben und meine Liebe zu ihm kontrolliert jede Faser meines Seins. So dass ich mich grau daran erinnern kann, dass ich mal ganz anders war, dachte und handelte. Doch ich kann mich daran erinnern und frage mich dann, wo und wer ich bin.
Mir wird oft gesagt, dass es wieder etwas anders werden würde. Mit der wachsenden Selbstständigkeit der Kinder, wird auch mein Involviert-Sein weniger...dann lösen sie sich immer mehr von Mamas Rockzipfel, lassen los...
Beruhigt mich das etwa? Nein! Ganz und gar nicht. DAS macht mir noch viel mehr Angst...meine Gebundenheit ist ja noch da, mein Herz noch mit Seinem verwoben. Was ist, wenn ich mich eines Tages doch wieder finden sollte? In ihm? In seinem Leben? Wenn ich zu den oben erwähnten Facebook-Postings Ja und Amen sagen kann, mein(e) Kind(er) mich aber langsam nicht mehr so brauchen? Dann muss ich mich wieder suchen gehen...Ja, ich kenne sie, die Lebensphasen, die Phasen der Entwicklung über die Lebensspanne, die verschiedenen Modelle. Die dadurch entstehenden Krisen - in der Theorie, bei anderen. Aber bei mir? Ich weiß nicht, ob mich jemals eine davon gegenwärtig, wie auch in Hinblick auf die Zukunft so gerüttelt und zugleich gelähmt hat...
Bin ich einfach nicht geeignet Mama zu sein? Oder ist das ganz normal? Sich kurze Zeit zu verlieren, um dann wie Phönix aus der Asche auf zu steigen mit dem Wissen: ich bin gewachsen, ich bin stark, auch wenn ich mich müde und ausgelaugt fühle, ich bin eine Heldin, ich liebe bedingungslos, ich bin WIR, ich bin Mama und noch viel mehr, Ich bin ich - und kenne mich jetzt.
Bis dieser Zustand eintritt, suche ich noch nach mir. Und lasse es zu, die Kontrolle über mich zu und mein Leben gegen die Hingabe zu meiner Familie zu tauschen und tauche ein in diese Liebe, die meinem Ego gerade eine Tiefenreinigung verpasst.
7. Oktober 2015
Die Vermessung der Welt...
Ja, der Titel ist gestohlen. Aber er passt halt gerade zu unserem aktuellen Lebensthema - die erwachende Mobilität. Meine kleine Robbe ist entwicklungstechnisch völliger Durchschnitt, so dass er jetzt "erst" allmählich beginnt zu lernen, wie man sich von A nach B bewegt. Warum das mit dem Durchschnitt erwähnenswert ist? Weil es jetzt schon beginnt, die Vermessung und Bewertung der Leistungen unserer Kinder. Krabbelt er schon? Was, nicht? Aber sitzen tut er ja schon alleine? Was, auch nicht? Was, deiner schon? Was, schon 6 Wochen lang? Tja - HA! Meiner hat dafür schon 2 ganze und 3 halbe Zähne - bäääääm! Ja so läuft das in etwa ab, bei der kompetitiven Elternschaftsolympiade. Nicht zu vergessen sind dann noch - Schläft er denn schon durch? Dicht gefolgt von den beiden stark auseinanderklaffenden Anfragen, je nach dem welchem Lager frau angehört: A) "Langsam sollte er aber schon ohne Flascherl durchschlafen und du kannst ihn doch nicht jede Nacht bei dir schlafen lassen, das gewöhnst du ihm doch nieeee wieder ab!" vs B) "Waaaas, du hast aus eurem Schlafzimmer kein Familienbett gemacht? Und das arme kleine Ding muss nachts in unerträglichen Ängsten in einem EIGENEN Zimmer verbringen?". Tja, ich bin da irgendwo dazwischen mit meinen Ansätzen. Einschlafen tut er in seinem Zimmer, aufwachen (das 4. bis 8. Mal) bei mir. Soviel dazu, wie wir Mamas uns vermessen (!) vermessen. Achja, ich vergaß eines unserer wichtigsten Themen in Sachen messen - 28 Kg trennen mich heute von dem Tag vor der Geburt - auch ein ganz wichtiges Müttermaß.
Aber eigentlich hatte ich bei dem Titel meinen robbenden Sohn vor Augen. Während er sich einige Wochen rollend in einem Areal von etwa 6qm fortbewegt, wird nun, mit ein wenig Motivation, die ganze Wohnung robbend entdeckt. Was muss das für ein Gefühl sein, sich endlich (fast) alles eigenständig ansehen zu können, sein Gebiet zu erkunden, sein Revier zu durchforsten. Es ist herrlich. Ich mag es auch. Obwohl mir gesagt wird: "Waaaarte nur bis er krabbelt, dann ist es aus mit der Gemütlichkeit". Ich finde es toll, auch wenn das Motivieren mir zu folgen und das Locken meiner Kätzchen starke Ähnlichkeit haben und das vielleicht etwas eigenartig ist (Ich ertappe mich öfter dabei, wie ich meinem Sohn ein lockende Schnalz-Schmatz-Laute zurufe, damit er mir nachrobbt). Es ist spannend sich von seinem Baby zeigen zu lassen, was in seiner Wohnung NICHT babysicher ist und noch adaptiert werden muss; Und wie toll es ist Ramsch-Boxen herauszuziehen, an Schuhbänder und Schuhsohlen zu kauen, sich beim Versuch Schubladen zu öffnen sich diese auf den Kopf zu knallen, an Türstopper zu lutschen und mit seinem Erbrochenem Malereien zu zaubern.
Bewusst wurden mir seine neuen Fähigkeiten in einer klassischen Situation, die mich ob ihres plakativen Erscheinens zum Schmunzeln, statt zum panisch Schreien brachten. Mama geht kurz aus Küche, Baby spielt am Wohnzimmerboden, Mama hört Geräusch einer fallenden und sich ihres Inhalts entledigenden Box und eilt ins Wohnzimmer zurück, Kind liegt neben Box (zu Österreichische Gramuri-Schochtl) und dessen am Boden verteilten Inhalt und versucht sich just in dem Moment eine Schere in den Mund zu schieben - classic. Keine Sorge, nix passiert. Mama lacht, Baby lacht mit - alles gut! Box weggeräumt, Kind und Mama etwas dazu gelernt. Mama hat gelernt, dass sie solche und ähnliche Dinge in nicht greifbare Ferne bringen muss, Baby hat gelernt, dass es schneller sein muss, wenn es an Messer, Gabel, Scherben oder Scheren lecken möchte. ACHTUNG - Sarkasmus! Frau Funkhouse passt auch wirklich gut auf ihr Baby auf. Ich habe doch schon längst einen Jahresvorrat an Steckdosendeckel, hässlichen IKEA-Kantenschutz-Händen und Schubladenverriegelungen angeschafft - schon vor Monaten, nur montiert müssten sie halt noch werden. Aber dafür reicht die Immobilität noch gerade so aus. Toll ist auch, dass unter unseren Regalen endlich wieder mal der Staub weggewischt wird. Mein Sohn macht das mit seinen Beinen, manchmal auch mit seinem Bauch. Weniger toll ist, dass die untersten 20 cm meiner Glas-Balkontür aussehen wie ein abstraktes Kunstwerk. Und ich geb zu, ich tu' mich etwas schwer mit abstrakter Kunst, so generell. Aber gut, ich bin da nicht so.
Mit dem achten Monat erleben wir also einen wahren Meilenstein im ersten Jahr mit Baby und es wird immer lustiger und unterhaltsamer mit ihm! Parallel zu seiner steigenden Mobilität entwickelt er auch seine Brabbelei weiter. Momentan arbeitet er an einem repetitiven, meditativen "Mamamamamamamamam", dass wie Musik in meinen Ohren klingt. Egal ob unwillkürlich oder nicht, jedes "Mamamamamamamam" beantworte ich solange mit "Ja, mein Mäuschen, ich bin deine Mama" bis zu dem Moment, in dem er sich zu mir dreht, mir in die Augen sieht und "Mama" sagt. Hach, wenn ich daran denke, fliegen Einhörner auf Regenbögen durch die Luft...ich werde davon berichten!
Aber eigentlich hatte ich bei dem Titel meinen robbenden Sohn vor Augen. Während er sich einige Wochen rollend in einem Areal von etwa 6qm fortbewegt, wird nun, mit ein wenig Motivation, die ganze Wohnung robbend entdeckt. Was muss das für ein Gefühl sein, sich endlich (fast) alles eigenständig ansehen zu können, sein Gebiet zu erkunden, sein Revier zu durchforsten. Es ist herrlich. Ich mag es auch. Obwohl mir gesagt wird: "Waaaarte nur bis er krabbelt, dann ist es aus mit der Gemütlichkeit". Ich finde es toll, auch wenn das Motivieren mir zu folgen und das Locken meiner Kätzchen starke Ähnlichkeit haben und das vielleicht etwas eigenartig ist (Ich ertappe mich öfter dabei, wie ich meinem Sohn ein lockende Schnalz-Schmatz-Laute zurufe, damit er mir nachrobbt). Es ist spannend sich von seinem Baby zeigen zu lassen, was in seiner Wohnung NICHT babysicher ist und noch adaptiert werden muss; Und wie toll es ist Ramsch-Boxen herauszuziehen, an Schuhbänder und Schuhsohlen zu kauen, sich beim Versuch Schubladen zu öffnen sich diese auf den Kopf zu knallen, an Türstopper zu lutschen und mit seinem Erbrochenem Malereien zu zaubern.
Bewusst wurden mir seine neuen Fähigkeiten in einer klassischen Situation, die mich ob ihres plakativen Erscheinens zum Schmunzeln, statt zum panisch Schreien brachten. Mama geht kurz aus Küche, Baby spielt am Wohnzimmerboden, Mama hört Geräusch einer fallenden und sich ihres Inhalts entledigenden Box und eilt ins Wohnzimmer zurück, Kind liegt neben Box (zu Österreichische Gramuri-Schochtl) und dessen am Boden verteilten Inhalt und versucht sich just in dem Moment eine Schere in den Mund zu schieben - classic. Keine Sorge, nix passiert. Mama lacht, Baby lacht mit - alles gut! Box weggeräumt, Kind und Mama etwas dazu gelernt. Mama hat gelernt, dass sie solche und ähnliche Dinge in nicht greifbare Ferne bringen muss, Baby hat gelernt, dass es schneller sein muss, wenn es an Messer, Gabel, Scherben oder Scheren lecken möchte. ACHTUNG - Sarkasmus! Frau Funkhouse passt auch wirklich gut auf ihr Baby auf. Ich habe doch schon längst einen Jahresvorrat an Steckdosendeckel, hässlichen IKEA-Kantenschutz-Händen und Schubladenverriegelungen angeschafft - schon vor Monaten, nur montiert müssten sie halt noch werden. Aber dafür reicht die Immobilität noch gerade so aus. Toll ist auch, dass unter unseren Regalen endlich wieder mal der Staub weggewischt wird. Mein Sohn macht das mit seinen Beinen, manchmal auch mit seinem Bauch. Weniger toll ist, dass die untersten 20 cm meiner Glas-Balkontür aussehen wie ein abstraktes Kunstwerk. Und ich geb zu, ich tu' mich etwas schwer mit abstrakter Kunst, so generell. Aber gut, ich bin da nicht so.
Mit dem achten Monat erleben wir also einen wahren Meilenstein im ersten Jahr mit Baby und es wird immer lustiger und unterhaltsamer mit ihm! Parallel zu seiner steigenden Mobilität entwickelt er auch seine Brabbelei weiter. Momentan arbeitet er an einem repetitiven, meditativen "Mamamamamamamamam", dass wie Musik in meinen Ohren klingt. Egal ob unwillkürlich oder nicht, jedes "Mamamamamamamam" beantworte ich solange mit "Ja, mein Mäuschen, ich bin deine Mama" bis zu dem Moment, in dem er sich zu mir dreht, mir in die Augen sieht und "Mama" sagt. Hach, wenn ich daran denke, fliegen Einhörner auf Regenbögen durch die Luft...ich werde davon berichten!
3. September 2015
Rabenmütter...
Sie treten die Pädagogik mit Füßen, handeln ihrem Egoismus entsprechend und übergehen die Bedürfnisse der Kinder...
Ich spreche von den sogenannten Rabenmüttern, von der ganz üblen Sorte. Die, die vergessen, wie man liebevoll, fürsorglich und verständnisvoll mit Babys und kleinen Kindern umgeht - ich spreche von mir. Nachts. Zwischen 1 und 5 Uhr. Da werde ich zur Rabenmutter.
Seit nun sieben Monaten gibt es keine einzige durchschlafene Nacht für Mama und Papa. Keine einzige! Das zehrt schon am Nervenkostüm. Vom Schlafenlegen bis zum Aufwachen sind 4x Aufstehen eine gute Nacht. Durchschnittlich sind es etwa 6x, die wir zu ihm rüber gehen müssen. Sehr viele Nächte und Phasen wurden auch im eineinhalb Stunden-Takt abgewickelt.
Ich fürchte die Nacht, sie bietet mir keine Erholung. Ich lege mich hin, schlafe lange nicht ein, da sich mein Gehirn just in diesem Moment dazu entscheidet auf Turbo zu schalten; ich warte innerlich auf das erste Mal Weinen, sein erstes Fläschchen. Danach schlafe ich ein, er auch. Kurz. Und wenn ich dann kurz eingeschlafen bin und jäh durch das Aufweinen meines Sohnes geweckt werde und völlig schlafbeduselt in sein Zimmer torkle, dann ärger ich mich. Wenn ich dann merke, dass der werte Herr Funkhouse jun. putzmunter und quietschfidel seinen Nachtschlaf hiermit offiziell beenden möchte - so um 2 Uhr herum - dann werde ich richtig wütend. Wenn ich ihn dann in der Hoffnung, dass er, weil er ja trotz allem Übermut hundemüde ist, von alleine einschläft, nachdem ich mit einen sich windenden Wurm eine gefühlte Ewigkeit auf dem Pezzi-Ball gehopst bin und dabei aufpassen musste, dass ich nicht vornüber kippe, mich dann wieder aus dem Zimmer schleiche und er fünf Minuten darauf natürlich nicht schläft, sondern sich lauthals beschwert - dann bin ich riiiiichtig wütend. Dann jammer' ich vor mich hin, ärgere mich über meinen Mann, der nicht die Mama ist (das sagt einfach alles). Mein Mann unterstützt mich, wo es nur geht. Es scheint, als hätte er alle Ruhe der Welt, wenn er unseren Sohn in den Schlaf zu begleiten versucht, während in mir ein Vulkan brodelt. Doch da er frühmorgens in die Arbeit muss, um unseren Unterhalt zu verdienen, muss ich hauptsächlich nachts auf. Und wenn es so ist, dann reiße ich die Bettdecke weg und stapfe wutentbrannt los, um in sechs Schritten wieder soweit auf dem Boden zu sein, um meinem Baby angemessen zu begegnen.
Und alsbald sitze ich wieder auf diesen ver******@!%$*** Pezzi-Ball und auf einmal lodert es in mir auf...
Die Reue. Die Reue nicht jede Sekunde, die ich ihn in meinen Armen halten darf, vollends zu genießen, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Denn wie kurz ist doch die Zeit, in der ich ein Baby habe? Gerade mal ein kurzes, klitzekleines Jahr hat man ein Baby. Ich habe bereits sieben Monate davon hinter mir. Es sind ca. 18 Jahre, wo man seine Kinder enger begleiten darf, wo Mama und Papa den ultimativen, weil versorgenden Stellenwert haben, auch wenn mit Teenager-Alter alles andere interessanter wird. Es ist eine so unglaublich kurze Zeit. Woher kommt die Wut? Schlafen könnte ich doch später? Aber so ist es leider nicht, ich bräuchte ihn jede Nacht, ich brauche Zeit, um mich zu regenerieren, um wieder voller Energie zu sein. Da ich nicht zu meinen Nachtschlaf komme, fühle ich mich meist kraftlos und müde. Auch wenn ich seine Tagesschläfchen oft für ein gemeinsames Schläfchen nütze. Es fehlt die Nacht...und als ich meinen Gedanken und meiner Reue so nachhänge, bemerke ich erst, wie schön es sich anfühlt, wenn der kleine Körper in meinen Armen liegt, warm, sicher und entspannt. Ich sehe das Weiß seiner Augen die meinen suchen und fühle sein Händchen, dass mein Gesicht ertasten will. Ich bereue es zutiefst, so wütend zu werden.
Und werde es wohl in der nächsten Nacht genauso sein...
Ein weiterer Gedanke, der mich heute bewegte - in einer Zeit, in der auf Facebook ein Foto eines toten, am Meer angespülten Flüchtlingskindes kursiert, weil das unsere derzeitige Realität ist - wie dankbar können wir doch sein, dass nächtliches Aufstehen, um unsere sicheren, wohlgenährten, behüteten Kinder Geborgenheit zu geben, eines unserer banalen Probleme ist. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich meinem Kind Krieg, Verfolgung und Terror aussetze oder in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ein fremdes Land flüchte und hoffe, dass es nicht ertrinkt, erstickt, verdurstet und wenn es überhaupt überlebt großen psychischen Schaden davon nimmt. Wie dumm und überheblich ist doch der Glaube, dass wir uns diese Sicherheit, in der wir leben, diesen Wohlstand verdient haben und es unser Recht sei. Ja, die Zeiten werden härter, auch für unsere Wohlstandsgesellschaft, ja es wird Probleme bringen und uns aus der Komfortzone bringen. Wir haben unser Glück genauso wenig verdient, wie IRGENDJEMAND ein Schicksal wie die abertausenden Menschen, die von Hoffnung getrieben oftmals in den Tod laufen. Und wenn ihnen die Härte ihres Fluchtweges nicht den gar aus macht, dann macht unsere Angst, unsere Sorge, um unseren Wohlstand und Sicherheit ihnen das Leben noch zusätzlich schwer?? Nein, wir haben uns unser feines Land nicht verdient. Es ist kein Recht - es ist Vorrecht. Es ist ein Vorrecht für uns und unsere Kinder und wir haben soviel davon, dass wir ganz leicht etwas davon abgeben können.
Mein lieber Sohn,
wenn du eines Tages so alt bist, dass du im Geschichtsunterricht davon hörst, was in der Zeit passiert ist, als du ein kleines Baby warst, dann sei dankbar. Dankbar für Sicherheit, Geborgenheit, Nahrung, für alles was du hast, alles, was dir möglich ist und alles wovor du behütetet wirst. Ich hoffe, dass aus dir ein Mensch wird, der sich aus Liebe zu seinem Nächsten in dessen, wenn auch noch so fremde Welt, hinein denken kann und erkennt, dass dieser genauso fühlt wie du, genauso Angst hat wie du, genau so Freude empfinden kann wie du - genau so erdacht und geliebt ist von seinem Schöpfer-Gott, wie du. Vergiss nie, dass jeder zählt, dass jeder Wert hat. Wenn dir irgendjemand glauben machen will, dass es wichtigere und unwichtigere Menschen gibt, dann ist das eine Lüge. Es wird schwer sein, alle Menschen so anzunehmen. Du wirst nicht alle mögen, viele werden dich nicht mögen. Viele wirst du blöd finden, weil sie anderer Meinung sind oder dir sogar Schmerzen zufügen, aber wisse, egal wie du fühlst - JEDER ist es wert geliebt und geachtet zu werden. JEDEM, der Hilfe sucht, soll Hilfe zuteil werden. Glaube nicht alles, sei kritisch, überlege dir alles durch, finde nicht alles gut, was der Zeitgeist sagt, dass gut sei. Bild dir deine Meinung und steh dazu. Aber alles was du tust und wie du denkst, soll von echter, tiefer Liebe zum Menschen geprägt sein. Ich werde mein Bestes geben, um dich zu einem liebesfähigen, mitfühlenden und mitdenkenden Menschen groß zu ziehen.
Ich spreche von den sogenannten Rabenmüttern, von der ganz üblen Sorte. Die, die vergessen, wie man liebevoll, fürsorglich und verständnisvoll mit Babys und kleinen Kindern umgeht - ich spreche von mir. Nachts. Zwischen 1 und 5 Uhr. Da werde ich zur Rabenmutter.
Seit nun sieben Monaten gibt es keine einzige durchschlafene Nacht für Mama und Papa. Keine einzige! Das zehrt schon am Nervenkostüm. Vom Schlafenlegen bis zum Aufwachen sind 4x Aufstehen eine gute Nacht. Durchschnittlich sind es etwa 6x, die wir zu ihm rüber gehen müssen. Sehr viele Nächte und Phasen wurden auch im eineinhalb Stunden-Takt abgewickelt.
Ich fürchte die Nacht, sie bietet mir keine Erholung. Ich lege mich hin, schlafe lange nicht ein, da sich mein Gehirn just in diesem Moment dazu entscheidet auf Turbo zu schalten; ich warte innerlich auf das erste Mal Weinen, sein erstes Fläschchen. Danach schlafe ich ein, er auch. Kurz. Und wenn ich dann kurz eingeschlafen bin und jäh durch das Aufweinen meines Sohnes geweckt werde und völlig schlafbeduselt in sein Zimmer torkle, dann ärger ich mich. Wenn ich dann merke, dass der werte Herr Funkhouse jun. putzmunter und quietschfidel seinen Nachtschlaf hiermit offiziell beenden möchte - so um 2 Uhr herum - dann werde ich richtig wütend. Wenn ich ihn dann in der Hoffnung, dass er, weil er ja trotz allem Übermut hundemüde ist, von alleine einschläft, nachdem ich mit einen sich windenden Wurm eine gefühlte Ewigkeit auf dem Pezzi-Ball gehopst bin und dabei aufpassen musste, dass ich nicht vornüber kippe, mich dann wieder aus dem Zimmer schleiche und er fünf Minuten darauf natürlich nicht schläft, sondern sich lauthals beschwert - dann bin ich riiiiichtig wütend. Dann jammer' ich vor mich hin, ärgere mich über meinen Mann, der nicht die Mama ist (das sagt einfach alles). Mein Mann unterstützt mich, wo es nur geht. Es scheint, als hätte er alle Ruhe der Welt, wenn er unseren Sohn in den Schlaf zu begleiten versucht, während in mir ein Vulkan brodelt. Doch da er frühmorgens in die Arbeit muss, um unseren Unterhalt zu verdienen, muss ich hauptsächlich nachts auf. Und wenn es so ist, dann reiße ich die Bettdecke weg und stapfe wutentbrannt los, um in sechs Schritten wieder soweit auf dem Boden zu sein, um meinem Baby angemessen zu begegnen.
Und alsbald sitze ich wieder auf diesen ver******@!%$*** Pezzi-Ball und auf einmal lodert es in mir auf...
Die Reue. Die Reue nicht jede Sekunde, die ich ihn in meinen Armen halten darf, vollends zu genießen, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Denn wie kurz ist doch die Zeit, in der ich ein Baby habe? Gerade mal ein kurzes, klitzekleines Jahr hat man ein Baby. Ich habe bereits sieben Monate davon hinter mir. Es sind ca. 18 Jahre, wo man seine Kinder enger begleiten darf, wo Mama und Papa den ultimativen, weil versorgenden Stellenwert haben, auch wenn mit Teenager-Alter alles andere interessanter wird. Es ist eine so unglaublich kurze Zeit. Woher kommt die Wut? Schlafen könnte ich doch später? Aber so ist es leider nicht, ich bräuchte ihn jede Nacht, ich brauche Zeit, um mich zu regenerieren, um wieder voller Energie zu sein. Da ich nicht zu meinen Nachtschlaf komme, fühle ich mich meist kraftlos und müde. Auch wenn ich seine Tagesschläfchen oft für ein gemeinsames Schläfchen nütze. Es fehlt die Nacht...und als ich meinen Gedanken und meiner Reue so nachhänge, bemerke ich erst, wie schön es sich anfühlt, wenn der kleine Körper in meinen Armen liegt, warm, sicher und entspannt. Ich sehe das Weiß seiner Augen die meinen suchen und fühle sein Händchen, dass mein Gesicht ertasten will. Ich bereue es zutiefst, so wütend zu werden.
Und werde es wohl in der nächsten Nacht genauso sein...
Ein weiterer Gedanke, der mich heute bewegte - in einer Zeit, in der auf Facebook ein Foto eines toten, am Meer angespülten Flüchtlingskindes kursiert, weil das unsere derzeitige Realität ist - wie dankbar können wir doch sein, dass nächtliches Aufstehen, um unsere sicheren, wohlgenährten, behüteten Kinder Geborgenheit zu geben, eines unserer banalen Probleme ist. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich meinem Kind Krieg, Verfolgung und Terror aussetze oder in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ein fremdes Land flüchte und hoffe, dass es nicht ertrinkt, erstickt, verdurstet und wenn es überhaupt überlebt großen psychischen Schaden davon nimmt. Wie dumm und überheblich ist doch der Glaube, dass wir uns diese Sicherheit, in der wir leben, diesen Wohlstand verdient haben und es unser Recht sei. Ja, die Zeiten werden härter, auch für unsere Wohlstandsgesellschaft, ja es wird Probleme bringen und uns aus der Komfortzone bringen. Wir haben unser Glück genauso wenig verdient, wie IRGENDJEMAND ein Schicksal wie die abertausenden Menschen, die von Hoffnung getrieben oftmals in den Tod laufen. Und wenn ihnen die Härte ihres Fluchtweges nicht den gar aus macht, dann macht unsere Angst, unsere Sorge, um unseren Wohlstand und Sicherheit ihnen das Leben noch zusätzlich schwer?? Nein, wir haben uns unser feines Land nicht verdient. Es ist kein Recht - es ist Vorrecht. Es ist ein Vorrecht für uns und unsere Kinder und wir haben soviel davon, dass wir ganz leicht etwas davon abgeben können.
Mein lieber Sohn,
wenn du eines Tages so alt bist, dass du im Geschichtsunterricht davon hörst, was in der Zeit passiert ist, als du ein kleines Baby warst, dann sei dankbar. Dankbar für Sicherheit, Geborgenheit, Nahrung, für alles was du hast, alles, was dir möglich ist und alles wovor du behütetet wirst. Ich hoffe, dass aus dir ein Mensch wird, der sich aus Liebe zu seinem Nächsten in dessen, wenn auch noch so fremde Welt, hinein denken kann und erkennt, dass dieser genauso fühlt wie du, genauso Angst hat wie du, genau so Freude empfinden kann wie du - genau so erdacht und geliebt ist von seinem Schöpfer-Gott, wie du. Vergiss nie, dass jeder zählt, dass jeder Wert hat. Wenn dir irgendjemand glauben machen will, dass es wichtigere und unwichtigere Menschen gibt, dann ist das eine Lüge. Es wird schwer sein, alle Menschen so anzunehmen. Du wirst nicht alle mögen, viele werden dich nicht mögen. Viele wirst du blöd finden, weil sie anderer Meinung sind oder dir sogar Schmerzen zufügen, aber wisse, egal wie du fühlst - JEDER ist es wert geliebt und geachtet zu werden. JEDEM, der Hilfe sucht, soll Hilfe zuteil werden. Glaube nicht alles, sei kritisch, überlege dir alles durch, finde nicht alles gut, was der Zeitgeist sagt, dass gut sei. Bild dir deine Meinung und steh dazu. Aber alles was du tust und wie du denkst, soll von echter, tiefer Liebe zum Menschen geprägt sein. Ich werde mein Bestes geben, um dich zu einem liebesfähigen, mitfühlenden und mitdenkenden Menschen groß zu ziehen.
In unaussprechlicher Liebe zu dir,
deine Rabenmama
26. August 2015
It`s all about the bass...
...ist quasi die Hymne meines Mann, der, zu meinem Glück, die kurvige Heckansicht bei Damen - ergo mir - präferiert. Mein Sohnemann gerät da eher nach seinem Vater, jedoch aus anderen Motiven. Wenn ich meinem Zwerg ein Plüschtier zum Spielen gebe, wird es sogleich mit dessen Hinterteil voran erkundet. Der Grund: es gibt offensichtlich nichts Interessanteres und Amüsanteres als die Etiketten, die meist an dieser eigentlich unbedeutenden Stelle befestigt sind.
Wie wichtig unser (nicht zu Unrecht genannter) Allerwertester ist, wird spätestens dann klar, wenn man für dessen Unversehrtheit und Sauberkeit bei einem Säugling zuständig ist. Man sieht wohl auch keinen Hintern sooft, wie den eines Babys, was daran liegt, dass man ihn täglich ca. 8 bis 12 mal auspackt, säubert und pflegt. Und, mal unter uns, wie süß ist so ein Mini-Popotschi eigentlich :)?
Ja, und dieser besagter Popo, war auch der Grund, warum mein Sohn das erste Mal in seinem Leben eine Operation mit Vollnarkose über sich ergehen lassen musste und ich das erste Mal in meinem Leben Mama und Begleitperson eines Krankenhauspatienten war.
Vor einigen Wochen viel eine rote Stelle beim Windeln auf. Da wir an einen unglücklich platzierten Mückenstich dachten und unser Söhnchen quietschfidel wie immer war, dachten wir an nichts Schlimmeres. Da dieser Fleck jedoch nicht verschwand, ließen wir es doch abklären. Heraus kam, dass es sich um einen Abszess handelt, der operativ geöffnet und versorgt werden muss. Man denkt bei einem ekligen Abszess doch eher an einen erwachsenen Popo (okay, über sowas will man einfach gar nicht nachdenken, ich weiß), aber doch nicht an einen unschuldigen, supersüßen, speckigen, Mini-Bopsch... Uns wurde erklärt (als hätte ich mir das nicht schon längst im Vorfeld von Dr. Google erklären lassen), dass soetwas gehäuft bei Säuglingen vorkommt, Ursache unbekannt.
Soweit die Theorie. Die bittere Realität brachte uns zwei schreeeeeecklich lange Nächte im Krankenhaus. Die erste Hürde war das Legen eines Zugangs, der die nächsten Tage einbandagiert und durch eine Handsocke gesichert sein kleines Händchen "zieren" sollte. Wenn dann drei Schwestern und du als Mama Händchen und Beinchen deines sechs Monate alten Sohnes festhalten und eine Ärztin, deren Kompetenz ich nicht bezweifeln möchte, aber trotzdem aussieht wie Sweet 16, zuerst am ersten Versuch am Bein scheitert und danach eine weitere gefühlte Ewigkeit versucht einen Zugang zu legen und dabei ein Mantra vor sich hin brummt, "Da muss ich überlääääääägäääääään....Da muss ich überlääääägäääään....Da muss ich überlääääägäääään", während eine der Schwestern ein Glucose-Safterl zur Beruhigung in sein Mäulchen träufelt und sich mit einer anderen Schwester über die Zaubertrank-ähnliche Wunderwirkung des Saftes unterhält - spätestens dann weißt du, diese Erfahrung hätte ich jetzt gar nicht gebraucht.
Nach dem Legen des Zugangs, wurden wir aufgenommen und durften einchecken. Nur, dass es nicht ganz so komfortabel zuging, da kein Zimmer frei war und das ganze Prozedere unbedingt Mittags - also eigentliche Essens - und Schlafzeit von Babys - stattfinden musste. Trotz der schön, hell und großzügig gestalteten Kinderstation und der netten Zimmerkollegen, fand ich als Schlafstätte einen 80cm breiten Klappcouchsessel und ein riesiges käfigartiges Ungetüm, dass an die tiefgraue Vergangenheit in kommunistischen Krankenhäuser erinnerte und ich einfach nur als "das Gefängnis" bezeichnete. Also in etwa so: "Könnte ich vielleicht bitte eine weitere Decke für das Gefängnis...ähhh...Betterl haben, damit ich es ihm ein bisserl kuscheliger machen kann?"
Mein Plan vom Zusammen-in-einem-Bett-Schlafen, war durch das Gefängnis zunichte gemacht. Es war nicht einmal möglich sich gegenseitig anzusehen, da ich ungefähr ebenerdig auf meiner Pritsche lag und mein Baby im Gitterkäfig zwei Meter über mir lag. So kam es, dass ich die erste Nacht praktisch stehend und sein Händchen haltend verbrachte.
Irgendwann wurde mir dieses "Schlaf-Arrangement" zu bunt und ich holte mir meinen kleinen Patienten auf meine Pritsche. Da lagen wir nun auf 80 cm. Naja, Liegen ist übertrieben, ich versuchte auf meiner Flanke zu balancieren und dabei tunlichst zu vermeiden über mein Baby zu rollen. Und trotzdem wars gemütlich. Um halb sechs flößte ich ihm im Schlaf sein letztes Fläschchen ein, bevor er nüchtern werden sollte, was ich mir wie den größten Alptraum ever vorstellte. Laut Plan hätte er sechs Stunden ohne Nahrung sein sollen, was bedeutete zwei bis drei Stunden Hungergebrüll "überbrücken". Die Horrorszenarien eines vor Hunger und Angst brüllenden Kinder, dass an Kabeln angeschlossen von mir weg in die Ungewissheit gebracht wird, verdichteten sich in meinen Gedanken. Doch sie bewahrheiteten sich keinesfalls. Die Operation begann früher als erwartet und obwohl ihm das sogenannte "Wurschtigkeits-Zapferl" verwehrt wurde, schlummerte er noch in seinem Gitterbett ein, während er in den OP gefahren wurde. Ich durfte ihn lediglich zum Lift begleiten und sah, wie sich die Türen hinter meinem völlig ruhigen süßen Baby in seinem Krankenhaus-Käfig und seinen zwei Krankenschwestern schlossen. Sogar an dieser Stelle verhielt er sich einfach so großartig, so gechillt als hätte er sagen wollen:"Mama, alles gut, alles easy, kannst du nicht die Armee an Engeln sehen, die mein Papa im Himmel als meine Leibwächter geschickt hat?"
Nach ca. eineinhalb Stunden wurde ich zu ihm gerufen. Mein nur mit Windeln bekleidetes, an piepsenden Geräten hängendes, schlafendes Bündel lag in seinem Bett-Gefängnis und es gab in diesem Augenblick nichts Großartigeres als seinen Atmen zuzuhören. Eine Stunde saß ich an seinem Bett bis er sanft geweckt wurde und ich ihn endlich in den Arm nehmen durfte. Der Tag verlief ruhig weiter. Die größte Hürde würde uns noch bevor stehen - wir durften das Krankenhaus erst verlassen, wenn ich es lernen würde, seine Wunde zu versorgen, was heißt, dass ich eine 5cm lange, sehr tiefe offene Wunde spülen lernen musste. Der operierende Arzt fragte mich mehrmals: "Schaffen sie das?" Cool, wie ich wirken wollte, sagte ich, dass ich das wohl müsste und dass ich das schon hinbekommen würde. Als bei der Visite am nächsten Morgen erst der Wundstreifen herausgenommen wurde und ich das ganze Ausmaß der Wunde sah, stieß ich einen Ausruf des Schreckens aus, worauf der Arzt noch einmal erwiderte - er wusste wohl, was mich erwarten würde: "Deswegen sage ich, schaffen sie das?" Klar schafften wir das. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie schmerzhaft solch eine Wunde sein musste. An einem einzigen Tag wimmerte unser tapferer Kerl aufgrund der Schmerzen, sonst nie. Und nach 10 Tagen war der Spuk vorbei und die Wunde weitgehend geschlossen und das Krankenhaus Schnee von gestern.
So brachte uns also das Popöchen meines Sohnes zu einem unserer ersten gemeinsamen Abenteuer, dass ehrlich gesagt ziemlich "füan Oasch" war...
P.s.: Mein lieber Sohn! Solltest du diese Zeilen in einem Alter lesen, wo dir bewusst ist, dass faktisch die ganze Welt darüber Bescheid weiß, dass du eine Narbe am Popo trägst, verzeih' mir zuerst. Und danach überlege, was du so alles mit deinen "Freunden" per social media oder Hologramm (ich weiß ja nicht, was in 14 bis 16 Jahren so "in" ist) teilst... Außerdem denke daran, wie oft ich deinen Baby-Popo von schrecklich stinkenden Dämpfen eingenebelt gewickelt habe - also keep cool :P
In Liebe, deine Mama
Wie wichtig unser (nicht zu Unrecht genannter) Allerwertester ist, wird spätestens dann klar, wenn man für dessen Unversehrtheit und Sauberkeit bei einem Säugling zuständig ist. Man sieht wohl auch keinen Hintern sooft, wie den eines Babys, was daran liegt, dass man ihn täglich ca. 8 bis 12 mal auspackt, säubert und pflegt. Und, mal unter uns, wie süß ist so ein Mini-Popotschi eigentlich :)?
Ja, und dieser besagter Popo, war auch der Grund, warum mein Sohn das erste Mal in seinem Leben eine Operation mit Vollnarkose über sich ergehen lassen musste und ich das erste Mal in meinem Leben Mama und Begleitperson eines Krankenhauspatienten war.
Vor einigen Wochen viel eine rote Stelle beim Windeln auf. Da wir an einen unglücklich platzierten Mückenstich dachten und unser Söhnchen quietschfidel wie immer war, dachten wir an nichts Schlimmeres. Da dieser Fleck jedoch nicht verschwand, ließen wir es doch abklären. Heraus kam, dass es sich um einen Abszess handelt, der operativ geöffnet und versorgt werden muss. Man denkt bei einem ekligen Abszess doch eher an einen erwachsenen Popo (okay, über sowas will man einfach gar nicht nachdenken, ich weiß), aber doch nicht an einen unschuldigen, supersüßen, speckigen, Mini-Bopsch... Uns wurde erklärt (als hätte ich mir das nicht schon längst im Vorfeld von Dr. Google erklären lassen), dass soetwas gehäuft bei Säuglingen vorkommt, Ursache unbekannt.
Soweit die Theorie. Die bittere Realität brachte uns zwei schreeeeeecklich lange Nächte im Krankenhaus. Die erste Hürde war das Legen eines Zugangs, der die nächsten Tage einbandagiert und durch eine Handsocke gesichert sein kleines Händchen "zieren" sollte. Wenn dann drei Schwestern und du als Mama Händchen und Beinchen deines sechs Monate alten Sohnes festhalten und eine Ärztin, deren Kompetenz ich nicht bezweifeln möchte, aber trotzdem aussieht wie Sweet 16, zuerst am ersten Versuch am Bein scheitert und danach eine weitere gefühlte Ewigkeit versucht einen Zugang zu legen und dabei ein Mantra vor sich hin brummt, "Da muss ich überlääääääägäääääään....Da muss ich überlääääägäääään....Da muss ich überlääääägäääään", während eine der Schwestern ein Glucose-Safterl zur Beruhigung in sein Mäulchen träufelt und sich mit einer anderen Schwester über die Zaubertrank-ähnliche Wunderwirkung des Saftes unterhält - spätestens dann weißt du, diese Erfahrung hätte ich jetzt gar nicht gebraucht.
Nach dem Legen des Zugangs, wurden wir aufgenommen und durften einchecken. Nur, dass es nicht ganz so komfortabel zuging, da kein Zimmer frei war und das ganze Prozedere unbedingt Mittags - also eigentliche Essens - und Schlafzeit von Babys - stattfinden musste. Trotz der schön, hell und großzügig gestalteten Kinderstation und der netten Zimmerkollegen, fand ich als Schlafstätte einen 80cm breiten Klappcouchsessel und ein riesiges käfigartiges Ungetüm, dass an die tiefgraue Vergangenheit in kommunistischen Krankenhäuser erinnerte und ich einfach nur als "das Gefängnis" bezeichnete. Also in etwa so: "Könnte ich vielleicht bitte eine weitere Decke für das Gefängnis...ähhh...Betterl haben, damit ich es ihm ein bisserl kuscheliger machen kann?"
Mein Plan vom Zusammen-in-einem-Bett-Schlafen, war durch das Gefängnis zunichte gemacht. Es war nicht einmal möglich sich gegenseitig anzusehen, da ich ungefähr ebenerdig auf meiner Pritsche lag und mein Baby im Gitterkäfig zwei Meter über mir lag. So kam es, dass ich die erste Nacht praktisch stehend und sein Händchen haltend verbrachte.
Irgendwann wurde mir dieses "Schlaf-Arrangement" zu bunt und ich holte mir meinen kleinen Patienten auf meine Pritsche. Da lagen wir nun auf 80 cm. Naja, Liegen ist übertrieben, ich versuchte auf meiner Flanke zu balancieren und dabei tunlichst zu vermeiden über mein Baby zu rollen. Und trotzdem wars gemütlich. Um halb sechs flößte ich ihm im Schlaf sein letztes Fläschchen ein, bevor er nüchtern werden sollte, was ich mir wie den größten Alptraum ever vorstellte. Laut Plan hätte er sechs Stunden ohne Nahrung sein sollen, was bedeutete zwei bis drei Stunden Hungergebrüll "überbrücken". Die Horrorszenarien eines vor Hunger und Angst brüllenden Kinder, dass an Kabeln angeschlossen von mir weg in die Ungewissheit gebracht wird, verdichteten sich in meinen Gedanken. Doch sie bewahrheiteten sich keinesfalls. Die Operation begann früher als erwartet und obwohl ihm das sogenannte "Wurschtigkeits-Zapferl" verwehrt wurde, schlummerte er noch in seinem Gitterbett ein, während er in den OP gefahren wurde. Ich durfte ihn lediglich zum Lift begleiten und sah, wie sich die Türen hinter meinem völlig ruhigen süßen Baby in seinem Krankenhaus-Käfig und seinen zwei Krankenschwestern schlossen. Sogar an dieser Stelle verhielt er sich einfach so großartig, so gechillt als hätte er sagen wollen:"Mama, alles gut, alles easy, kannst du nicht die Armee an Engeln sehen, die mein Papa im Himmel als meine Leibwächter geschickt hat?"
Nach ca. eineinhalb Stunden wurde ich zu ihm gerufen. Mein nur mit Windeln bekleidetes, an piepsenden Geräten hängendes, schlafendes Bündel lag in seinem Bett-Gefängnis und es gab in diesem Augenblick nichts Großartigeres als seinen Atmen zuzuhören. Eine Stunde saß ich an seinem Bett bis er sanft geweckt wurde und ich ihn endlich in den Arm nehmen durfte. Der Tag verlief ruhig weiter. Die größte Hürde würde uns noch bevor stehen - wir durften das Krankenhaus erst verlassen, wenn ich es lernen würde, seine Wunde zu versorgen, was heißt, dass ich eine 5cm lange, sehr tiefe offene Wunde spülen lernen musste. Der operierende Arzt fragte mich mehrmals: "Schaffen sie das?" Cool, wie ich wirken wollte, sagte ich, dass ich das wohl müsste und dass ich das schon hinbekommen würde. Als bei der Visite am nächsten Morgen erst der Wundstreifen herausgenommen wurde und ich das ganze Ausmaß der Wunde sah, stieß ich einen Ausruf des Schreckens aus, worauf der Arzt noch einmal erwiderte - er wusste wohl, was mich erwarten würde: "Deswegen sage ich, schaffen sie das?" Klar schafften wir das. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie schmerzhaft solch eine Wunde sein musste. An einem einzigen Tag wimmerte unser tapferer Kerl aufgrund der Schmerzen, sonst nie. Und nach 10 Tagen war der Spuk vorbei und die Wunde weitgehend geschlossen und das Krankenhaus Schnee von gestern.
So brachte uns also das Popöchen meines Sohnes zu einem unserer ersten gemeinsamen Abenteuer, dass ehrlich gesagt ziemlich "füan Oasch" war...
P.s.: Mein lieber Sohn! Solltest du diese Zeilen in einem Alter lesen, wo dir bewusst ist, dass faktisch die ganze Welt darüber Bescheid weiß, dass du eine Narbe am Popo trägst, verzeih' mir zuerst. Und danach überlege, was du so alles mit deinen "Freunden" per social media oder Hologramm (ich weiß ja nicht, was in 14 bis 16 Jahren so "in" ist) teilst... Außerdem denke daran, wie oft ich deinen Baby-Popo von schrecklich stinkenden Dämpfen eingenebelt gewickelt habe - also keep cool :P
In Liebe, deine Mama
17. Juli 2015
Der Durchbruch
Von einem Durchbruch spricht man meistens, wenn irgendein Celebrity to be einen Erfolg gelandet hat. Meistens handelt es sich dabei um Musiker, Schauspieler oder Sportler und wird begleitet von großen Lobeshymnen in diversen Klatschpressen.
Ich habe den Durchbruch eines Menschen gerade miterlebt - er ist weder Musiker, Schauspieler noch Sportler und kein Reporter interessierte sich dafür. Doch für mich war es einer der größten Durchbrüche die ich jemals miterlebt habe. Es betraf nämlich mein Baby. Denn mit stolzen 5 Monaten hatte er bereits seinen ersten Durchbruch - den seiner ersten beiden Zähne!! Ein Weltereignis für mich, seinen Papa und alle, die sonst noch mit Freude seine Entwicklung beobachten. Die Gala kann sich auf gut deutsch "schleichen" mit News von Brangelina und Taylor Swift, solange mein Baby solche coolen Entwicklungsschritte macht :)
Ich sitze gerade auf unserem Balkonwohnzimmer - unsere diesjährige Alternative zum Urlaub - eine Investition die "Balkonien" richtig attraktiv macht. In unserem Garten schmeißt mein Papa eine Männerparty, wo mein Mann natürlich auch mit dabei ist und mein Baby schlummert bereits tief und fest. Es ist schön - Zeit für Mama, Zeit für Miriam, Zeit, um niederzuschreiben, wie schön das Leben sein kann. Nämlich so schön! Ich befinde mich mit meinem Söhnchen in den sogenannten Wonnemonaten und diese heißen völlig zurecht so. Ich empfinde meine kleine Familie - endlich - als wahre Wonne! Mein Sohn weint maximal eine Stunde pro Wochen, nimmt man die wenigen Augenblicke zusammen. Er ist eigentlich stets gut gelaunt, lacht, gluckst und gurrt mit seinem bezaubernden, pausbäckigen Babyface und strahlt mit seinen tiefblauen Augen mit der Sonne um die Wette. Wenn ich mein Gesicht zum Knutschen in seinen kleinen Bauchspeck und seine süßen Bäckchen vergrabe, ziehen sich seine Lippen zu einem breiten Froschgrinsen auseinander. Wir haben kein Familienbett und inzwischen schläft unser Kleiner sogar größtenteils in seinem eigenen Zimmer, entgegen all meinen gutgemeinten Schlafplänen. Aber jeden Morgen, ab halb fünf Uhr, zum Mittagsschlaf und nach schweren Nächten auch Vormittags - da wird unser Bett zum Familienbett. Und dann fallen mein Sohn und ich und wenn es besonders schön ist, auch mein Mann, nach intensiven Austausch unserer Blicke in einen erholsamen Schlaf. Manchmal mache ich meinem Baby nur vor, als würde ich schlafen, denn dann tut er sich leichter in den Schlaf zu finden. Wenn er dann schläft, mache ich meine Augen auf und beobachte ihn - dieses unglaublich schöne Wunderwerk. Womit habe ich es verdient, ein so gesundes und zufriedenes Goldkind zu haben? Wenn mein Mann dann auch noch schlafend daneben liegt, ist es das pure Glück. So muss Himmel sein. So voller Liebe, so voller Frieden, so herrlich, so wundervoll. Ich sauge diese Momente der Ruhe und Behaglichkeit auf, bunkere sie, will sie nie wieder vergessen und werde voll aufgetankt.
Und manchmal, wenn ich früher aufwache als mein zuckersüßer, kleiner Haifischzahn, dann warte ich bis er aufwacht, seine Beinchen zu zappeln beginnen und seine strahlenden Augen und sein breites Grinsen staunend "Hallo, meine Mama!" sagen.
Was interessieren mich die Berühmtheiten dieser Welt und ihre Erfolge, wenn ich mein eigenes kleines Weltwunder jeden Tag mit Küssen überhäufen darf?
Ich habe den Durchbruch eines Menschen gerade miterlebt - er ist weder Musiker, Schauspieler noch Sportler und kein Reporter interessierte sich dafür. Doch für mich war es einer der größten Durchbrüche die ich jemals miterlebt habe. Es betraf nämlich mein Baby. Denn mit stolzen 5 Monaten hatte er bereits seinen ersten Durchbruch - den seiner ersten beiden Zähne!! Ein Weltereignis für mich, seinen Papa und alle, die sonst noch mit Freude seine Entwicklung beobachten. Die Gala kann sich auf gut deutsch "schleichen" mit News von Brangelina und Taylor Swift, solange mein Baby solche coolen Entwicklungsschritte macht :)
Ich sitze gerade auf unserem Balkonwohnzimmer - unsere diesjährige Alternative zum Urlaub - eine Investition die "Balkonien" richtig attraktiv macht. In unserem Garten schmeißt mein Papa eine Männerparty, wo mein Mann natürlich auch mit dabei ist und mein Baby schlummert bereits tief und fest. Es ist schön - Zeit für Mama, Zeit für Miriam, Zeit, um niederzuschreiben, wie schön das Leben sein kann. Nämlich so schön! Ich befinde mich mit meinem Söhnchen in den sogenannten Wonnemonaten und diese heißen völlig zurecht so. Ich empfinde meine kleine Familie - endlich - als wahre Wonne! Mein Sohn weint maximal eine Stunde pro Wochen, nimmt man die wenigen Augenblicke zusammen. Er ist eigentlich stets gut gelaunt, lacht, gluckst und gurrt mit seinem bezaubernden, pausbäckigen Babyface und strahlt mit seinen tiefblauen Augen mit der Sonne um die Wette. Wenn ich mein Gesicht zum Knutschen in seinen kleinen Bauchspeck und seine süßen Bäckchen vergrabe, ziehen sich seine Lippen zu einem breiten Froschgrinsen auseinander. Wir haben kein Familienbett und inzwischen schläft unser Kleiner sogar größtenteils in seinem eigenen Zimmer, entgegen all meinen gutgemeinten Schlafplänen. Aber jeden Morgen, ab halb fünf Uhr, zum Mittagsschlaf und nach schweren Nächten auch Vormittags - da wird unser Bett zum Familienbett. Und dann fallen mein Sohn und ich und wenn es besonders schön ist, auch mein Mann, nach intensiven Austausch unserer Blicke in einen erholsamen Schlaf. Manchmal mache ich meinem Baby nur vor, als würde ich schlafen, denn dann tut er sich leichter in den Schlaf zu finden. Wenn er dann schläft, mache ich meine Augen auf und beobachte ihn - dieses unglaublich schöne Wunderwerk. Womit habe ich es verdient, ein so gesundes und zufriedenes Goldkind zu haben? Wenn mein Mann dann auch noch schlafend daneben liegt, ist es das pure Glück. So muss Himmel sein. So voller Liebe, so voller Frieden, so herrlich, so wundervoll. Ich sauge diese Momente der Ruhe und Behaglichkeit auf, bunkere sie, will sie nie wieder vergessen und werde voll aufgetankt.
D. und E. ihr seid die Lieben meines Lebens, mit und bei euch fühle ich mich so geliebt und geborgen, es fühlt sich wie ein Stück vom Paradies an.
Und manchmal, wenn ich früher aufwache als mein zuckersüßer, kleiner Haifischzahn, dann warte ich bis er aufwacht, seine Beinchen zu zappeln beginnen und seine strahlenden Augen und sein breites Grinsen staunend "Hallo, meine Mama!" sagen.
Was interessieren mich die Berühmtheiten dieser Welt und ihre Erfolge, wenn ich mein eigenes kleines Weltwunder jeden Tag mit Küssen überhäufen darf?
25. Juni 2015
Zurück im Leben...
...per Tritt in den Hintern
Allmählich erweitert sich meine Welt wieder, was ich vor allem zugegebenerweise schmachvoll dem Abstillen (gabs bei mir nicht, hab halt einfach aufgehört, Baby war's wurscht) zuschreiben muss, kann, darf. Ich hatte ja anfangs das Gefühl, dass ich nie wieder etwas anderes als Babygeschrei, Pupswindeln und Sabberhände erleben werde und als Ausgleich hin und wieder meinen Haushalt führen dürfte. Da mein kleiner Wonneproppen dermaßen einnehmend ist, gab es in meiner Vorstellung kein anderes Leben, keine anderen Aufgaben mehr neben ihm. Doch, früher als gedacht konnte ich einfach wieder da ansetzen, wo ich vor dem Baby aufgehört hatte. So hatten wir, mein Mann, eine Freundin und ich, vor ein paar Wochen unseren ersten Job nach der Babypause als Musiker bei einer Hochzeit. Und ich finde unsere musikalische "welcome-back-party" hätte nicht besser laufen können - in der schönsten und luxeriösesten location seit wir Trauungen gestalteten. Natürlich versuchten wir dort möglichst unauffällig, hysterisch-begeistert zu kichern, wollten wir doch einen möglichst professionellen Eindruck machen, so als wäre das die Art von location, die wir mindestens jede zweite Woche bespielen. Nett war auch, dass wir uns quasi backstage dieser Luxus-Hotelanlage mit dem Mann-für-alle-Fälle über die Affenhitze beklagten, bevor wir von diesem ein 7€ Mineralwasser in Sektgläsern gereicht bekamen - sind wir doch alle nur Menschen...
Meine Vorbereitungen auf diese Hochzeit und die Mühen, mich in Schale zu werfen, waren frühmorgens dafür weniger elegant. Man füge folgende Bilder zusammen: Frau im Kleid, eleganter Dutt, in der einen Hand Wimpertusche, in der anderen Hand die Milchpumpe und das ganze (ein)singenderweise.
Ich empfand unseren ersten Job, das wunderschöne Ambiente und das perfekte Wetter als gelungenen Startschuss, wieder mehr am Leben außerhalb meiner vier Wände teil zu nehmen - ich höre innerliche Buhhhhh-Rufe meines bindungsorientierten-ewigstillenden-immertragenden-Mama-Engels auf meiner Schulter. Aber so sehr das Ganze mit eitler Wonne angefangen hatte, so fest knallten wir auf das Pflaster der harten Realität. Mein Baby UND ich. Denn was zum wahren Leben außerhalb der behüteten Rosa-Wolken-Klitzekleinbabyzeit noch dazu gehört, ist?? Ja, genau - das Kranksein. Mein Kleiner begann vor ca. zwei Wochen und ich folgte eine Woche später. Und wenn dein Baby so röchelnd und schlecht schlafend neben dir liegt, während du verzweifelt versuchst den Hustenreiz zu unterdrücken (keine Chance!!!) und dein Gesicht gaaaanz tief in den Polster gräbst um zu husten, dann merkst du wieder, was es heißt Mama zu sein. Denn es gibt keine Möglichkeit mehr, dich einfach mal für 2, 3 Tage hinzulegen, meiste Zeit zu schlafen und dann aber auch wieder gesund zu sein. Nein, man eiert halt den Tag so vor sich herum und schleppt Rotznase und Husten drei Wochen schön verpackt im Rucksack mit. Und während ich mitten in der Nacht mit verschwollenen Augen Zwiebel schnitt um Babys Schlafzimmer ergo unseres geruchlich zu verpesten und auf Besserung zu hoffen, dachte ich an eine Chatkonversation mit einer Bekannten, die auf die Frage, wie es uns geht, und meiner Antwort, dass die Nächte sehr anstrengend seien, da Babyboy nach wie vor alle drei Stunden sein Fläschchen (und auf das muss man im Gegensatz zum Busen warten, darum muss man schreien und davon wird man schööön wach) möchte und um halb 5 ausgeschlafen ist, folgendes antwortete: "Ach dazu wäre ich noch nicht bereit, mir ist mein Schlaf noch so wichtig!" Worauf ich gerne geantwortet hätte: "Ja, genau deswegen habe ich mir ein Kind zugelegt. Ich wachte eines Morgens um 10 Uhr putzmunter auf und dachte mir: so, nun brauche ich keinen Schlaf mehr! Nun bin ich bereit im besten Fall alle drei Stunden durch Gebrüll geweckt zu werden, allgemein aufgrund des "Ammenschlafes" einfach mies zu schlafen und um 4, halb 5 ein quengelndes, plärrendes und superwaches Baby neben mir zu haben.' Schlaf ist auch völlig überbewertet. Mit zunehmenden Alter hat man dann ja auch ausgeschlafen. Pha, Schlaf - WOZU??"
Wie auch immer, allmählich erholen wir uns ja auch wieder und wir können beinahe wieder durchatmen...Das waren also unseren ersten Wochen fern unserer Glückseligkeits-Insel.
Es scheint als hätte sich in dieser harten Zeit auch etwas in meinem Sohnemann getan. Neben der Tatsache, dass aus dem kleinen schmalen Würmchen innerhalb der letzten eineinhalb Monate ein recht propperes Kerlchen geworden ist mit typischer Speckfalte an den Schenkeln und über 1500g mehr auf den Rippen, ist er vom süßen, still staunenden, ruhigen, fröhlichen Neugeborenen mit neu erworbenen Fähigkeiten zu einem vollzeitlichen Quengler und Raunzer geworden, sobald man ihn ablegt oder 5 Minuten mit dem selben Amüsement beschäftigen will. Und so trotzt er sämtlichen physiologischen Empfehlungen und möchte am liebsten alles in sitzender Position entdecken, Bauchlage findet er noch immer total doof und sein Spielebogen ist was für Babys. Jede Beschäftigung länger als 3-5 Minuten ist langweilig und wenn schon nicht sitzen, dann bitte herumtragen, aber ja nicht im blöden Tragetuch, da sieht der werte Herr ja wieder nix. Ja, der hübsche Knabe bekommt Charakter...
Neben den täglichen "Kämpfen" zwischen seinen und meinen Bedürfnissen, gibt's aber halt auch diese zuckersüßen, Patschehändchen-Streicheleinheiten (ja, ich geb's zu, meistens sind sie voller Sabber und seine feinen Nägelchen sind suuuuper fies) und einen Schwall voll glucksend-fröhlicher-Brabbelei, die schöner als Musik in meinen Ohren klingt und wo es in den vielen "grrrs" und "aiaiaiais" und "argggrrraaa" und "bllllööö" ganz genau hören kann, wie er sagt:" Mama, ich hab dich lieb, du bist die Beste und schönste Mama - meine Mama! Ich verzeihe dir alles! Geh' nur bitte nie, nie, nie wieder weg von mir, bleib nur ganz nah bei mir!" In diesen Augenblicken fühle ich mich so richtig lebendig, zurück im Leben, in meinem neuen Leben...per Liebkosung Gottes in Form MEINES Wunders, meines Babys.
Allmählich erweitert sich meine Welt wieder, was ich vor allem zugegebenerweise schmachvoll dem Abstillen (gabs bei mir nicht, hab halt einfach aufgehört, Baby war's wurscht) zuschreiben muss, kann, darf. Ich hatte ja anfangs das Gefühl, dass ich nie wieder etwas anderes als Babygeschrei, Pupswindeln und Sabberhände erleben werde und als Ausgleich hin und wieder meinen Haushalt führen dürfte. Da mein kleiner Wonneproppen dermaßen einnehmend ist, gab es in meiner Vorstellung kein anderes Leben, keine anderen Aufgaben mehr neben ihm. Doch, früher als gedacht konnte ich einfach wieder da ansetzen, wo ich vor dem Baby aufgehört hatte. So hatten wir, mein Mann, eine Freundin und ich, vor ein paar Wochen unseren ersten Job nach der Babypause als Musiker bei einer Hochzeit. Und ich finde unsere musikalische "welcome-back-party" hätte nicht besser laufen können - in der schönsten und luxeriösesten location seit wir Trauungen gestalteten. Natürlich versuchten wir dort möglichst unauffällig, hysterisch-begeistert zu kichern, wollten wir doch einen möglichst professionellen Eindruck machen, so als wäre das die Art von location, die wir mindestens jede zweite Woche bespielen. Nett war auch, dass wir uns quasi backstage dieser Luxus-Hotelanlage mit dem Mann-für-alle-Fälle über die Affenhitze beklagten, bevor wir von diesem ein 7€ Mineralwasser in Sektgläsern gereicht bekamen - sind wir doch alle nur Menschen...
Meine Vorbereitungen auf diese Hochzeit und die Mühen, mich in Schale zu werfen, waren frühmorgens dafür weniger elegant. Man füge folgende Bilder zusammen: Frau im Kleid, eleganter Dutt, in der einen Hand Wimpertusche, in der anderen Hand die Milchpumpe und das ganze (ein)singenderweise.
Ich empfand unseren ersten Job, das wunderschöne Ambiente und das perfekte Wetter als gelungenen Startschuss, wieder mehr am Leben außerhalb meiner vier Wände teil zu nehmen - ich höre innerliche Buhhhhh-Rufe meines bindungsorientierten-ewigstillenden-immertragenden-Mama-Engels auf meiner Schulter. Aber so sehr das Ganze mit eitler Wonne angefangen hatte, so fest knallten wir auf das Pflaster der harten Realität. Mein Baby UND ich. Denn was zum wahren Leben außerhalb der behüteten Rosa-Wolken-Klitzekleinbabyzeit noch dazu gehört, ist?? Ja, genau - das Kranksein. Mein Kleiner begann vor ca. zwei Wochen und ich folgte eine Woche später. Und wenn dein Baby so röchelnd und schlecht schlafend neben dir liegt, während du verzweifelt versuchst den Hustenreiz zu unterdrücken (keine Chance!!!) und dein Gesicht gaaaanz tief in den Polster gräbst um zu husten, dann merkst du wieder, was es heißt Mama zu sein. Denn es gibt keine Möglichkeit mehr, dich einfach mal für 2, 3 Tage hinzulegen, meiste Zeit zu schlafen und dann aber auch wieder gesund zu sein. Nein, man eiert halt den Tag so vor sich herum und schleppt Rotznase und Husten drei Wochen schön verpackt im Rucksack mit. Und während ich mitten in der Nacht mit verschwollenen Augen Zwiebel schnitt um Babys Schlafzimmer ergo unseres geruchlich zu verpesten und auf Besserung zu hoffen, dachte ich an eine Chatkonversation mit einer Bekannten, die auf die Frage, wie es uns geht, und meiner Antwort, dass die Nächte sehr anstrengend seien, da Babyboy nach wie vor alle drei Stunden sein Fläschchen (und auf das muss man im Gegensatz zum Busen warten, darum muss man schreien und davon wird man schööön wach) möchte und um halb 5 ausgeschlafen ist, folgendes antwortete: "Ach dazu wäre ich noch nicht bereit, mir ist mein Schlaf noch so wichtig!" Worauf ich gerne geantwortet hätte: "Ja, genau deswegen habe ich mir ein Kind zugelegt. Ich wachte eines Morgens um 10 Uhr putzmunter auf und dachte mir: so, nun brauche ich keinen Schlaf mehr! Nun bin ich bereit im besten Fall alle drei Stunden durch Gebrüll geweckt zu werden, allgemein aufgrund des "Ammenschlafes" einfach mies zu schlafen und um 4, halb 5 ein quengelndes, plärrendes und superwaches Baby neben mir zu haben.' Schlaf ist auch völlig überbewertet. Mit zunehmenden Alter hat man dann ja auch ausgeschlafen. Pha, Schlaf - WOZU??"
Wie auch immer, allmählich erholen wir uns ja auch wieder und wir können beinahe wieder durchatmen...Das waren also unseren ersten Wochen fern unserer Glückseligkeits-Insel.
Es scheint als hätte sich in dieser harten Zeit auch etwas in meinem Sohnemann getan. Neben der Tatsache, dass aus dem kleinen schmalen Würmchen innerhalb der letzten eineinhalb Monate ein recht propperes Kerlchen geworden ist mit typischer Speckfalte an den Schenkeln und über 1500g mehr auf den Rippen, ist er vom süßen, still staunenden, ruhigen, fröhlichen Neugeborenen mit neu erworbenen Fähigkeiten zu einem vollzeitlichen Quengler und Raunzer geworden, sobald man ihn ablegt oder 5 Minuten mit dem selben Amüsement beschäftigen will. Und so trotzt er sämtlichen physiologischen Empfehlungen und möchte am liebsten alles in sitzender Position entdecken, Bauchlage findet er noch immer total doof und sein Spielebogen ist was für Babys. Jede Beschäftigung länger als 3-5 Minuten ist langweilig und wenn schon nicht sitzen, dann bitte herumtragen, aber ja nicht im blöden Tragetuch, da sieht der werte Herr ja wieder nix. Ja, der hübsche Knabe bekommt Charakter...
Neben den täglichen "Kämpfen" zwischen seinen und meinen Bedürfnissen, gibt's aber halt auch diese zuckersüßen, Patschehändchen-Streicheleinheiten (ja, ich geb's zu, meistens sind sie voller Sabber und seine feinen Nägelchen sind suuuuper fies) und einen Schwall voll glucksend-fröhlicher-Brabbelei, die schöner als Musik in meinen Ohren klingt und wo es in den vielen "grrrs" und "aiaiaiais" und "argggrrraaa" und "bllllööö" ganz genau hören kann, wie er sagt:" Mama, ich hab dich lieb, du bist die Beste und schönste Mama - meine Mama! Ich verzeihe dir alles! Geh' nur bitte nie, nie, nie wieder weg von mir, bleib nur ganz nah bei mir!" In diesen Augenblicken fühle ich mich so richtig lebendig, zurück im Leben, in meinem neuen Leben...per Liebkosung Gottes in Form MEINES Wunders, meines Babys.
31. Mai 2015
Abschied...
Ja, dieser Post handelt vom Abschied, vom Loslassen, vom Trauern;
Ich muss mich verabschieden, muss loslassen. Ich habe es geliebt, es gehegt und gepflegt, ihm nur das Beste zukommen lassen, damit es schön wächst und gedeiht. Im Laufe der Jahre wurde es beachtlich groß und nahm einen gewaltigen Platz in meinem Leben ein. Ja, es war mein bester Freund. Es war mir näher als alles andere. Doch nun muss ich es verabschieden und loslassen -
Als moderne Jungmama, die sich im Zuge ihrer Ausbildung intensiv mit dem Thema Bindung auseinander gesetzt hat und nun ganz heiß darauf war, gelernte Theorien in die Praxis umzusetzen und dabei ein top sicher gebundenes, psychisch super gesundes uns sozial enorm kompetentes Kind heran zu ziehen, sind mir ALLE gängigen Praktiken um ein Baby bindungsorientiert groß zu ziehen bekannt.
Vom Stillen nach Bedarf überall und zu jeder Zeit und das solange wie möglich über das Co-Sleeping, bestenfalls im Familienbett bis hin zum häufigen Herumtragen in Tuch und Tragehilfe. Dank diversen einschlägigen Ratgebern, die jeder noch so bedacht handelnder Mama mit fundamentalistischen Besserwisser-Floskeln das bindungstechnische Fürchten lehren und dem Durchforsten etlicher Mama-Foren, weiß ich, dass es das Beste ist, mein Kind niemals und unter keinen Umständen schreien zu lassen, es den ganzen Tag immerzu nah an meinem Herzen in der ergonomisch korrekten Anhock-Spreiz Haltung (ACHTUNG: Mami-Experten-Vokabel) zu tragen, es jederzeit, sooft und solange es möchte zu stillen und das am Besten bis es sich im fortgeschrittenen Schulalter selbst dazu entschließt, dass es doch etwas eigenartig ist, sich nach der Mathe-Hausaufgabe an Mamas Busen zu vergnügen. Ein weiteres Muss für jede Mama, die von Kopf bis Fuß auf Bindung eingestellt ist, ist das Familienbett. Die einzig wahre Vorsorge, eine mental gesundes Kind zu erziehen, ist, wenn es in einem übergroßen Bett zwischen Mama und Papa liegen darf bis es selbst dazu bereit ist, in ein eigenes Zimmer und ein eigenes Bett um zu ziehen - und das passiert bestimmt, so zwischen fünf und fünfzehn Jahren, also keine Panik.
Ja, ich weiß über alles Bescheid. Ich kenne die Argumente der konservativen "mir-hat's-auch-nicht-geschadet" Fraktion vs. die ewig-und-dauernd-stillenden, im Mega-Familien-Matratzen-Lager-schlafenden, Hanf-Kleidung und Massai-Sandalen tragenden Mamas, die sämtliche experimentellen Bindetechniken mit ihrem 16m langen GOS-zertifizierten Bio-Baumwolltuch im Schlaf (im Familienbett) auswendig können. Die Für und die Wider. Und in meinem Kopf gewinnen immer die Nähebedürfnis-Baby-first-Aktivisten. Sie gewinnen und hinterlassen bei mir immer ein Gefühl der Unzulänglichkeit. "Ich stille voll" ist einer Werbeplankette, einem Button ähnlich dem Slogan "yes, we can - we have breasts, so - yes, we can!", den sich diese Mamas auf ihre Brust pinnen (natürlich, als Erinnerungshilfe, mit welcher Seite als nächstes angefangen wird). Was ist denn eigentlich dieses voll im "ich stille voll". Was ist denn halb stillen? Auf jeden Fall hatte ich erwähnte Plankette ebenfalls mit Stolz getragen.
Nach höheren Zielen strebend, sieht bzw. sah mein Babyalltag so aus: Ich bin bzw. war stilltechnisch auf wirklich alles eingestellt, bestens über Stillschwierigkeiten und Ammenmärchen informiert und stets daran interessiert harte Zeiten des Wachstums und der scheinbaren Milcharmut zu überstehen. Fläschchen versuch(t)e ich so lange wie möglich zu vermeiden und wenn dann nur, die extra-schwer-Sauger zu verwenden. Und nur abgepumpte Muttermilch versteht sich. Ein Beistellbettchen steht in unserem Schlafzimmer, um das Co-Sleeping für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich besitze fünf (nein, keine satirische Übertreibung) verschiedene Tragesysteme für jedes Gelände, jede Tagesverfassung und jede Witterung. Ich bin besser ausgestattet als ein Babyzubehör-Laden, was diese Dinge angeht.
Und dann kamen die vergangenen zwei Wochen - die Wochen der Veränderung. In denen mein Ego und meine Pläne starben und ich mich wirklich auf MEIN Kind einstellen musste. Angefangen hatte es mit einer unangenehmen Bemerkung während des Wiegens bei der Mutter-Kind-Beratungsstelle. Mein Kind sei viiiiiiiel zu schmal, viel zu dünn, viel zu zögerlich in der Gewichtszunahme. Ich wollte mich nicht verrückt machen lassen und wog mein Baby nicht jede Woche ab, ich vertraute meinen Gefühl und das bemerkte wohl, dass mein Baby zierlich, aber quietschfidel sei. Doch die Worte, die die Dame dort sprachen fühlten sich an wie: DU LÄSST DEIN KIND VERHUNGERN UND SCHAUST AUCH NOCH DABEI ZU!!! Somit war meine Woche gelaufen. Gleich am nächsten Tag holte ich mir eine zweite Meinung meines Hausarztes ein, der mich ein wenig beruhigte. Aber es nützte nichts, zu tief hatte sich das Gefühl des Versagens und angehender Kindesvernachlässigung in meine Gedanken gebrannt. Da fing er an der Trauerprozess. Für mich bedeutete die Option Fläschchennahrung dazu zu füttern das Ende meiner ach so schön erdachten Stillbeziehung. In Wahrheit ließ sich mein Baby nicht durch stillen beruhigen, meistens weinte und zappelte er dabei....einmal mehr einmal weniger. Ich brauchte meine und seine Ruhe, um das Stillen überhaupt möglich zu machen. Da gab es zum Beispiel diese Situation, in der ich mit ihm im nicht-zu-viel-nicht-zu-wenig-Förderwahn einen Babyschwimmkurs besuchte, in dem in der Badepause die engagierte Hebamme zu meinem Baby sagte, er würde jetzt gestillt werden und Mama hätte alles was er brauche dabei. Innerlich schrillten bei mir die Alarmglocken und mit Angst und Schrecken dachte ich daran, jetzt öffentlich stillen zu müssen und das auch noch im Badeanzug (Anm.: Ich musste den Adoptions-Baby-Schwimmkurs erwischt haben, denn diese Mütter hatten definitiv KEINE after-birth-bodies!!). Also entblößte ich mich in einer Ecke zusammengekauert inmitten der anderen Elternpaare ohne after-birth-body und versuchte mein Baby zu Stillen. Wie erwartet, plärrte und zappelte der kleine Mann, was das Zeug hielt...vom Stillen wurde er statt stiller lauter.
Ich schreibe nun schon seit zwei Wochen immer wieder an diesem Post. So lange wie mein Trauerprozess und mein Wahrhaben-Wollen andauerten. Eigentlich tun sie es noch immer. Von ein, zwei zusätzlichen Milchfläschchen am Tag sind wir inzwischen bei einem Fläschchen pro Mahlzeit und über einem halben Kilogramm mehr auf Babys Bäuchlein. Es tat weh zu sehen, wie sehr er sein Fläschchen liebt, inzwischen kann ich mich über sein vor freudig ungeduldiger Aufregung weit aufgesperrtes Schnäbelchen, wenn er das Fläschchen sieht, amüsieren. Ich versuche ihm und vor allem mir noch einen Rest an dieser ganz besonderen Stillnähe zu geben und ihn vor dem Fläschchen zu stillen, aber das ist ihm zu anstrengend, zu wenig ergiebig und überhaupt einfach zu doof, wo es doch dieses wunderbare, nie enden wollende, in gleichförmigem Fluss herausströmende, mit Nektar befüllte Füllhorn namens "Milchflaschi" gibt. Somit sind meine Langzeit Still-Pläne von der harten Realität durchkreuzt worden, weil ich zu den wirklichen 2% der Frauen gehöre, die nicht genug Milch produzieren können. Wie ist das mit Milchkühen, die unzureichend Milch mehr geben? Zum Glück ist man mit mir da gnädiger...
Mein Geheule, meine Getrauere und mein Festgekralle an irgendwelchen Idealvorstellungen waren meinem Baby schnurzpiep, so dass ich nun ein pausbäckiges, fröhlich qietschendes und völlig zufriedenes Flaschenkind bekommen habe. Gott sei's gedankt ist das so.
Meine Vorstellungen müssen fast täglich ein Stückchen sterben und das ist gut so. Denn wo meine Ego stirbt, entsteht ganz viel Platz für mein Baby - seine Liebe, seine Zufriedenheit und sein Wohlergehen. Mein neuer Lehrmeister ist vier Monate alt, zahnlos und muss bei einer Netto Lächel- Glukszeit von mindestens neun Stunden pro Tag wissen, wie man glücklich wird. Ich sollte öfter auf ihn hören.
Ich muss mich verabschieden, muss loslassen. Ich habe es geliebt, es gehegt und gepflegt, ihm nur das Beste zukommen lassen, damit es schön wächst und gedeiht. Im Laufe der Jahre wurde es beachtlich groß und nahm einen gewaltigen Platz in meinem Leben ein. Ja, es war mein bester Freund. Es war mir näher als alles andere. Doch nun muss ich es verabschieden und loslassen -
Mein liebes Ego.
Ich habe ja bemerkt, dass sich so einiges geändert hat, seit unser kleiner Prinz das Licht der Welt erblicken durfte. Meine Bedürfnisse, so merkte ich, wurden hinten angestellt - so dachte ich. In Wahrheit haben sie sich aber einfach nur verschoben. Mein Bedürfnis ist ER. Sein Wohlergehen, seine Gesundheit, seine psychische Unversehrtheit, sein Leben. Doch nach vier Monaten muss ich mir eingestehen, dass mit den vielen Vorstellungen und Plänen, wie ich die Babyzeit gestalten wollte, nur meine eigenen Bedürfnisse gestillt worden wäre...wäre deswegen, weil mich die Realität eines Besseren belehrt hat.Als moderne Jungmama, die sich im Zuge ihrer Ausbildung intensiv mit dem Thema Bindung auseinander gesetzt hat und nun ganz heiß darauf war, gelernte Theorien in die Praxis umzusetzen und dabei ein top sicher gebundenes, psychisch super gesundes uns sozial enorm kompetentes Kind heran zu ziehen, sind mir ALLE gängigen Praktiken um ein Baby bindungsorientiert groß zu ziehen bekannt.
Vom Stillen nach Bedarf überall und zu jeder Zeit und das solange wie möglich über das Co-Sleeping, bestenfalls im Familienbett bis hin zum häufigen Herumtragen in Tuch und Tragehilfe. Dank diversen einschlägigen Ratgebern, die jeder noch so bedacht handelnder Mama mit fundamentalistischen Besserwisser-Floskeln das bindungstechnische Fürchten lehren und dem Durchforsten etlicher Mama-Foren, weiß ich, dass es das Beste ist, mein Kind niemals und unter keinen Umständen schreien zu lassen, es den ganzen Tag immerzu nah an meinem Herzen in der ergonomisch korrekten Anhock-Spreiz Haltung (ACHTUNG: Mami-Experten-Vokabel) zu tragen, es jederzeit, sooft und solange es möchte zu stillen und das am Besten bis es sich im fortgeschrittenen Schulalter selbst dazu entschließt, dass es doch etwas eigenartig ist, sich nach der Mathe-Hausaufgabe an Mamas Busen zu vergnügen. Ein weiteres Muss für jede Mama, die von Kopf bis Fuß auf Bindung eingestellt ist, ist das Familienbett. Die einzig wahre Vorsorge, eine mental gesundes Kind zu erziehen, ist, wenn es in einem übergroßen Bett zwischen Mama und Papa liegen darf bis es selbst dazu bereit ist, in ein eigenes Zimmer und ein eigenes Bett um zu ziehen - und das passiert bestimmt, so zwischen fünf und fünfzehn Jahren, also keine Panik.
Ja, ich weiß über alles Bescheid. Ich kenne die Argumente der konservativen "mir-hat's-auch-nicht-geschadet" Fraktion vs. die ewig-und-dauernd-stillenden, im Mega-Familien-Matratzen-Lager-schlafenden, Hanf-Kleidung und Massai-Sandalen tragenden Mamas, die sämtliche experimentellen Bindetechniken mit ihrem 16m langen GOS-zertifizierten Bio-Baumwolltuch im Schlaf (im Familienbett) auswendig können. Die Für und die Wider. Und in meinem Kopf gewinnen immer die Nähebedürfnis-Baby-first-Aktivisten. Sie gewinnen und hinterlassen bei mir immer ein Gefühl der Unzulänglichkeit. "Ich stille voll" ist einer Werbeplankette, einem Button ähnlich dem Slogan "yes, we can - we have breasts, so - yes, we can!", den sich diese Mamas auf ihre Brust pinnen (natürlich, als Erinnerungshilfe, mit welcher Seite als nächstes angefangen wird). Was ist denn eigentlich dieses voll im "ich stille voll". Was ist denn halb stillen? Auf jeden Fall hatte ich erwähnte Plankette ebenfalls mit Stolz getragen.
Nach höheren Zielen strebend, sieht bzw. sah mein Babyalltag so aus: Ich bin bzw. war stilltechnisch auf wirklich alles eingestellt, bestens über Stillschwierigkeiten und Ammenmärchen informiert und stets daran interessiert harte Zeiten des Wachstums und der scheinbaren Milcharmut zu überstehen. Fläschchen versuch(t)e ich so lange wie möglich zu vermeiden und wenn dann nur, die extra-schwer-Sauger zu verwenden. Und nur abgepumpte Muttermilch versteht sich. Ein Beistellbettchen steht in unserem Schlafzimmer, um das Co-Sleeping für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich besitze fünf (nein, keine satirische Übertreibung) verschiedene Tragesysteme für jedes Gelände, jede Tagesverfassung und jede Witterung. Ich bin besser ausgestattet als ein Babyzubehör-Laden, was diese Dinge angeht.
Und dann kamen die vergangenen zwei Wochen - die Wochen der Veränderung. In denen mein Ego und meine Pläne starben und ich mich wirklich auf MEIN Kind einstellen musste. Angefangen hatte es mit einer unangenehmen Bemerkung während des Wiegens bei der Mutter-Kind-Beratungsstelle. Mein Kind sei viiiiiiiel zu schmal, viel zu dünn, viel zu zögerlich in der Gewichtszunahme. Ich wollte mich nicht verrückt machen lassen und wog mein Baby nicht jede Woche ab, ich vertraute meinen Gefühl und das bemerkte wohl, dass mein Baby zierlich, aber quietschfidel sei. Doch die Worte, die die Dame dort sprachen fühlten sich an wie: DU LÄSST DEIN KIND VERHUNGERN UND SCHAUST AUCH NOCH DABEI ZU!!! Somit war meine Woche gelaufen. Gleich am nächsten Tag holte ich mir eine zweite Meinung meines Hausarztes ein, der mich ein wenig beruhigte. Aber es nützte nichts, zu tief hatte sich das Gefühl des Versagens und angehender Kindesvernachlässigung in meine Gedanken gebrannt. Da fing er an der Trauerprozess. Für mich bedeutete die Option Fläschchennahrung dazu zu füttern das Ende meiner ach so schön erdachten Stillbeziehung. In Wahrheit ließ sich mein Baby nicht durch stillen beruhigen, meistens weinte und zappelte er dabei....einmal mehr einmal weniger. Ich brauchte meine und seine Ruhe, um das Stillen überhaupt möglich zu machen. Da gab es zum Beispiel diese Situation, in der ich mit ihm im nicht-zu-viel-nicht-zu-wenig-Förderwahn einen Babyschwimmkurs besuchte, in dem in der Badepause die engagierte Hebamme zu meinem Baby sagte, er würde jetzt gestillt werden und Mama hätte alles was er brauche dabei. Innerlich schrillten bei mir die Alarmglocken und mit Angst und Schrecken dachte ich daran, jetzt öffentlich stillen zu müssen und das auch noch im Badeanzug (Anm.: Ich musste den Adoptions-Baby-Schwimmkurs erwischt haben, denn diese Mütter hatten definitiv KEINE after-birth-bodies!!). Also entblößte ich mich in einer Ecke zusammengekauert inmitten der anderen Elternpaare ohne after-birth-body und versuchte mein Baby zu Stillen. Wie erwartet, plärrte und zappelte der kleine Mann, was das Zeug hielt...vom Stillen wurde er statt stiller lauter.
Ich schreibe nun schon seit zwei Wochen immer wieder an diesem Post. So lange wie mein Trauerprozess und mein Wahrhaben-Wollen andauerten. Eigentlich tun sie es noch immer. Von ein, zwei zusätzlichen Milchfläschchen am Tag sind wir inzwischen bei einem Fläschchen pro Mahlzeit und über einem halben Kilogramm mehr auf Babys Bäuchlein. Es tat weh zu sehen, wie sehr er sein Fläschchen liebt, inzwischen kann ich mich über sein vor freudig ungeduldiger Aufregung weit aufgesperrtes Schnäbelchen, wenn er das Fläschchen sieht, amüsieren. Ich versuche ihm und vor allem mir noch einen Rest an dieser ganz besonderen Stillnähe zu geben und ihn vor dem Fläschchen zu stillen, aber das ist ihm zu anstrengend, zu wenig ergiebig und überhaupt einfach zu doof, wo es doch dieses wunderbare, nie enden wollende, in gleichförmigem Fluss herausströmende, mit Nektar befüllte Füllhorn namens "Milchflaschi" gibt. Somit sind meine Langzeit Still-Pläne von der harten Realität durchkreuzt worden, weil ich zu den wirklichen 2% der Frauen gehöre, die nicht genug Milch produzieren können. Wie ist das mit Milchkühen, die unzureichend Milch mehr geben? Zum Glück ist man mit mir da gnädiger...
Mein Geheule, meine Getrauere und mein Festgekralle an irgendwelchen Idealvorstellungen waren meinem Baby schnurzpiep, so dass ich nun ein pausbäckiges, fröhlich qietschendes und völlig zufriedenes Flaschenkind bekommen habe. Gott sei's gedankt ist das so.
Meine Vorstellungen müssen fast täglich ein Stückchen sterben und das ist gut so. Denn wo meine Ego stirbt, entsteht ganz viel Platz für mein Baby - seine Liebe, seine Zufriedenheit und sein Wohlergehen. Mein neuer Lehrmeister ist vier Monate alt, zahnlos und muss bei einer Netto Lächel- Glukszeit von mindestens neun Stunden pro Tag wissen, wie man glücklich wird. Ich sollte öfter auf ihn hören.
5. Mai 2015
mom's first night out
Party, Drinks, eine wild durchtanzte Nacht mit den Mädels - das ALLES....hab ich nicht gemacht. Es war nur ein biederer aber lustiger Nachmittag/Abend mit anderen Damen unterschiedlichsten Alters - ABER, ich war weg. Ich war mehr als die seltenen zwei Stunden zwischen zwei Stillmahlzeiten getrennt von meinem Baby. Es war aufregend, es war neu, es roch nach neuen Möglichkeiten und - es tat ein bisschen weh.
Unser eingefrorener Muttermilchvorrat wurde das erste Mal angetastet und für unser Baby bedeutete der Tag hartes Flaschentraining und kalter Entzug von Mamas warmem Busen (Aber nur ausnahmsweise, nicht für immer - noch nicht).
Operation "cold turkey" ereignete sich wie folgt. Unauffällig, gewöhnliches Verhalten am Vormittag. Um die Mittagszeit bereitete mein Mann sein Magazin an Fläschchen und einen Fläschchenwärmer vor - mit Bratenthermometer versteht sich. Und es dürfen auch nuuuuur die extra schweren Mama-Busen-ähnlichen-hard-work-Nuckel verwendet werden. Er soll ja nicht auf den Geschmack kommen, der junge Mann...
Ein gemeinsames Mittagsschläfchen mit Mama machte die Tarnung perfekt - na, gut, ich geb's zu - es war einfach super gemütlich und ich konnte meinen versäumten Nachtschlaf ein kleines bisschen nachholen. Ich schlich mich noch während Baby schlief aus dem Zimmer, klatschte bei Papa ab, dem offensichtlich die Erstmaligkeit des Ereignisses klar wurde und mir ein mit weit aufgerissenen Augen gebrülltes "AHHHHHH, jetzt gehts los" entgegnete. Ich verließ unser Zuhause und da stand ich - ein Gefühl wie nackt, wehmütig, wissend, dass ich mein Baby erst wieder in sechs Stunden (!!!) sehen würde und mit einem verschämten Fünkchen Hoffnung, dass Mamas Superkräfte benötigt werden, um das Chaos aufzuhalten, die Welt zu retten und die ganze Aktion zwischendrin abgeblasen werden müsste (ich war ja noch immer im selben Ort und schnell erreichbar). Die WalkieTalkies alias Handys waren auf Vibrationsalarmbereitschaft und ich war es auch.
Bei der Veranstaltung mit Kuchen und Tee angekommen fühlte sich das Ganze erstaunlich gut, frei und irgendwie aus grauen, kinderlosen Tagen bekannt vor. Weswegen sich auch sogleich ein schlechtes Gewissen breit machte.
Um die Geschichte kurz und schmerzvoll zu machen: Sehr bald flatterte eine SMS mit sinngemäßen Inhalt von meinem Mann "Fläschchen geext - gerülpst - zufrieden". Gefolgt von einem Selfie mit schlafendem Baby auf Papas Brust in der Babytrage. Dem wiederum folgten mehrere Nachrichten über die Stunden verteilt mit dem Inhalt "Superdad!", "I'm Superdad", "Unser Sohn hat einen Superdad", etc.
Es war also soweit - ich war ersetzt - erfolgreich abgelöst von einem Plastikfläschchen und meinem Mann. AUA! Ja, ich fühle mich als würde er übermorgen Matura machen und nächste Woche ausziehen, um mit seiner Extreme-Survival-Adventure-Sportler-Freundin nach Timbuktu durchzubrennen, um dort mit Kannibalen-Stämmen Klippen hinabzustürzen. So schnell geht das also. Ja, klar, es eröffnet neue Möglichkeiten, ich kann auch mal ins Kino gehen oder shoppen. Aber will ich das??? Mein after-baby-body ist doch (noch bzw. wird er es jemals sein??) nicht gesellschaftstauglich. Und was ich alles verpassen könnte!!! Vielleicht sagt er das erste Mal "Mama" und ICH VERPASSE ES!? Okay, okay, er ist drei Monate alt - was ich verpassen könnte, wären fünf Bäuerchen, ein bis zwei volle Windeln und ein paar gebrabbelt gesabberte Laute. Aber DAS verpass' ich!! Und vielleicht wird er es mir übel nehmen? Vielleicht möchte er ja nicht mehr gestillt werden, weil das mit der Flasche doch so viel einfacher geht? Die über stillende Mütter schwebende Gefahr namens Stillverwirrung lauert mir schon auf! Vielleicht will er nur mehr Papa's Nähe, wenn er weint...Wird er überhaupt noch wissen, wer ich bin??
Das Ende meines Loslass-Dramas war, dass ich heim' gekommen bin, mein Mann und ein Freund auf der Couch lümmelten und kurze Zeit später das Babyphon schrill, aber wie Musik in den Ohren, flüsternd brüllte "Mama, Mama, nur du allein. Nur du kannst meine Rettung sein". Also begab ich mich zu meinem engelhaft kreischenden Würmchen, legte mich zu ihm, stillte ihn, er trank als hätte es nie ein Fläschchen gegeben und wir taumelten in wiedervereinter Glückseligkeit.
Wen ich auf die Frage, wie es mir denn das erste Mal ohne Kind geht, mit einem kurzen "ganz gut, wenn's auch ein bissl weh tut" abspeiste, verzeihe mir. DAS sind die wahren Gefühle einer Erstlingsmama, die einen auf Mom's first night out macht.
Unser eingefrorener Muttermilchvorrat wurde das erste Mal angetastet und für unser Baby bedeutete der Tag hartes Flaschentraining und kalter Entzug von Mamas warmem Busen (Aber nur ausnahmsweise, nicht für immer - noch nicht).
Operation "cold turkey" ereignete sich wie folgt. Unauffällig, gewöhnliches Verhalten am Vormittag. Um die Mittagszeit bereitete mein Mann sein Magazin an Fläschchen und einen Fläschchenwärmer vor - mit Bratenthermometer versteht sich. Und es dürfen auch nuuuuur die extra schweren Mama-Busen-ähnlichen-hard-work-Nuckel verwendet werden. Er soll ja nicht auf den Geschmack kommen, der junge Mann...
Ein gemeinsames Mittagsschläfchen mit Mama machte die Tarnung perfekt - na, gut, ich geb's zu - es war einfach super gemütlich und ich konnte meinen versäumten Nachtschlaf ein kleines bisschen nachholen. Ich schlich mich noch während Baby schlief aus dem Zimmer, klatschte bei Papa ab, dem offensichtlich die Erstmaligkeit des Ereignisses klar wurde und mir ein mit weit aufgerissenen Augen gebrülltes "AHHHHHH, jetzt gehts los" entgegnete. Ich verließ unser Zuhause und da stand ich - ein Gefühl wie nackt, wehmütig, wissend, dass ich mein Baby erst wieder in sechs Stunden (!!!) sehen würde und mit einem verschämten Fünkchen Hoffnung, dass Mamas Superkräfte benötigt werden, um das Chaos aufzuhalten, die Welt zu retten und die ganze Aktion zwischendrin abgeblasen werden müsste (ich war ja noch immer im selben Ort und schnell erreichbar). Die WalkieTalkies alias Handys waren auf Vibrationsalarmbereitschaft und ich war es auch.
Bei der Veranstaltung mit Kuchen und Tee angekommen fühlte sich das Ganze erstaunlich gut, frei und irgendwie aus grauen, kinderlosen Tagen bekannt vor. Weswegen sich auch sogleich ein schlechtes Gewissen breit machte.
Um die Geschichte kurz und schmerzvoll zu machen: Sehr bald flatterte eine SMS mit sinngemäßen Inhalt von meinem Mann "Fläschchen geext - gerülpst - zufrieden". Gefolgt von einem Selfie mit schlafendem Baby auf Papas Brust in der Babytrage. Dem wiederum folgten mehrere Nachrichten über die Stunden verteilt mit dem Inhalt "Superdad!", "I'm Superdad", "Unser Sohn hat einen Superdad", etc.
Es war also soweit - ich war ersetzt - erfolgreich abgelöst von einem Plastikfläschchen und meinem Mann. AUA! Ja, ich fühle mich als würde er übermorgen Matura machen und nächste Woche ausziehen, um mit seiner Extreme-Survival-Adventure-Sportler-Freundin nach Timbuktu durchzubrennen, um dort mit Kannibalen-Stämmen Klippen hinabzustürzen. So schnell geht das also. Ja, klar, es eröffnet neue Möglichkeiten, ich kann auch mal ins Kino gehen oder shoppen. Aber will ich das??? Mein after-baby-body ist doch (noch bzw. wird er es jemals sein??) nicht gesellschaftstauglich. Und was ich alles verpassen könnte!!! Vielleicht sagt er das erste Mal "Mama" und ICH VERPASSE ES!? Okay, okay, er ist drei Monate alt - was ich verpassen könnte, wären fünf Bäuerchen, ein bis zwei volle Windeln und ein paar gebrabbelt gesabberte Laute. Aber DAS verpass' ich!! Und vielleicht wird er es mir übel nehmen? Vielleicht möchte er ja nicht mehr gestillt werden, weil das mit der Flasche doch so viel einfacher geht? Die über stillende Mütter schwebende Gefahr namens Stillverwirrung lauert mir schon auf! Vielleicht will er nur mehr Papa's Nähe, wenn er weint...Wird er überhaupt noch wissen, wer ich bin??
Das Ende meines Loslass-Dramas war, dass ich heim' gekommen bin, mein Mann und ein Freund auf der Couch lümmelten und kurze Zeit später das Babyphon schrill, aber wie Musik in den Ohren, flüsternd brüllte "Mama, Mama, nur du allein. Nur du kannst meine Rettung sein". Also begab ich mich zu meinem engelhaft kreischenden Würmchen, legte mich zu ihm, stillte ihn, er trank als hätte es nie ein Fläschchen gegeben und wir taumelten in wiedervereinter Glückseligkeit.
Wen ich auf die Frage, wie es mir denn das erste Mal ohne Kind geht, mit einem kurzen "ganz gut, wenn's auch ein bissl weh tut" abspeiste, verzeihe mir. DAS sind die wahren Gefühle einer Erstlingsmama, die einen auf Mom's first night out macht.
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